Serie "125 Jahre Eintracht Braunschweig": Steeldart | Neue Braunschweiger
14. Oktober 2020
Sport

Serie „125 Jahre Eintracht Braunschweig“: Steeldart

Im BTSV haben die Steeldarter als eigene Sparte 2011 ihre Heimat gefunden

Die Sparte Steeldart gibt es seit 2011 im BTSV.

Braunschweig. Mit einem sanften Plopp landet der Pfeil zielgenau in der Scheibe. Zwei weitere folgen. Dann entfernt Christopher Rehmer seine Darts, der nächste Spieler macht sich bereit. Hochkonzentriert geht es an diesem Dienstagabend auf der Bezirkssportanlage Rüningen zu. Hier trainiert die Steeldart-Sparte des Braunschweiger Turn- und Sportvereins (BTSV) – dienstags die A-Mannschaft, freitags die B-Mannschaft, mittwochs ist offenes Training.

Früher mit dem Image des Kneipensports behaftet, fristete Dart lange ein Dasein als Randsportart. Heute ist das, nicht zuletzt dank umfangreicher Fernsehübertragungen der großen Wettkämpfe, anders. „Seit 2011 sind wir in unseren Traditionsverein integriert und damit als Eintracht-Herzblut-Fans endlich zu Hause angekommen“, sagt Burkhard Volling. Er ist Abteilungsleiter Dart bei Eintracht Braunschweig und langjähriger Präsident des Braunschweiger Bezirksdartverbandes. Dieser regelt für seine aktuell rund 1700 Mitglieder aus 98 Vereinen den Ligenspielbetrieb. 220 Teams kämpfen in der Bezirksoberliga, zwei Bezirksligen, vier Bezirksklassen, sechs Kreisligen und zehn Kreisklassen um Punkte. Zudem treten zehn Mannschaften in den Ligen des Niedersächsischen Dartverbandes und drei in der Bundesliga an. Interessant: Im Dartsport nehmen alle unabhängig von Alter und Geschlecht am Ligenspielbetrieb teil.

Burkhard Volling setzt seine Darts zusammen. Foto: S. Druschke

„Mit den E-Dartern wollen wir aber nicht in eine Tüte gepackt werden“, sagt Volling bestimmt. Für Steeldart gelten abweichende Voraussetzungen und mentale Einstellungen. Und auch wenn die mediale Aufmerksamkeit dem Dartsport in den vergangenen Jahren eine Begeisterungswelle eingebracht hat: Wer sich für diesen Sport entscheide, müsse wissen, wie zeitaufwendig das sei. Ein- bis zweimal wöchentlich jeweils bis zu vier Stunden Training, dazu kommen dann noch die Punktspiele. „Wir haben eine relativ hohe Fluktuation im Verband“, sagt Volling.

Aktuell hat die BTSV-Sparte 25 Mitglieder. Ein Team (so heißt im Dart die Mannschaft) besteht aus mindestens vier Spielern. Mit drei Teams treten die BTSVler in der Kreisklasse, der Kreisliga und der Bezirksoberliga an. Wer dort mitmischt, kommt bei den 18 Punktspielen pro Saison (August bis Mai) gut rum – von Northeim bis Gifhorn und von Helmstedt bis kurz vor Hannover. Dazu kommen Freundschaftsspiele, Privatturniere, verbands- und vereinsinterne Ranglisten-Turniere und Meisterschaften.

Bei den meist von Zuschauern begleiteten Punktspielen geht es – anders als man das aus dem Fernsehen kennt – höchst diszipliniert zu: „Dann ist es hier totenstill wie in der Kirche.“ Lautes Anfeuern ist streng verboten.
Eines der Aushängeschilder bei den Steeldartern des BTSV ist Christopher Rehmer. Nicht nur vereinsintern spielt er ganz vorne – 2019 wurde er fürs Team Niedersachsen nominiert und nahm so an den German Masters des Deutschen Dartverbandes teil.

Mit einem Spielerinnen-Anteil von gerade einmal acht Prozent (auf Verbandsebene) ist der Dartsport eine reine Männerdomäne. „Frauen sind stets sehr gerne dabei, treten aber nur vereinzelt selbst an“, so die langjährige Erfahrung von Volling. In der BTSV-Sparte sind drei Steeldarterinnen vertreten, die durch ihre Männer animiert selbst auch die Pfeile in die Hand nahmen.

Team-Captain Petra Kobbe ist sich sicher: „Nach dem Tod meines Mannes hat mich der Dartsport aufgefangen und aus dem Loch herausgeholt, in das ich gefallen war.“ Wer die Stimmung beim Training erlebt, das herzliche Miteinander, die lockeren Sprüche, die hin- und herfliegen, glaubt ihr das gern.
Fest steht: Steeldart ist ein Sport für alle. „Eine der ungefährlichsten Sportarten überhaupt“, sagt Burkhard Volling. Sie fördere das mathematische und taktische Verständnis, verbessere die Kondition und stelle hohe Ansprüche an die Feinmotorik. Dabei entwickelt jeder Spieler seinen ganz eigenen Stil. „Technik und hohe Konzentration sind Hauptaugenmerk, Kraft ist keineswegs notwendig.“

Ab zwölf Jahren sei eine gute Altersgrenze, um mit dem Dartsport anzufangen und dann bestenfalls bis ins hohe Alter zu spielen. Auch Paradarts (für Menschen mit Beeinträchtigungen) ist inzwischen in den Verbänden integriert. Jeder spielt übrigens mit seinen eigenen Darts („Wir sagen nicht Pfeile“) – ein Satz kostet je nach Ausführung zwischen 30 und 120 Euro.

Das Gute: Wer ein bisschen Platz hat, kann auch zu Hause prima trainieren. „Es hat eine Weile gedauert, bis Dart als ernsthafte Sportart Anerkennung gefunden hat“, sagt Burkhard Volling. Ihn selbst hat die Leidenschaft dafür nie losgelassen.

Im Gegenteil – seine ehrenamtlichen Tätigkeiten sind für ihn ein Fulltime-Job. „Das ist überhaupt nur als Rentner möglich“, versichert er. Auf die Frage, ob sein Engagement den häuslichen Frieden gefährdet, antwortet er lachend: „Meine Frau spielt zum Glück auch selbst!“

Über die Serie: 

Eine Legende hat Geburtstag: Der Braunschweiger Turn- und Sportverein von 1895 wird 125 Jahre alt. Ein Grund zum Feiern. Das tun wir mit einem Hochglanzmagazin voller blau-gelber Momente, emotionaler Höhepunkte und unvergessener Meisterschafts-Erinnerungen.
Aber – wir feiern auch den Breitensport. Aktuell sind mehr als 5200 Menschen Mitglied in „ihrem“ BTSV, sie schwimmen und turnen, sie spielen Handball, Hockey oder Basketball.
Das Jubiläumsmagazin ist ab dem 21. November im Zeitschriftenhandel erhältlich. Vorab stellen wir in der NB in loser Folge die verschiedenen Sparten vor, die der Verein – außer König Fußball – noch zu bieten hat. Heute beginnen wir mit den Steeldartern, die seit 2011 ihre sportliche Heimat im BTSV gefunden haben.

 

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