Sally Perel soll Ehrenbürger werden | Neue Braunschweiger
1. Juli 2020
Menschen

Sally Perel soll Ehrenbürger werden

Oberbürgermeister Markurth macht Vorschlag an den Rat

Hier spricht Sally Perel auf Einladung von VW. Archivfoto: VW

Braunschweig (mak). Immer wieder wird Sally Perel nach seiner Lebensgeschichte gefragt und wird nicht müde, diese zu erzählen. Menschen, die wie er den Holocaust überlebt haben, sind als Zeitzeugen und Mahner unverzichtbar.

Nicht als Wiedergutmachung, sondern als Zeichen der Versöhnung möchte Braunschweigs Oberbürgermeister Ulrich Markurth seinen Vorschlag, Sally Perel zum Ehrenbürger der Stadt zu ernennen, verstanden wissen. Entscheiden muss darüber der Rat der Stadt.

„Dank seines unermüdlichen Engagements gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit wirkt Sally Perel als Botschafter für Frieden, Versöhnung und Völkerverständigung“, hob Markurth hervor. „Seine persönlichen Erfahrungen und sein Wissen – auch über Braunschweigs Vergangenheit – spielen eine wichtige Rolle, um zu verstehen, dass Frieden, Freiheit und die Würde des Menschen unerlässlich für unsere Demokratie sind.“

Salomon Perel wurde 1925 in Peine als Sohn eines Rabbiners geboren. Um sich der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entziehen, übersiedelte die Familie Mitte der 30er Jahre nach Łódź in Polen. Dann besetzten die deutschen Truppen auch Polen. Um ihm das Überleben zu ermöglichen, schickten seine Eltern den damals 14-jährigen Sally gemeinsam mit seinem Bruder Isaak nach Osten in den von der Sowjetunion annektierten Teil Polens.

1941 entging er dort der Erschießung durch deutsche Truppen nur, weil er behauptete, sogenannter „Volksdeutscher“ zu sein. In der Folge diente er unter dem Namen Josef „Jupp“ Perjell einige Zeit der Wehrmacht als Dolmetscher.

1943 wurde er als Minderjähriger von der Front abgezogen und kam zur Berufsausbildung nach Braunschweig, wo er im Vorwerk von VW arbeitete. Es gelang ihm, seine jüdische Identität zu verbergen, wenn auch um den Preis einer Mitgliedschaft in der Hitlerjugend.

Seine Lebenserinnerungen „Ich war Hitlerjunge Salomon“ wurden vielfach gelesen. Sein Wirken gegen Antisemitismus und Rassismus und für Respekt und Toleranz hält bis heute an.

Auch interessant