• Home
  • > >
  • Schuhe, Bücher und ein Bild: Erinnerungen an die Heimat im Koffer

Schuhe, Bücher und ein Bild: Erinnerungen an die Heimat im Koffer

In einem Awo-Projekt stellen Migranten in Braunschweig ihre Heimatländer vor

Mona Al-Masri (Syrien) mit ihrem Kinderfoto: Es erinnert sie an Zeiten, in denen die Syrien in Frieden lebten.   Fotos: Jacqueline Arend

Weststadt. Mona Al-Masri nimmt ein Kinderbild aus dem braunen abgegriffenen Lederkoffer. Darauf: Sie selbst als Kind in Syrien – zu einer Zeit als noch nicht Bomben und Häuserruinen den Alltag bestimmten, sondern „ein buntes und friedliches Menschenmosaik mit unterschiedlichen Religionen und Traditionen“, erinnert sich die Syrerin aus der Nähe der Stadt Homs.

Seit elf Jahren lädt die Awo-Migrationsberatung Braunschweiger mit ausländischen Wurzeln ein, ihre ganz persönliche Geschichte zu erzählen. Nicht irgendwie, sondern anhand von Dingen, die ihnen wichtig sind – und die in einem Koffer Platz haben.
Bei der jüngsten Ausgabe von „Heimat im Koffer“ im Kulturpunkt West waren außer Mona al-Masri auch Vertreter aus Polen, Kamerun, Bulgarien, Vietnam und Afghanistan dabei.
„Wir wollen mit den Migranten reden und nicht über ihre Köpfe hinweg. Durch die Veranstaltungen entstehen nachbarschaftliche Gemeinschaften und Klischees werden aufgeräumt“, betonte Martin Stützer (Awo).
Klar ist: „Heimat im Koffer“ ist mehr als eine Nostaligiereise – hinter jedem Gegenstand steckt ein menschliches Schicksal.

Aleksandra Przybysz, Anna Usowska und Wiktoria Przybysz stellten ihr Heimatland Polen vor.

Zum Beispiel das der Polin Anna Usowska, die ein Kochbuch mitgebracht hat und erzählt, wie schwer sie in Deutschland gearbeitet hat, um mit ihren Töchtern in Braunschweig ein neues Leben zu beginnen. Oder das von Fomo Tatah, die bei ihrer Einwanderung mit Tochter Leyla fast einen Kulturschock in Deutschland erlebte.
Mehr als 5000 Kilometer ist ihre Heimatstadt Badema in Kenia von Braunschweig entfernt. Im Kulturpunkt West berichtete sie über das Gesundheits- und Schulsystem ihres Heimatlandes, das vollkommen anders ist als in Deutschland. „Wir haben uns trotzdem gut eingelebt“, sagt Fomo Tatah lächelnd.

Leyla und Fomo Tatah aus Kamerun.

„Heimat im Koffer“ zeigt am Ende eben auch, dass Integration funktionieren kann – indem man das Neue annimmt und trotzdem seine Wurzeln nicht vergisst.

^