„Saubere Fakten bleiben unser Herzstück“ | Neue Braunschweiger
13. November 2020
Buntes

„Saubere Fakten bleiben unser Herzstück“

Der neue Stellvertretende Chefredakteur Christian Klose über Journalismus, seinen Weg dorthin und in die digitale Zukunft

Christian Klose ist der neue Head of Digital bei der Funke Medien Niedersachsen GmbH. Foto: Ingeborg Obi-Preuß

Braunschweig. Wir haben einen Neuen: Head of Digital – so der offizielle Titel. Wir, das ist in diesem Fall die Funke Medien Niedersachsen GmbH, mit Sitz Hintern Brüdern 23 (vormals BZV Medienhaus, Heimat der BZ, der NB, des JHM-Verlages, der Konzertkasse und anderer). Aber wer ist „der Neue“? Was macht ein Head of Digital? Den Namen haben wir schon mal: Christian Klose. Und sonst?

Er kommt forsch durch die Tür, dunkler Anzug, lässiges Hemd, wacher Blick. Wir treffen uns im Innenhof des Medienhauses (Frischluft, Corona, usw.). Der Mann ist erst kurz in Braunschweig, aber schon angekommen, steckt bereits mittendrin. Er ist nicht nur Head of Digital, sondern auch Stellvertreter des BZ-Chefredakteurs Armin Maus.

Neue Antworten

Der 48-Jährige tritt an, um den Weg des Medienhauses in die digitale Zukunft zu begleiten, zu beschleunigen, zu verbessern. „User First“, die Strategie der Tageszeitung, ist für Klose eine logische Konsequenz aus der Veränderung der Lesegewohnheiten. Gute, sauber recherchierte Fakten sind und bleiben das Herzstück des Journalismus, davon ist Christian Klose überzeugt. „Aber, je nach Zielgruppe, müssen die Inhalte anders aufbereitet und ausgespielt werden.“

Die grundsätzliche Aufgabe der Journalisten – Wächter der Demokratie zu sein – ist für Klose unberührt. „Wer sonst soll den Politikern auf die Finger schauen?“, fragt er. Und dass die Leser das ähnlich sehen, haben gerade die letzten Monate gezeigt. Die Coronakrise, aber auch die aktuellen Entwicklungen in der Politik, ließen das Bedürfnis nach zuverlässigen Nachrichten steil ansteigen.

Verlässlicher Anker

„Wir sind der Anker für seriöse Berichterstattung, davon haben wir in der Corona-Krise extrem profitiert“, sagt Klose. Sorgen machen ihm allerdings die Realitätsleugner wie jetzt in der Corona-Pandemie, die – so fürchtet er – sich immer mehr aus der Deckung trauen und die sozialen Medien für ihre Zwecke missbrauchen. „Wenn man uns als Tageszeitungsbranche einseitige Berichterstattung oder gar Fakenews unterstellt, dann ist das schon ziemlich daneben.“

Aber daran verzweifeln, das tut er natürlich nicht. Er hat schon vor heißeren Feuern gestanden und ist ziemlich abgehärtet. Er versucht die Leser mitzunehmen, mit ihnen in den Dialog zu gehen, und auch durch persönlichen Kontakt zu überzeugen, das Arbeiten der Journalisten zu erklären – wenngleich er nicht behauptet, dass die Medien unfehlbar seien.
Christian Klose kommt von der Heilbronner Stimme. Dort war er als stellvertretender Chefredakteur und Regionalchef tätig. Zuvor verantwortete er 2014 bis 2017 als Chefredakteur die Nordsee-Zeitung Bremerhaven.

„Im Herzen bin ich norddeutsch“, sagt Klose, der in Ulm geboren wurde. Zum Journalismus kam er als junger Mann eher zufällig, es hätte auch die Medizin werden können (die ihm sozusagen berufsbegleitend immer geblieben ist).
Jedenfalls hat er nach dem Abi in Ulm Krankenpfleger gelernt, in einer Kneipe auf bayerischer Donau-Seite gejobbt und so einen Fotografen kennengelernt – einen Fotografen der Neu-Ulmer Zeitung. „Ich geh da mal mit“ ist der Satz, mit dem alles begann. Der Rest ist Geschichte: Freier Mitarbeiter bei der Augsburger Allgemeinen Zeitung mit dem Schwerpunkt Medizin-Berichterstattung, ein Volontariat und anschließend zurück nach Ulm als Sportredakteur.

