Rezept fürs Glück: Den richtigen Wolf füttern | Neue Braunschweiger
4. Januar 2021
Buntes

Rezept fürs Glück: Den richtigen Wolf füttern

Tobias Rahm ist Glücksforscher an der TU Braunschweig – Seine Devise: Auch in Krisenzeiten nicht das Positive aus den Augen verlieren

Der TU-Glücksforscher Tobias Rahm. BZV-Archiv: Henning Noske

Ein winziges Virus wirbelt den Alltag seit neun Monaten durcheinander. Und auch 2021 verlangt eine gute Portion Optimismus. Nur: Wie fängt man es am besten an, das Glas halb voll und nicht halb leer zu sehen? Wir haben uns bei dem TU-Glücksforscher Tobias Rahm schlau gemacht.

Herr Rahm, mal Hand aufs Herz: Auch für jemanden, der von Berufs wegen eher bunt als schwarz sieht, war das letzte Jahr sicher auch eine Herausforderung, oder?

Ja, klar. Ich denke, es war für uns alle schwierig. Meine drei Töchter sind zehn, acht und sechs Jahre alt. Hieß: Mal gab es normalen Unterricht, mal Home-Schooling, mal waren die Kitas zu, mal offen. Wir konnten uns durch unsere Arbeitszeiten zum Glück gut mit der Situation arrangieren und haben tatsächlich den ersten Lockdown auch als tolle Chance begriffen, als Familie wieder mehr zusammen zu machen, uns ganz neu Wert zu schätzen.

Kann ein Glücksforscher überhaupt schlechte Laune bekommen?

(lacht). Natürlich. In solchen Fällen ist dann zwei Tage alles doof und ich muffel herum. Das Wichtigste ist, diese Stimmung zu akzeptieren, denn erstens weiß ich, dass es wieder besser wird. Und zweitens sind negative Gefühle vollkommen berechtigt. Vielleicht wollen sie uns etwas mitteilen. Vielleicht ist es Zeit, dass wir unsere Werte und Ziele überdenken. Sich ärgern gibt auch Energie, einen Impuls zur Neuorientierung.

Ab und zu zu fluchen, ist also ganz heilsam?

Sagen wir so: Nur zu schimpfen, bringt nichts. Ich muss schlau mit meinen negativen Gefühlen umgehen. Wenn Ihnen jemand die Vorfahrt nimmt und Sie schreien die Windschutzscheibe an, dann steigt nur der Stresslevel. Langfristig bringt Ihnen das gar nichts.

Sie vertreten die Ansicht, dass man Glücklichsein lernen kann – selbst in einer Krise wie die Corona-Pandemie …

Ja. Zum Beispiel hilft es sehr, wenn wir häufiger Dankbarkeit fühlen, das auch zum Ausdruck bringen und überhaupt mehr kultivieren. Im Vergleich zu anderen Ländern, haben wir in Deutschland immer noch Glück gehabt. Unser Gesundheitssystem funktioniert, und bei uns scheinen auch keine Ausgangssperren nötig zu sein.

Aber es gibt doch auch wenig soziale Kontakte und Nähe …

Richtig. Das ist in der Tat nicht einfach. Wir sind soziale Wesen, Kontakte und körperliche Nähe lassen sich durch nichts ersetzen. Aber stellen Sie sich vor, wir hätten die Pandemie vor 20 oder 30 Jahren gehabt! Ohne die sozialen Medien, die uns jetzt helfen, den Kontakt zu halten. Ohne die Vernetzung im Arbeitsleben, die Home-Office und Home-Schooling überhaupt erst möglich machen.

Man sollte sich also eher auf das konzentrieren, was möglich ist, nicht auf das, was gerade nicht möglich ist?

Genau. Ich gebe mal ein Beispiel: Ein Lehrer steht vor einer Klasse. Die meistens Schüler sind konzentriert und aufmerksam. Nur drei in der letzten Bank hören nicht zu und stören. Der Lehrer kann jetzt enttäuscht sein und das Gefühl haben, die ganze Stunde sei schlecht gelaufen. Oder er sieht es positiv: Einen Großteil der Schüler habe ich erreicht und die drei von der letzten Bank bekomme ich auch noch in den Griff. Es kommt auf die Perspektive an. Wer immer alles perfekt will und 100 Prozent verlangt, wird auf Dauer nicht glücklich werden. 80 bis 90 Prozent sind oft schon feiernswürdige Erfolge.

Sie verwenden oft Tierbilder, um Dinge verständlicher zu machen. Was hat es denn mit dem Wolf und dem Eichhörnchen auf sich?

Eine indianische Weisheit lautet: Füttere den richtigen Wolf. Die Idee dahinter: In jedem Menschen gibt es zwei Wölfe. Der eine steht für Positivität, Glück und Erfolg. Der andere für Wut, Hass, Angst und Egoismus. Es kommt darauf an, den richtigen Wolf zu nähren, um glücklich zu sein.

Und das Eichhörnchen?

Das soll uns zeigen, den Moment mehr wertzuschätzen. Achten Sie auf das, was schön ist. Ich finde zum Beispiel Eichhörnchen schön, aber es kann auch etwas ganz Anderes sein, was Sie in diesem Moment glücklich macht. Mein Tipp: Gehen Sie einfach mal ohne Handy durch den Park. Wir haben viel mehr Möglichkeiten als wir denken, um eine Situation positiv zu beeinflussen.

Tobias Rahm lehrt seit 2012 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Braunschweig am Institut für Pädagogische Psychologie. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Positive Psychologie und die Glücksforschung sowie im Speziellen Glück in der Schule. Weitere Informationen auch unter www.tu-braunschweig.de/gluecksforschung.

 

10 Tipps, um glücklicher zu werden:

1. Tu mehr gute Dinge und erlebe mehr positive Emotionen!

2. Akzeptiere die Dinge, die du nicht ändern kannst!

3. Verbinde dich mit anderen Menschen!

4. Nimm dir Zeit für dein Glücklichsein!

5. Übe dich in Dankbarkeit!

6. Vollbringe gute Taten!

7. Gönn dir genussvolle Erlebnisse!

8. Füttere den richtigen Wolf!

9. Bleib stehen, wenn du Eichhörnchen siehst!

10. Bewege dich – Sport ist nicht nur für den Körper, sondern auch für den Geist gut

 

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