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Schulprojekt: Freche Ziegen statt Grammatik

Abenteuerspielplatz Melverode bietet Braunschweiger Grundschulen eine neue Idee für Klassenfahrt an

Stellten das Projekt auf dem Abenteuerspielplatz vor (v.l.): Patrick Scheunemann (Projektkoordinator der Bürgerstiftung), Maria Schmidt (eck*cellent IT GmbH), Evelyn Simson (Leiterin Abenteuerspielplatz Melverode), Fred Römer (Projektleiter Abenteuerspielplatz Melverode) sowie Gerd-Ulrich Hartmann (Kroschke-Stiftung).  Fotos: Birgit Wiefel

Melverode. „Klassenfahrten werden immer seltener, Kinder immer früher verschult – wir wollen ein Gegengewicht dazu setzen“, sagt Fred Römer.

Der Lehrer im Ruhestand leitet ein neues Projekt auf dem Abenteuerspielplatz Melverode: Für ein paar Tage oder sogar eine ganze Woche können Lehrer und Kinder von Braunschweiger Grundschulen eine Auszeit von Druck und Noten nehmen. Statt Rechnen, Schreiben oder Englisch stehen Wildnis und Natur auf dem Programm.

Hühner und Ziegen

Drei Klassen der Grundschule Hohestieg toben an diesem Morgen über das Gelände an der Leipziger Straße. Mittendrin eine Elterngruppe mit Kleinkindern. Als am Mittag die Ziegen und Hühner aus dem Stall ins Freie dürfen, kennt die Begeisterung keine Grenzen.

Kaninchen statt Grammatik. Die Lehrerinnen der Grundschule Hohestieg Julia Probst, Janine Mauri und Sabrina Grahn (v.l.).

Selbst die Lehrerinnen Julia Probst, Janine Mauri und Sabrina Grahn bekommen kurzerhand Kaninchen und Meerschweinchen in den Arm gedrückt. Eine ganz neue Erfahrung. „Spannend“, lächelt Grahn vorsichtig, während sie ihr zappeliges Langohr zu bändigen versucht.
Zurück zur Natur als Antwort auf Pisa? „Das kann man so sehen“, sagt Fred Römer. Inzwischen zeigten sich die Folgen der frühen Digitalisierung. „Die Kids haben Probleme mit der Motorik, werden früh kurzsichtig und zeigen Stresssymptome“, zählt der Projektleiter auf.

In den USA, in England und vor allem in Australien gebe es deshalb eine Bewegung, die nach dem Motto „let our kids be kids“ wieder das freie Spiel propagiere.
„Ich selbst habe als Lehrer erlebt, wie schüchterne Schüler oder sogenannte ‘Schulversager’ plötzlich aus sich herauskamen, ganz neue Charaktereigenschaften zeigten“, erzählt Römer von seinen Erfahrungen auf dem Abenteuerspielplatz, den es mittlerweile seit 45 Jahren gibt.

Zeigt wie es geht: Die 18-monatige Alexandra stürzte sich mit Begeisterung auf die Tiere.

Leiterin Evelyn Simson beobachtet auch, wie die Kinder wieder den Umgang miteinander, aber auch Geduld lernten.
„Bei uns werden zum Beispiel Werkzeuge nur alle halbe Stunde ausgegeben. Da muss man sich vorher schon organisieren – oder einfach warten“, erzählt sie.

Stiftungen fördern

Angelegt ist das Projekt, das von zwei Braunschweiger Stiftungen und Unternehmen mit einem fünfstelligen Betrag gefördert wird, auf drei Jahre. Außer der Grundschule Hohestieg haben auch die Freie Schule, die Grundschule Rheinring und die Grundschule Diesterwegstraße Interesse gezeigt, jetzt hoffen die Initiatoren auf noch mehr Resonanz.
Kontakt: Abenteuerspielplatz Melverode, Leipziger Straße 100, Telefon 0531/60 31 29, E-Mail: abenteuerspielplatzmelverode@web.de.

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