Er stieg dann, nach seinem Wechsel zur Schwäbischen Zeitung, schnell zum Redaktionsleiter auf, war der Mann für neue Aufgaben, übernahm verschiedene Redaktionen innerhalb des Verlages. Schon früh wurden Entscheider der Branche auf das offensichtliche Talent Kloses aufmerksam. Mehrfach wurde er abgeworben, übernahm unterschiedliche Aufgaben. „Als Feuerwehrmann in allen Redaktionen“, beschreibt er seinen Rundum-Einsatz von damals. Dieses Wissen um „die anderen“ kommt ihm heute zugute. „Ich gucke alle Abteilungen an, ich denke alle mit und sehe immer den ganzen Markt. Das ist meine DNA.“

Und die ist wichtiger denn je, das ist Klose klar: „Für ein erfolgreiches Change-Management muss ich jeden mitnehmen: Die Journalisten, die von Haus aus kritische Köpfe sind, aber auch die Leser der Printform genauso wie die User aus der digitalen Welt.“ Ein Spagat oder eher eine Jonglage mit mehreren Bällen in der Luft. Denn der Weg zum „mehrkanalfähigen Medienhaus“ ist ebenso aufwendig wie alternativlos.

„Die größte Herausforderung des digitalen Wandels in der Medienbranche ist nicht die Technik. Es ist die konsequente Bereitschaft zur Veränderung und Priorisierung“ – erklärt Klose den Weg in die Zukunft. Er geht da selbst voran, die positive Einstellung zur Veränderung ist in seinem Lebenslauf ablesbar, konsequent führte sein Weg zu größeren Aufgaben, ebenso konsequent hat er sich die dafür nötigen Fertigkeiten angeeignet. So ist Klose neben vielem anderen auch ein gefragter Moderator von Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen, Trainer für Rhetorik und Experte für technischen Workflow in der Redaktion.

Dass diese Haltung zum Beruf auch eine innere und äußere Mobilität voraussetzt, ist für ihn selbstverständlich. In zweiter Ehe verheiratet, lebt die Familie Klose mit dem kleinen Sohn in Weingarten in der Nähe von Ravensburg. Auch zu den erwachsenen Kindern aus erster Ehe ist der Kontakt bestens. „Es hat wie alles Vor- und Nachteile“, sagt er, angesprochen auf die Distanz, „ich konzentriere mich auf die Vorteile: Am Wochenende bin ich bei meiner Familie, unter der Woche kann ich in Braunschweig Vollgas geben.“

Pizzeria im Garten

Christian Klose ist ein absoluter Genussmensch. Privat kocht er gerne selbst (der vierjährige Fino hilft beim Schnippeln), macht im Garten mit einem Holz-befeuerten Pizzaofen am Wochenende seine eigene Pizzeria und lädt gerne Freunde und Familie dazu ein. Tja, und deshalb freut sich der 48-Jährige schon auf die Zeit ohne Corona-Beschränkungen, denn das Gesellige ist derzeit nun mal eingeschränkt. Das fand Christian Klose auch zu seinem Start in Braunschweig im Mai während des Lockdowns sehr schade. „Denn ich erkunde neue Städte gerne über die Gastronomie. Da hat die Löwenstadt ebenfalls viel zu bieten“, sagt er.

Veränderung als Motto

Wer den Genuss liebt, der sollte auch auf Bewegung achten. „Im Frühjahr steht auf jeden Fall die erste Mountainbike-Tour im Harz und am Elm an!“ Die Freizeitmöglichkeiten in der Region gefallen dem Neu-Braunschweiger, der nicht nur beruflich neue Pfade kennenlernen will: Als Head of Digital. Veränderung als Motto ­– das gilt auf jeden Fall für Christian Klose und mehr denn je auch für das Medienhaus.

Auch interessant