Rentner werkeln mit Kindern

Projekt ist für den Deutschen Engagementpreis nominiert

Die Senioren in ihrer Werkstatt im Haus der Talente: (v.li.) Joachim Burgdorf, Gerd Reiche, Detlef Weber, Norbert Göttlich, Waldemar Bruchmann, Roman Hackauf und Vito Daidone. Foto: Druschke

Weststadt. Eine sinnvolle Beschäftigung für ältere Menschen, die Möglichkeit für Kinder und Jugendliche, sich handwerkliche Fähigkeiten anzueignen und im Ergebnis Produkte, die einen nennenswerten Beitrag zum Thema Umwelt- und Naturschutz leisten: Roman Hackauf kann seinem Engagement und dem seiner acht Mitstreiter gleich mehrere gute Seiten abgewinnen.

Das Projekt, um das es hier geht, trägt den etwas sperrigen Namen „Senioren für Jugendliche in der Weststadt“. „Die Grundidee dazu stammt von Hackauf: „Das ist auf meinem Mist gewachsen“, erzählt er schmunzelnd. Als Maschinenbaumeister habe er 28 Jahre lang Lehrlinge ausgebildet. Es sei ihm daher ein Anliegen, jungen Menschen handwerkliche Fähigkeiten zu vermitteln.
In unregelmäßigen Abständen, etwa alle zwei Monate, laden die Senioren seit Anfang des Jahres über die Stadtteilzeitung in das „Haus der Talente“ in der Elbestraße ein.
Die Kinder melden sich vorher an und dann wird gemeinsam gewerkelt: Nistkästen und Vogeltränken, ein Insektenhotel und Hochbeet aus Paletten.

Die Kinderwerkstatt ist einer der Träger des Sozialtransferpreises 2018 der IHK Braunschweig und wurde nun auch als eines von zwei Projekten für den Deutschen Engagementpreis 2018 nominiert.
„Die Vorhaben sind von uns so vorbereitet und geplant, dass sie an einem Tag in maximal vier Stunden umzusetzen sind“ erzählt Hackauf. Maximal zehn Teilnehmer sind möglich, damit sich die Senioren – bis auf einen Banker allesamt beruflich im Handwerk oder der Industrie verankert – gut um sie kümmern können: „Manche Kinder hatten ja noch nie einen Hammer in der Hand“.

Das jüngste Projekt, das die Senioren mit den Kids in Angriff nahmen, war ein Hochbeet am Haus der Talente. Foto: privat

Unterstützt wird die Jugendwerkstatt von IKEA. Als eines von vier ausgewählten gemeinnützigen Projekten erhielt sie Ende vergangenen Jahres 5000 Euro. Unternehmerischer Einsatz, den wiederum die IHK Braunschweig mit dem 2. Platz des IHK-Sozialtransferpreises belohnte – weitere 6.000 Euro, die der engagierten Arbeit zugute kommen.
Als nächstes wollen die Senioren den Bau eines kleinen „Weststadt-Radios“ anbieten, am liebsten mit älteren Jugendlichen, dafür haben sie eine Zusammenarbeit mit der IGS angefragt. Vielleicht wird ja eine AG daraus. Den Prototypen haben Roman Hackauf und Detlef Weber schon am Start und führen ihn vor: Eine kleine Sperrholzkiste, aus der mit Lautsprechern ein Radio wird. „Mit USB- und AUX-Anschluss, SD-Karte und Fernbedienung“, erklärt Weber und führt das Radio gleich mal vor: Klingt richtig gut. Hervorgegangen ist das Projekt aus der Nachbarschaftswerkstatt. Die gibt es seit 2012, seit der Eröffnung des „Haus der Talente“ mit eigenem festem Werkstattraum. Drei Mal im Monat können hier Weststädter mit ihren Problemfällen Hilfe suchen: Wenn der DVD-Player seinen Dienst versagt oder der Staubsauger nicht mehr läuft, wenn etwas geklebt, geflickt, wieder zum Laufen gebracht werden muss, sind die Werkstatt-Aktivisten ganz in ihrem Element. „Es wird viel zu viel weggeworfen, was man noch reparieren könnte“, sagen sie. Auch um stumpf gewordene Werkzeuge, Messer, Scheren oder Gartengeräte kümmern sich die Männer. Eine eingeschworene Truppe, die sich seit Jahren kennt, zwischendurch auch gern mit einem Grillabend oder einem Oktoberfest die Geselligkeit pflegt.

Infos zur Abstimmung:

Das Projekt „Senioren für Jugendliche in der Weststadt“ – die Werkstatt für und mit Kindern und Jugendlichen – wurde in diesem Jahr mit dem 2. Platz des Sozialtransferpreises der IHK Braunschweig belohnt.
Jetzt wurde es auch für den bundesweiten Deutschen Engagementpreis 2018 vorgeschlagen.
Die Abstimmung darüber läuft noch bis zum 22. Oktober unter www.

deutscher-engagementpreis.de/publikumspreis – als Stichwort einfach „Braunschweig“ eingeben.

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