15. März 2014
Menschen

Schülerinnen coachen Schüler

Grundschule Lamme in das Mädchen-Fußballprojekt „Kicking Girls“ aufgenommen.

Die Grundschüler in Lamme lernten etwas über die Grundtechniken des Fußballs. Foto: Thomas Ammerpohl

Von Martina Jurk, 16.03.2014.

Braunschweig. Eintracht Braunschweig gegen VfL Wolfsburg oder die Nationalelf – der Sportunterricht in der Grundschule Lamme verlief drei Tage lang anders als sonst.

Voller Eifer donnern 36 kleine Kicker in der Schulsporthalle Bälle in ein imaginäres Tor. Von normaler Sportkleidung der Kinder heben sich blau-gelbe, grün-weiße und schwarz-weiße Trikots ab. Natürlich reiner Zufall. Doch um Fußball geht es tatsächlich – ganz genau um Mädchenfußball.
Das Besondere: Die Kinder werden von jugendlichen Schülerinnen betreut. Deren Ausbildung zu sogenannten Coaches im Rahmen des bundesweiten Projekts „Kicking Girls“, das von der Laureus Stiftung und der Volksbank Brawo Stiftung unterstützt wird, fand erstmals in Braunschweig statt.

Der Startschuss für das bundesweite Projekt wurde im Juni vergangenen Jahres gemeinsam mit dem ehemaligen Nationalspieler Jens Lehmann gegeben. An mehr als 60 Standorten und 200 Schulen wird das Projekt umgesetzt. Das Ziel ist die soziale Integration von Mädchen. Schulische Arbeitsgemeinschaften nur für Mädchen, Fußball-Turniere, Coach-Ausbildungen und Fußball-Camps sollen Mädchen aller Nationalitäten und aus unterschiedlichen sozialen Milieus ansprechen. In Braunschweig gibt es an den Grundschulen Lehndorf, Rheinring, Hohestieg und Altmühlstraße bereits Arbeitsgemeinschaften, die allerdings von erwachsenen Coaches betreut werden.

Zurück nach Lamme: 13 Neuntklässlerinnen des Gymnasiums Martino-Katharineum leiten den Sportunterricht in der Grundschule. Zu erkennen sind sie an ihren blauen Trikots, auf denen unübersehbar „Coach“ steht. Einen Tag zuvor war das alles noch Theorie, heute folgt die Feuertaufe mit „echtem“ Unterricht und einem von ihnen selbst erarbeiteten Parcours.
Kassandra Maletz (15) spielt selbst Fußball im Verein. „Alles, was wir brauchen, um den Unterricht gestalten zu können, lernen wir an den drei Tagen der Ausbildung“, sagt sie. Das Berufsbild des Lehrers und Erziehers sei für sie jetzt greifbarer. „Wenn mir das gefällt, möchte ich später eine AG betreuen“, ist sich Kassandra sicher. Charlotte (14) beschäftigt sich gern mit Kindern. „Unser Lehrer hat uns angesprochen, ob wir nicht Lust hätten, hier mitzumachen“, erzählt sie. Von einer Mitschülerin, die eine AG betreut, habe sie erfahren, wie viel Spaß das macht.

„Wir brauchen weibliche Übungsleiterinnen. Davon gibt es zu wenige“, sagt Projektleiterin Kerstin Pößiger vom Institut „Integration durch Sport und Bildung“ an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg, welches das „Kicking Girls“-Projekt durchführt. „Wir möchten, dass Mädchen mit Migrationshintergrund in die Sportvereine kommen. Grundschule und ortsansässiger Sportverein sollen zusammenarbeiten und gemeinsam Training und Turniere organisieren.“

Geplant ist, im Sommer ein Turnier für Fußball-AGs gemeinsam mit dem Martino-Katharineum zu veranstalten. Nach den Sommerferien soll eine Arbeitsgemeinschaft an der Grundschule Lamme eingerichtet werden.

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