Seit 125 Jahren stets im Titelrennen | Neue Braunschweiger
18. November 2020
Sport

Seit 125 Jahren stets im Titelrennen

Die Leichtathletik-Abteilung von Eintracht Braunschweig war schon in den frühen Jahren sehr erfolgreich

Geher Rudi Lüttge – hier bei einem Wettkampf in Berlin – machte Braunschweig nach dem Krieg zu einer Hochburg in dieser Disziplin. Foto: oh

Braunschweig. Die Olympische Kernsportart Leichtathletik hat auch bei der Eintracht eine lange Tradition. Bereits mit Gründung 1895 hatte sie der Verein im Programm. Bis heute sammeln die Athleten von Eintracht und LG Braunschweig regelmäßig auf nationalen und internationalen Wettkämpfen Medaillen.

Schon im Jahr 1904 wurde Mittelstreckler Johannes Runge Deutscher Meister und erster Teilnehmer an Olympischen Spielen des Vereins in St. Louis. Die Wettkämpfe damals wurden unter aus heutiger Sicht abenteuerlichen Bedingungen ausgetragen: Die Sprinter gruben sich mit Schaufeln noch selbst Startlöcher, die Hochspringer landeten in Sandgruben und an eine elektronische Zeit- und Weitenmessung war natürlich erst recht nicht zu denken. Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde der Einträchtler Erich Zimmermann deutscher Meister im Speerwurf und sein Vereinskamerad Hermann Sonnenberg gewann 1919 in Nürnberg den nationalen Titel im 10 000-Meter-Lauf.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde Rudolph Harbig, der herausragende Leichtathlet zu dieser Zeit, 1940 als Soldat von Dresden nach Braunschweig verlegt und gewann im Dress der Eintracht den deutschen Meistertitel über 800 Meter.
Trotz der zerstörten Infrastruktur nahmen die Leichtathleten nach dem Krieg schnell wieder an Fahrt auf. Geher Rudi Lüttge machte Braunschweig zusammen mit seinen Teamkollegen Gustav Peinemann, Walter Stoltz, Viktor Siuda, Erich Rodermund, Hans-Jürgen Dressel, Theo Arendes, Wilhelm Kneifel, Heinz Mayr und Horst Thomanske zu Deutschlands Geher-Hochburg und holte über ein Jahrzehnt im Einzel und in der Mannschaft zahlreiche Meisterschaften. Unvergessen dabei ist der Marsch von Victor Siuda Ende Mai 1967 zum letzten Auswärtsspiel der Fußballer nach Essen. In fünf Etappen legte er die 328 Kilometer zurück und erreichte 20 Minuten vor Spielbeginn das Stadion.

In den 50er-Jahren setzten vor allem Hochspringerin Inge Offermann mit Deutschen Meisterschaften, Rekorden und der Olympia-Teilnahme 1956 in Melbourne sowie Weitspringerin Gudrun Scholz mit Deutschem Rekord die Akzente. Scholz überraschte schon als 19-Jährige mit einer Weite von 6,22 Metern – sensationell für die Bedingungen im Jahr 1959. Nach einer Verletzung wechselte sie zum Hockey und wurde Nationalspielerin.
Auch bei den Junioren feierte die Eintracht früh Erfolge. Ingeborg Jakob, Angelika Müller und Anne-Kathrin Heine (später Eriksen) wurden 1964 Deutsche Mannschaftsmeister im Fünfkampf. Die Rahmenbedingungen dabei immer noch ungewöhnlich. „Wir waren im Karlsruher Wildparkstadion und es gab einen Eimer zum Händewaschen und eine Scheibe Zitrone statt Getränke“, erinnert sich Anne-Kathrin Eriksen, die aktuell zusammen mit Gerhard Flachowsky große Erfolge im Seniorensport für die Eintracht feiert und Mitglied in Europa- und Weltrekordstaffeln des DLV ist.

Für den Leistungssport ist seit 1970 (mit einer Pause von 1975 bis 1977) die Leichtathletik-Gemeinschaft Braunschweig (LG) zuständig, ein Zusammenschluss mehrerer Vereine, der den damals einsetzenden Abschwung der Sportart stoppen sollte. Mit Erfolg. Insbesondere das Laufteam der LG kann sich aktuell mit der Deutschen Spitze messen. Bei den diesjährigen nationalen Meisterschaften in Braunschweig waren gleich fünf Akteure des Laufteams am Start.

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