Schick oder schäbig?

Das Landesmuseum zeigt Architektur und Lebensstil der 60er und 70er Jahre

Innenstadt. Die Museumschefin kann sich kaum bremsen. „Eine Wahnsinnszeit: dynamisch, fortschrittsgläubig und voller Optimismus“, schwärmt Dr. Heike Pöppelmann. Bis zum 31. März 2019 stellt das Braunschweigische Landesmuseum zwei Jahrzehnte vor, die für Aufbruch und Lebensfreude nach dem Krieg stehen: Die 60er und 70er Jahre.
„Die Ausstellung ‘Brutal Modern’ thematisiert vor allem die Baukultur. Aber nicht nur: Wir wollen auch den Zeitgeist einfangen, dieses Gefühl von: ‘Alles ist möglich’, das erst durch die Ölkrise einen Dämpfer erhielt“, erklärt Pöppelmann, die auch überzeugt ist, dass „eine Ausstellung über die Architektur der Nachkriegsmoderne insbesondere in Braunschweig längst überfällig ist.“ Vorgestellt werden 20 Gebäude aus der Region, darunter der Hauptbahnhof und die Stadthalle Braunschweig, das Rathaus in Salzgitter und die Werkskantine im Stahlwerk Peine.

Was heute wie eine Ansammlung schäbiger Bausünden wirkt, war vor 50 Jahren das Nonplusultra: Unverputzter Beton, nüchterne Linien und gleich nebenan – riesige Parkplatzlandschaften.
„Es war die Zeit der autogerechten Stadt“, weiß Dr. Katrin Keßler, Kuratorin der Ausstellung. Kultur fand deshalb nicht mehr im Zentrum statt, sondern – siehe Stadthalle – am Rand. Gut erreichbar mit dem eigenen Fahrzeug. Das wiederum war genauso farbenfroh wie die Wohnlandschaften, von denen „Brutal modern“ einige echte Schätze präsentiert wie ein vollständig eingerichtetes Wohnzimmer nebst spiegelblanker Küche, Omas geblümter Kittelschürze und dem Bonanza-Rad fürs Kind.

Am Ende kann und soll der Besucher per Zettel oder Internet-Blog selbst entscheiden: Was tun mit den Gebäuden: Abreißen oder erhalten? „Ich bin jetzt schon gespannt auf die Diskussion“, freut sich Dr. Heike Pöppelmann auf ein reges Feedback.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, jeden 1. Dienstag im Monat bis 20 Uhr. Eintritt: 7 Euro. Abstimmung unter https://brutalmodern.blogspot.com. Infos unter www.3landesmuseen.de.
Foto Mitte: Eines der Ausstellungsobjekte – ein Karmann Buggy.

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