19. August 2014
Menschen

Rehe mögen kein blaues Licht

Neue Reflektoren sollen das Wild von der Landstraße hinter Mascherode fernhalten.

Lars Giebel, Hans-Joachim und Carsten Loges (v.l.) demonstrieren, wie die Wildwarnreflektoren angebracht werden. Foto: Hübner

Von Andreas Konrad, 20. August 2014.

Braunschweig. Eigentlich sind Rehe farbenblind. Und dennoch scheinen sie auf blaues Licht besonders zu reagieren – sehr zu ihrem eigenen Vorteil, wie Versuche mit Wildwarnreflektoren zeigen. Die gibt es jetzt auch zwischen Mascherode und Stöckheim.

„Die Landstraße zwischen Mascherode und Stöckheim ist ein Schwerpunkt für Wildunfälle in Braunschweig“, sagt Hans-Joachim Loges von der örtlichen Jäger- und Landwirtschaft. Er und sein Sohn Carsten haben jetzt gemeinsam mit anderen Jägern 60 Reflektoren an den Leitpfosten der Straße angebracht. Werden diese bei Nacht von den Scheinwerfern der Fahrzeuge angestrahlt, wirft jeder einzelne von ihnen einen wandernden blauen Strich in die Bereiche neben der Straße. Der hält die Rehe offensichtlich davon ab, sich der Straße zu nähern, wie Versuche andernorts bereits gezeigt haben.
„Seit wir die Reflektoren im Januar montiert haben, hatten wir nicht einen Nachtunfall mit Wild“, bestätigt Carsten Loges die Erfahrungswerte. Er hat genau Buch geführt über die Wildunfälle der letzten sechs Jahre. Schließlich werde er auch immer als einer der ersten von der Polizei gerufen, wenn ein Unfall gemeldet werde, so der Landwirt. Sein Ergebnis: Zwischen sechs und neun Unfälle pro Jahr hat es in der Vergangenheit gegeben, da ist die Null aus diesem Jahr – auch wenn der Herbst noch kommt – eine gute Zwischenbilanz.
Das sieht auch Lars Giebel, Abteilungsdirektor bei der Öffentlichen Versicherung, so. Sein Arbeitgeber hat allein im letzten Jahr nach eigenen Angaben mit 3,2 Millionen Euro für 1565 Wildunfälle in der gesamten Region geradestehen müssen. Dagegen seien 120 Euro für 50 Reflektoren „ein sehr geringes Invest“, so Giebel, der eine Kostenübernahme seitens der Öffentlichen initiierte. „Wenn sich die Unfallzahlen weiterhin so positiv entwickeln, denken wir auf jeden Fall an eine Ausweitung des Projektes“, kündigt er weiter an.
Ganz so positiv ist das Jahr an der vielbefahrenen Landstraße aber dennoch nicht verlaufen. Bei Tage wurde bislang zwei Rehe angefahren. „Dagegen können auch die Reflektoren nicht helfen“, sagt Hans-Joachim Loges. Hier helfe nur die Aufmerksamkeit der Autofahrer. Loges rät: „Nicht mit Tunnelblick fahren, sondern auch die Randbereiche der Straße im Auge behalten. Und vor allem, wenn ein Reh kommt, folgen meist noch weitere.“ Das wichtigste aber sei, wenn sich ein Unfall nicht mehr hätte vermeiden lassen, diesen auch zu melden – vor allem im Interesse des Tieres, damit dieses schlimmstenfalls von den Jägern erlöst werden könne, anstelle über Tage qualvoll zu verenden, wenn es nach dem Zusammenstoß noch wegliefe. Und trotz der scheinbar blauen Lichtbarriere bei Nacht – eine Garantie, dass das Wild der Fahrbahn fernbleibt, gibt es nicht.

Auch interessant