28. März 2022
Buntes

Ran an den Spaten: Der Garten ruft

Die Sonne treibt Hobbygärtner derzeit scharenweise in die Blumencenter

Manfred Weiß, Landesvorsitzender der Gartenfreunde Braunschweig, sonnt sich auf der Besucher-Ruheinsel im Kleingartenverein Eichtal. Foto: Stefan Lohmann/regios24

Braunschweig. In vielen Kleingartenvereinen fällt an diesem Wochenende der Startschuss in die neue Saison. „Wasser marsch“ steht auf dem Programm.

Durch die frühlingshaften Temperaturen scharren Gartenliebhaber schon seit Tagen mit den Hufen. Beerensträucher, Stauden und die ersten Blumen gehen in den Märkten weg wie warme Semmel. Dabei bremsen Kenner eher aus. „Die Frostnächte sind noch nicht vorbei“, warnt zum Beispiel Manfred Weiß, Vorsitzender des Landesverbands Braunschweig der Gartenfreunde.

„Garten zu vergeben“ – noch vor einigen Jahren suchten die Kleingartenvereine händeringend nach Nachfolgern, dann kam Corona und der Markt leerte sich schlagartig. Vor allen in den Städten. „Den Leuten fiel im Lockdown die Decke auf den Kopf, wer konnte, schaffte sich eine Garten an“, sagt Manfred Weiß vom Landesverband Braunschweig der Gartenfreunde.
Der 75-Jährige beobachtet den Boom mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn, wer da zum Teil die Parzellen stürmte, hatte mit Gärtnern nicht unbedingt etwas im Sinn. „Ein Stück Rasen, eine Laube, ein Grill und ein Kasten Bier ist kein Kleingarten“, gibt Weiß zu bedenken.

Das hat nichts mit Verbohrtheit zu tun. Längst haben sich die Vereine neuen Trends geöffnet, akzeptieren neben Gemüse und Obstbäumen auch Spielgeräte und sogar Badebecken im kleinen Paradies. „Aber“, so Weiß, „es gibt ein Bundeskleingartengesetz und das regelt, was ein Kleingarten ist und was nicht.“ Der Verbandsvorsitzende ist deshalb so genau, weil immer mehr Kommunen ein Auge auf die Flächen werfen. Auf der Suche nach möglichen Baugebieten nehmen die städtischen Bauverwaltungen auch die Kleingärten ins Visier. Und prüfen, ob die den Vorgaben entsprechen oder diese zu lasch handhaben. „Letztlich geht es auch um die Frage der Entschädigung “, sagt Weiß. Die stünde den Gärtnern nämlich zu, wenn die Anlage in Bauland verwandelt werde. „Halten sich allerdings zu viele nicht an die Vorgaben, entfällt auch der Ausgleich – auch für die, die sich eigentlich an die Regeln gehalten haben.“

Manfred Weiß will dennoch nicht alle in einen Topf werfen. Nachwuchs sei wichtig, vor allem in ländlicheren Gebieten, wo wenig Fluktuation herrsche und die Älteren den Garten oft nicht mehr halten könnten.
Und auch nicht alle würden die Gärten als verlängerte Terrasse verstehen. „Der Wunsch, eigenes Gemüse und Obst zu ernten, von dem man weiß, wie es angebaut worden ist, spielt bei den jungen Familien eine immer größere Rolle.“ Und auch die gestiegenen Lebensmittelpreise fielen ins Gewicht.

Lohnt sich also eine Bewerbung um eine Parzelle – trotz großer Nachfrage? „Ja. Es gibt immer mal wieder freie Gärten, denn es herrscht ein kontinuierlicher Wechsel“, macht Weiß Interessierten Mut.
Mehr Informationen unter www.gartenfreunde-braunschweig.de.

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