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Seine Botschaft: Wagt ein bisschen Wildnis

René Wadas, Bestsellerautor und Pflanzenarzt aus Börßum bei Braunschweig, im Interview – Die NB verlost Karten für die Sprechstunde

Pflanzenarzt René Wadas wirbt für ein neues Verständnis im Umgang mit Pflanzen, Tieren und der Natur. Foto: oh

Braunschweig. Gärtnern liegt im Trend. Doch leider blüht und gedeiht im Gemüsebeet, Schrebergarten oder auf dem Balkon längst nicht immer alles so, wie man es sich wünscht. Wenn die Pflanzen mäkeln, dann hilft nur eines: Pflanzenarzt René Wadas aus Börßum rufen oder sein neues Buch lesen oder zu seinem Vortrag ins BZV-Medienhaus kommen.

Im Interview erzählt er, warum er keine Chemie verwendet und Pflanzen nicht einfach dumm herumwachsen. Uns, so sagt er, fehle der Respekt im Umgang mit ihnen. Christian Göttner sprach für die NB mit dem Pflanzenexperten mit zwanzigjähriger Berufserfahrung.

Sie haben mit Ihrem Buch anscheinend einen Nerv getroffen: Echte Erde statt digitaler Daten, Pflanzen statt Computer & Co.?

Es zieht zwar immer mehr Menschen in die Stadt, aber der Bio-Gedanke ist bei vielen groß. Die wollen auf ihrem kleinen Balkon oder Dachterrasse ihr eigens Grün haben und ihr eigenes Gemüse anbauen. Der Trend geht nicht mehr zur schönen Geranie, sondern zum Kräuterbeet, wo man was ernten kann. Wer das tut, möchte das mit dem Naturgedanken machen und keinen chemischen Pflanzenschutz verwenden.

Macht Gartenarbeit zufriedener?

Mich schon. Ich bin täglich im Garten – auch wenn es meist die von anderen Leuten sind. Ich gestalte und verändere gerne etwas. Nach einem stressigen Tag, tut es einfach gut, mit einer Hacke durch meine Beete zu gehen abzuschalten, mit Erde zu arbeiten oder einfach auf einer Bank zu sitzen und Löcher in die Luft zu starren. Pflegen, pflanzen, topfen. Da komme ich absolut runter. Man muss sich dem Rhythmus der Pflanzen anpassen. Das entschleunigt.

Wie würde Sie die Pflanzenvielfalt in unserer Region beschreiben?

In der Stadt ist die Arten- und Pflanzenvielfalt größer als auf dem Land. Man kann sich auch kaum vorstellen, dass der Stadt-Honig gesünder ist als der Land-Honig. Warum: Im Land gibt es eine Monokultur. In der Stadt gibt es wilde Ecken, Unkrautflächen. In den Pflastersteinen und Fugen wachsen Unkräuter. Das ist gut so. Das findet man auf dem Land nicht mehr.

Was kann der Einzelne tun?

Die Kleingärtner sollten ihre Gärten nicht zu akkurat halten, sondern auch einige Stückchen wild wachsen lassen. Auch ein Komposthaufen mit Gartenschnitt oder totes Holz sind gut für Insekten. Auch Bauernhöfe mit dampfenden Misthaufen eignen sich – doch die gibt es ja kaum noch. Heute gibt es vor allem abgeschottete Schweinezuchtställe, in die keine Fliege mehr reinkommt. Auch heimische Pflanzen und Gehölze, die bienen- und insektenfreundlich sind, sollte man anpflanzen. Zum biologischen Gärtnern gehört ein intaktes Gleichgewicht. Das perfekt zu schaffen ist schwierig, aber man kann es unterstützen. Wir schaffen es aber nur in der Gemeinschaft. Nur dann kann man etwas bewirken. Auch für die Zukunft unserer Kinder.

Was befindet sich in Ihrer grünen Pflanzenarzt-Tasche?

Ein Gerät, mit dem ich den PH-Wert oder die Leitfähigkeit der Pflanze im Boden messe. Ich muss dem Besitzer visuell zeigen: Da ist kein Dünger drin. Dann habe ich natürlich Erste-Hilfe-Produkte, wie meinen Rosenzauber drin. Und 20 Millionen kleine Helfer – Mikroorganismen, die dafür sorgen, dass der Boden reaktiviert wird oder Pflanzen widerstandsfähig werden. Eine Schere und eine Lupe habe ich ebenfalls dabei.

Sind Sie ein Aufklärer und Kämpfer für die wilde Natur?

Eigentlich bin ich nur Biogärtner (lacht). Meine Aufgabe ist es, von A nach B zu wandern, jede Fernsehshow zu besuchen, um dieses biologische Gärtnern den Menschen näherzubringen. Zu zeigen: Was kann man tun. Und das natürlich auch zum Ärger der Industrie. Man muss nicht immer Schädlingsmittel kaufen, sondern kann auch bestimme Pflanzen beispielsweise gegen Blattläuse, Raupen oder Pilzerkrankungen im Garten einsetzen. Man sollte immer hinterfragen, was man tut. Ja, das machen wir schon bei Lebensmitteln, aber auch im Garten muss man das machen. Wenn keiner mehr Glyphosat kauft, wird es verschwinden. Daran muss man arbeiten. Unsere Urgroßeltern hatten keine Chemie, aber ein besseres Verständnis für die Pflanzen. Ich hoffe, dass wir in einer Art Wandel leben. Was uns Menschen im Moment fehlt, ist der Respekt. In jeglicher Art. Es fehlt uns der Respekt zur Natur, zu den Tieren, den Menschen und Religionen. Alles, was passiert auf dieser Welt, muss im Rahmen bleiben. Man sollte mit offenen Augen durch die Welt gehen.

Infos und Verlosung

„Lassen Sie mich durch, ich bin Gärtner …“ lautet der Titel des Vortrags von Pflanzenarzt René Wadas. Es können Pflanzenteile oder auch Fotos erkrankter Pflanzen zur Begutachtung mitgebracht werden. Am 23. Mai, 19 Uhr, ist er erstmals zu Gast im BZV Medienhaus. Eintrittspreis: 11,90 Euro normal/mit Payper Card 9,90 € ermäßigt. Vorverkauf: Konzert-Kasse sowie in allen ServiceCentern oder www.konzertkasse.de. Außerdem verlosen wir dreimal zwei Eintrittskarten. Senden Sie uns bis zum Montag (6. Mai, 12 Uhr) eine Mail mit der Betreffzeile „Pflanzenarzt“ an gewinnspiel@nb-online.de unter Angabe Ihres Namens sowie Ihrer Adresse, damit wir Ihnen Ihre Karten zusenden können. Die Gewinnbenachrichtigung erfolgt per Mail.

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