Schöner sterben mit Verdi

Burgplatz-Open-Air zeigt Giuseppe Verdis „Ein Maskenball“ – Vorverkauf startet.

Das Modell des Bühnenbildes. Foto: Ammerpohl

Von Birgit Leute. Braunschweig, 13.02.2015. Liebe, Eifersucht, Verrat und Mord: Die diesjährige Burgplatzoper hat wieder alle Zutaten für ein spannendes Musikspektakel. Nach „La Traviata“ und „Rigoletto“ bringt das Staatstheater vom 4. bis 20. Juli die dritte Verdi-Oper auf die Open-Air-Bühne: „Ein Maskenball“. Morgen startet der Vorverkauf.

Fall für die Zensur
Komponiert hat Verdi das Melodram um die Mitte des
19. Jahrhunderts – und eckte damit bei der Zensur sofort an, denn der „Maskenball“ sollte eigentlich von der Ermordung des schwedischen Königs Gustav III. handeln – eines aufgeklärten Monarchen, der durch seine Lebenslust zu den schillerndsten Persönlichkeiten der damaligen Zeit gehörte und die Privilegien des Adels abschaffen wollte. „Verdi war praktisch gezwungen, sein Stück auf ’links‘ zu drehen. Er musste die Liebesgeschichte in den Vordergrund rücken und die ganze Handlung nach Boston in die Neuenglandstaaten verlegen“, erklärt Dramaturgin Sarah Grahneis.
Politisch aktuell
Diese politische Ebene holt Regisseur Uwe Schwarz wieder nach vorne. „Themen wie Verrat oder das Zurückschlagen der Macht begegnen uns auch noch heute“, sagt er. Sein Maskenball findet deshalb anlässlich eines Jahrestages für gefallene Helden statt. Der Zuschauer befindet sich praktisch mitten in den feierlichen Vorbereitungen: Im Burgplatzrund ist eine Bühne aufgebaut, die Tribünenzugänge sind mit roten Teppichen gepolstert, den Löwen umgibt ein Kriegerdenkmal.
Graf Riccardo plant zu dem Anlass einen Maskenball, denn Verkleidungen sind ein Faible von ihm: Der Herrscher liebt es, sich zu verstecken oder heimlich zu belauschen.
Die Vorzeichen für das Fest stehen allerdings nicht gut: Eine Wahrsagerin warnt Riccardo, dass das Fest für ihn tödlich enden könnte. Verschwörer wollen ihn stürzen und – Riccardo hat die Eifersucht seines bestes Freundes erweckt, weil er zu dessen Frau eine verbotene Affäre unterhält. Es kommt, wie es kommen muss: Riccardo wird mitten auf dem Ball erschossen.
Reifes Werk
„’Der Maskenball‘ ist ein Beispiel dafür, welche Reife Verdi als Komponist um die Mitte des
19. Jahrhunderts bereits erreicht hatte“, zollt Dirigent Georg Menskes dem Italiener Respekt. „Die Figuren werden perfekt miteinander verwoben, und die Musik ist deutlich polyfoner, also mehrstimmiger als bei den Frühwerken.“
Für die Umsetzung der Oper sorgt ein hochkarätiges internationales Ensemble mit Sängern des Staatstheaters sowie Gaststars aus Armenien, Italien und Polen. Den Part des Riccardo singen Arthur Shen und Aldo di Toro, den Freund verkörpern Luca Grassi und Oleksandr Pushniak, und die Geliebte Amelia wird dargestellt von Raffaella Angeletti und Karine Babajanyan.

Service:
• Der Vorverkauf für die Burgplatzoper eröffnet am 14. Februar. Informationen zu Karten und Preisen unter: www.staatstheater-braunschweig.de oder telefonisch unter 1 23 45 67 (Montag bis Freitag 8 bis 18 Uhr, Samstag 8 bis 13 Uhr).

• Vorstellungstermine: Die Premiere ist am 4. Juli, 19.30 Uhr. Weitere Termine sind am 7., 8., 9., 10., 11., 12., 14., 15., 16., 17., 18., 19. und am 20. Juli, jeweils um
19.30 Uhr.

• Zur Einführung findet am 28. Juni 2015 um 12 Uhr eine Matinée mit dem Leitungsteam und den Solisten statt.

• Projekt „100 Schüler eine Oper“: Auch 2015 werden wieder 100 Jugendliche in Workshops und Theaterführungen an das Thema Oper herangeführt. Hauptsponsor BS-Energy lädt die Schüler am 14. Juli zu einer eigenen Vorstellung ein. Schulen können sich bis zum 31. März 2015 unter presse@bs-energy.de für die Projektteilnahme bewerben. Kai Uwe Krauel, Vorstandsvorsitzender, lädt dazu ausdrücklich ein: „Vielen Schulen glauben, sie haben keine Chance, doch die Bewerbungen haben in den vergangenen Jahren abgenommen, deshalb freuen wir uns über eine rege Teilnahme.“

• Inszenierung: Musikalische Leitung: Georg Menskes, Regie: Uwe Schwarz, Bühne & Kostüme: Dorit Lievenbrück, Chor: Johanna Motter, Dramaturgie: Sarah Grahneis.

• Solisten: u.a. Arthur Shen / Aldo di Toto (Riccardo), Luca Grassi / Oleksandr Pushniak (Renato), Raffaella Angeletti / Karine Babajanyan (Amelia), Larissa Schmidt / Helena Zubanovich (Ulrika), Moran Abouloff / Ekaterina Kudryavtseva (Oscar).

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