Schmeckt’s? – Essen in der Schule

Gesund, knackig und voller Vitamine soll die Schulverpflegung sein – Klappt das?

Guten Appetit: Noel (10) isst heute Nudeln mit Geflügelwürstchen. Mandy Bösel vom Zwergenlunch betreut heute Küche und Essensausgabe in der Nibelungen-Realschule.  Foto: Birgit Wiefel

Braunschweig. Zu viel Fleisch, zu wenig Gemüse: Vor fünf Jahren schlug die Bundesregierung Alarm.

Mit dem Schulessen „stünde es nicht zum besten“, kritisierte der damalige Bundesernährungsminister Christian Schmidt. 750 Speisepläne waren genauer unter die Lupe genommen worden. Inzwischen hat sich auf den Tellern einiges getan.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat den Qualitätsstandard für die Schulverpflegung überarbeitet.
Sie zertifiziert die Caterer und gibt vor, was auf den Menüplänen stehen soll.

Damit auch wirklich alle Schüler ein gesundes Mittagessen bekommen, gibt es in Braunschweig den Schulkostenfonds, aus dem bedürftige Familien einen Zuschuss erhalten. Die Konkurrenz unter den Caterern ist groß.

Zu den Platzhirschen in der Löwenstadt zählen unter anderem die „Mehrwerk gGmbH“ der Evangelischen Stiftung Neuerkerode und das Unternehmen „Zwergenlunch“.
Wir haben die Zwergenlunch GmbH besucht und uns in einer der Großküchen umgesehen.

Zwischen Fischstäbchen und Vollwertkost

Rautheim/Siegfriedviertel. 80 Grad – perfekt. Lee Park zieht das Thermometer aus dem Brokkoli und schließt die Tür des Dampfgarers. Das Mittagessen für die Schulkindbetreuung Broitzem ist fertig.

Jetzt muss alles zügig gehen: Styroporbox auf, Brokkoli raus, Deckel drauf – alles klar für den Transport.
Zu Besuch beim „Zwergenlunch“.

Seit rund zehn Jahren versorgt der Betrieb Kitas und Schulen in Braunschweig mit Essen.
Mit Häubchen und Überschuhen steht Geschäftsführerin Meike Kreihe in der Großküche in Rautheim und zählt auf.
„1200 bis 1400 Essen werden allein hier in Rautheim nach dem ‘Cook-and-hold’-Verfahren vorbereitet und ausgeliefert.“

Streng geregelt

„Cook and hold“, das heißt auf Deutsch: Zwei Köche und zwei Küchenhelfer bereiten ab 6 Uhr die Speisen zu und verstauen sie in Boxen. In den Kitas wird in der Regel nicht vor Ort gekocht, sie werden stattdessen mit Essen beliefert.

Die Küchenkräfte müssen peinlich genau auf die Hygiene achten. Auch was, wann, wie oft auf den Speiseplan kommt, ist streng geregelt. 2012 hat sich Meike Kreihe mit ihrem Betrieb von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zertifizieren lassen. Und die gibt genau vor, wie gesunde Kinderernährung zu sein hat.

„Gemüse, Salat, Getreideprodukte müssen täglich auf dem Speiseplan stehen, mindestens viermal im Monat auch Fisch – möglichst nicht als Fischstäbchen“, erklärt Meike Kreihe. Hinzu kommen Menüs für Vegetarier und Allergiker.

Jeder Tag ist für Kreihe ein Spagat zwischen den Vorgaben der Ernährungswissenschaftler und den Wünschen der Kinder. „Natürlich sind Nudeln, Pommes frites und Pizza die Top-Favoriten – beim welchem Kind wären sie das nicht“, weiß Kreihe, selbst Mutter, aus Erfahrung. Doch genau diese Kalorienbomben sind von der DGE streng eingeschränkt. Regional, saisonal und vollwertig lautet die Devise.

„Durch den Ausbau der Ganztagsbetreuung ist auch der Markt für die Verpflegung von Kitas und Schulen gewachsen“, sagt Kreihe. 2008 hatte sie begonnen, für die Kita Mascherode zu kochen, inzwischen versorgt der „Zwergenlunch“ 35 bis 40 Einrichtungen in der Region. Die Konkurrenz ist groß.

Meike Kreihe muss gut kalkulieren und sich immer wieder gegen vorwurfsvolle Kommentare der Eltern wehren, die 3,50 Euro für ein Mittagsessen immer noch zu teuer finden. „Da wird um zehn Cent gefeilscht“, seufzt Kreihe.

Dabei müsse sie von den Einnahmen ja auch die laufenden Kosten bestreiten: Strom, Gas und Wasser, Grundnahrungsmittel, Gehälter. „Natürlich kann ich dann ein Essen nicht für den Preis anbieten, für den eine Familie einkauft.“

„Mir schmeckt’s“

Doch kommt die Mittagsverpflegung auch an? Was sagen die Kinder? Meike Kreihe hat da ihr ganz eigenes System, um das herauszufinden. Regelmäßig müssen die Köche aus der Großküche vor Ort in die Schulen gehen.

Dorthin wird das Essen nicht fertig geliefert, dort wird noch gekocht und die Gerichte gleich über den Tresen gereicht.
Seit 2012 ist die Nibelungen-Realschule im Siegfried-Viertel Kunde des „Zwergenlunch“.

Vor sechs Jahren wurde eine eigene Mensa mit angeschlossener Küche eingerichtet. Schulleiterin Edith Böhme ist froh über das Angebot.

„Vor allem die Fünft- und Sechstklässler sind von der Kita her gewohnt, mittags versorgt zu werden“, sagt sie.
Fast die Hälfte der Schüler versorgt sich außerdem morgens und in den großen Pausen am Kiosk mit Frühstück.

Heute gehen 35 Mittagessen raus. Der Renner ist Gericht 2: Nudeln mit einem Geflügelwürstchengulasch.
Küchenkraft Mandy Bösel reicht die Teller wie am Fließband heraus. Wer will, kann sich noch an der Obst- und Salatbar versorgen und so oft nachfassen wie er mag.

„Ich finde das Essen lecker“, sagt Noel (10 Jahre) zufrieden und schaufelt kräftig drauflos.
Na bitte – Mission erfüllt.

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