Schmalzkuchen – ein heißes Thema | Neue Braunschweiger
25. Februar 2020
Politik

Schmalzkuchen – ein heißes Thema

Abrisspläne: Markus Meier bangt um Geschäft

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Innenstadt. Markus Meier ist geschockt: 30 Jahre standen die Pavillons am Sack, jetzt sollen sie weg und damit seine Schmalzkuchenbäckerei. Was für die Stadtverwaltung eine reine Formsache ist, eine Mitteilung an den Wirtschaftsausschuss, rüttelt an seiner wirtschaftlichen Existenz. „Der Pavillon ist untrennbarer Teil meines Geschäfts“, sagt er der NB im Gespräch. Von den Pavillonplänen hat er aus der BZ erfahren. Die Enttäuschung sitzt tief: „Wir sind betroffen, aber niemand hält es für nötig, uns persönlich anzusprechen.“ Bis Montag, da ist das Stadtmarketing auf ihn zugekommen. Das eineinhalbstündige Gespräch macht Markus Meier Hoffnung, dass es noch nicht zu spät ist, „auf eine normale Gesprächsebene zurückzukommen.“

Vertraglich hat „Mandel-Meier“ schlechte Karten. Zwar laufe sein Mietvertrag mit Pavilloneigner ECE bis zum Jahr 2023, doch eine Kündigung erfolgt automatisch, sobald der Pachtvertrag zwischen Stadt und ECE ausläuft. Das soll zum Jahresende 2020 der Fall sein.
Im Abriss der Pavillons sieht das Stadtmarketing „eine Verbesserung der Raumsituation“ am Sack. Wenn Kunden an dem Asia-Imbiss oder Markus Meiers Schmalzkuchenbäckerei anstehen, werde es dort eng.

Das Ausgabefenster könne doch zu einer anderen Seite hin geöffnet werden. „Da hätte nur jemand mit mir sprechen müssen“, signalisiert Markus Meier Kompromissbereitschaft. Im Café, das nur ein paar Schritte entfernt ist, fehle der Platz, um das Gebäck herzustellen. Im Gegenteil, was die Gäste dort bestellen, wird draußen im Pavillon gebacken.
Dass die in den beiden Verkaufspavillons angebotenen Speisen laut Stadtmarketing in unmittelbarer Nähe in vergleichbarer Qualität zu kaufen seien, möge für die Asia-Nudelgerichte stimmen, nicht aber für seine handwerklich hergestellten Churros und Schmalzkuchen. „Mandel-Meier ist eine Braunschweiger Marke“, sagt Markus Meier. Das scheinen seine Kunden ebenso zu sehen. Seit dem Wochenende habe er schon mehr als 3000 Unterstützerunterschriften gesammelt.

Dass Markus Meier nicht persönlich informiert worden sei, nannte Stadtpressesprecher Adrian Foitzik bedauerlich. Direkt aus der Sitzung des Wirtschaftsausschusses äußerte sich die stellvertretende Ausschussvorsitzende Annegret Ihbe (SPD) und forderte „Fingerspitzengefühl“. Die öffentliche Debatte habe gezeigt, dass es hier mitnichten nur um die Zukunft zwei kleiner Gebäude geht, auch die Auswirkungen auf die umliegenden Geschäfte müssten geprüft werden. Den Vorschlag, die Pavillons abzureißen, bewertet die SPD-Fraktion kritisch. Ihbe: „Wir haben noch einige offene Fragen.“ Das Thema geht jetzt in den Umwelt- und Planungsausschuss.

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