8. Juli 2014
Menschen

Riesenloch wird gestopft

Hans-Sommer-Straße: Kanalerneuerung im Zeitplan – Wasser hatte Fahrbahn unterhöhlt.

Großbaustelle Hans-Sommer-Straße: Auf 920 Metern erneuert die Stadtentwässerung Braunschweig GmbH im Auftrag der Stadt die Regen- und Schmutzwasserkanäle. Elena Scapin (Ingenieurbüro Behrendt), Michael Carl (SE-BS), Projektleiterin Maren Melchers (SE-BS) und Thorsten Ruppelt (Ingenieurbüro Behrendt) freuen sich, dass die Bauarbeiten im Zeitplan liegen. Fotos: T.A.

Von Marion Korth, 9. Juli 2014.

Braunschweig. „21 Millimeter Fahrbahnabsenkung“, so lautete die Diagnose nach einer Routinemessung auf der Hans-Sommer-Straße. Der kleine Fehler hat große Folgen, aber bis zum Jahresende soll Braunschweigs größte Kanalbaustelle wieder unter einer Asphaltdecke liegen.

„Wir wollen es bis zum 19. Dezember schaffen, das ist unser Ziel“, sagt Thorsten Ruppelt (Ingenieurbüro Behrendt). Auf 920 Metern müssen neue Schmutz- und Regenwasserkanäle verlegt werden. An den alten aus den 1950er Jahren hatten Undichtigkeiten sowie Grundwasser dazu geführt, dass der umgebende Boden weggeschwemmt worden ist. 21 Millimeter Fahrbahnabsenkung hört sich vielleicht nicht so dramatisch an, „aber darunter haben wir einen 1,50 Meter tiefen Hohlraum gefunden“, sagt Michael Carl, Bereichsleiter Investitionen/Bau bei der Stadtentwässerung Braunschweig GmbH. Nicht der Kanal als solcher war einsturzgefährdet, wohl aber die Asphaltdecke darüber. Schlimmstenfalls wäre eines Tages ein Laster eingebrochen und steckengeblieben – Folgeunfälle wahrscheinlich.
Im Januar waren die Schäden festgestellt worden, danach musste es schnell gehen. Die Aufträge wurden vergeben, Mitte April wurde die Baustelle eingerichtet. Zwei Firmen arbeiten sich seither mit ihren Bautrupps voran. Im Zwei-Schichten-System von 6 bis 22 Uhr. Die Umweltbehörde hat eine Sondergenehmigung erteilt, weil die Hans-Sommer-Straße als Hauptverkehrsader von besonderem öffentlichen Interesse ist. In der nächsten Woche will eine der Firmen noch eine zweite Arbeitskolonne ins Rennen schicken, um den engen Zeitplan einhalten zu können. „Unter normalen Umständen und ohne Zwei-Schicht-Betrieb würden die Bauarbeiten bis zum nächsten Sommer gehen“, erläutert Projektleiterin Maren Melchers (Stadtentwässerung Braunschweig).
Die Kanalrohre liegen in einer Tiefe von bis zu sieben Metern, deshalb ist die Baugrube so groß, müssen Unmengen an Erde hin- und herbewegt werden. Insgesamt 25 000 Kubikmeter Boden und Asphalt, mehr als 1700 Lkw-Ladungen. Über Schläuche wird das Schmutzwasser an dem stillgelegten Kanalteilstück vorbeigeleitet, über andere Schläuche das Grundwasser abgepumpt. Spundwände sichern die Grubenwände. Die neuen Betonrohre werden in ein Spezialgemisch aus Sand und Zement eingebettet. Dann wird wieder verfüllt. Ein Drittel der Kanäle im Bereich zwischen Hagenring und Abtstraße sei bereits verlegt worden, auch die in die abzweigenden Straßen reichenden Kanäle sowie Hausanschlüsse sollen erneuert werden.
Bis alles fertig ist, werden die beiden freien Fahrbahnen wohl noch öfter verschwenkt, aber bislang sei das ganz große Verkehrschaos ausgeblieben. Was könnte jetzt den Zeitplan noch kippen? „Ein Gewitter oder ein Bombenfund“, sagt Ruppelt. „Im Bereich Hagenring haben wir Kampfmittelverdacht“, ergänzt Melchers.
Sind auch alle anderen Kanäle aus den 1950er Jahren im Stadtgebiet gefährdet? „Jein“, sagt Michael Carl. Da müssten schon verschiedene Faktoren zusammenkommen, wie eine lockere Bodenbeschaffenheit, Kanäle, die im Grundwasser liegen, viel Verkehr. Alle hoffen, dass die Hans-Sommer-Straße eine Ausnahme bleiben wird. Die Kanalerneuerung kostet rund 5,5 Millionen Euro.

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