Sicherer Job oder Selbstverwirklichung? | Neue Braunschweiger
18. Juni 2019
Allgemein

Sicherer Job oder Selbstverwirklichung?

Thilo Baum, Experte für klares Denken und Kommunikation, im NB-Interview zu seinem Vortrag im BZV Medienhaus

Thilo Baum, Experte für klares Denken und Kommunikation, kommt zu einem Vortrag ins BZV Medienhaus

Nach einer Karriere als Tageszeitungsredakteur machte sich Thilo Baum 2004 selbstständig und ist seitdem als Klartextexperte positioniert. Er hilft Unternehmen, sich klar auszudrücken – und er hilft Menschen, sich auch bei komplexen Fragen auf die wesentlichen Punkte zu besinnen. Autor zahlreicher Bücher („Die Bildungslücke. Der komprimierte Survival-Guide für Berufseinsteiger“ und „Mach dein Ding! Der Weg zu Glück und Erfolg im Job“) ist Baum auch noch. In seinem Vortrag „Mach dein Ding – Der Weg zu Glück und Erfolg im Job“ am 19. Juni im Forum des BZV Medienhauses zeigt der Klartext-Experte auf, wie man seine persönliche Work Life Balance verbessert. Wie man Erfolg mit Freiheit verbindet, Blockaden löst und seine Talente optimiert: Damit macht man sich unabhängiger von Chefs, Kollegen und Krisen. Die NB sprach mit Baum über selbstbestimmtes Arbeiten und wie man seine eigenen Stärken erkennt.

Herr Baum, wir leben in Zeiten der unzähligen Möglichkeiten und offenstehenden Türen. Warum machen viele Menschen beruflich trotzdem nur Dienst nach Vorschrift?

Die meisten werden sich an klassische Sicherheitsüberlegungen halten. Sich einen „sicheren Job“ zu suchen, ist Vielen lieber als Selbstverwirklichung. Vielen ist dabei nicht bewusst, dass ein scheinbar sicherer Job zur Falle werden kann. Wenn man mit 50 rausfliegt, keinen Plan B hat und die Finanzierung fürs Häuschen noch läuft. Meistens sucht man sich wieder einen Job, was viel schwieriger ist, als wenn man einen Plan B mit einer pfiffigen Geschäftsidee hätte.

Wie entscheidet man sich heutzutage für den richtigen Berufsweg?

Meine Empfehlung ist, drei Dinge unter einen Hut zu bekommen: Was kann ich wirklich gut? Was mache ich wirklich gerne? Und: Wofür gibt es draußen am Markt einen Bedarf? Hier die Schnittmenge zu finden, ist gedankliche Arbeit, die schon mal eine Weile dauert. Das Ergebnis sollte wirklich passen, denn erst wenn ich die Richtung kenne, hat es Sinn, Gas zu geben. Dann würde ich die Form wählen: Mache ich mich selbstständig oder lasse ich mich anstellen? Muss ich dazu studieren?

Sie sagen, der Prozess der eigenen Positionierung sei besonders wichtig. Warum?

Positionierung bedeutet, sich selbst auf einem Markt zu positionieren. Welchen Bedarf decke ich? Wer genau hat diesen Bedarf? Dazu gehört auch zu überlegen: Mit wem will ich arbeiten, mit wem nicht? Das Ergebnis einer Positionierung kann deutlich dem widersprechen, was uns Eltern raten, die aus ihrer Sicht das Beste für uns wollen, oder Lehrer, die glauben, es gehe nur um Fachkompetenz. Bei meiner Positionierung habe ich zahlreiche unsinnige Denkmuster entdeckt, die ich für mich persönlich ändern musste.

Welche Rolle spielt Individualität bei der Wahl des Berufswegs?

Eine riesige. Als wir als Schüler das „Berufsinformationszentrum“ des damaligen Arbeitsamtes besucht haben, hat man uns einen Katalog präsentiert, aus dem wir auswählen konnten. Dass Menschen auch eigene Kategorien schaffen können und wie Reinhold Würth ein Geschäft aufbauen können – ohne große Schulbildung, aber mit Geschäftssinn – findet in der traditionellen Bildungslandschaft nicht statt. Nur: Wer schafft denn am Ende die Arbeitsplätze? In aller Regel Menschen, die ihr Ding machen oder gemacht haben. Eigensinnige Nonkonformisten, Individualisten eben. Viele brauchen dazu nicht einmal ein BWL- oder MBA-Studium.

Gibt es Techniken, die bei der Entscheidungsfindung helfen?

Es gibt Ansätze, die helfen. Zum Beispiel: nicht mehr im Urlaub am Strand Zeit verschwenden, sondern Messen und Kongresse besuchen zu Themen, die einen interessieren. Geschäftsleute kennen lernen. Vorurteile hinterfragen von wegen Business sei „neoliberal“. Offenheit entwickeln. Keinen Mist mehr im Fernsehen und im Internet anschauen, sondern Bücher zur Persönlichkeitsentwicklung lesen. Videoplattformen wie GEDANKENtanken im Internet anschauen. Und den „Gips-Test“ machen. Das heißt: Stellen Sie sich vor, Sie sind von oben bis unten eingegipst. Sie können nicht arbeiten. Ärgern Sie sich darüber oder freuen Sie sich? Wenn Sie sich ärgern, machen Sie Ihr Ding. Wenn Sie sich freuen, sollten Sie sich möglicherweise neu orientieren.

Wie sollte man damit umgehen, wenn der Bedarf am Markt nicht mit den persönlichen Veranlagungen übereinstimmt?

Es gibt so unfassbar viele Märkte, dass so eine Situation kaum am Markt liegen dürfte. Wenn jemand faul oder phlegmatisch ist oder so gar keine Interessen hat, ist ihm kaum zu helfen, das stimmt. Aber diese Leute haben es auch als Arbeitnehmer schwer, und dafür kann auch das Arbeitnehmerdasein an sich nichts. Natürlich ist auch der Arbeitsmarkt ein Markt, ein klitzekleiner Markt verglichen mit den Möglichkeiten, die es gibt.

Info:

Seinen Vortrag „Mach dein Ding – Der Weg zu Glück und Erfolg im Job“ hält Thilo Baum am Mittwoch (19. Juni), um 19 Uhr im Forum Medienhaus, Hintern Brüdern 23, Braunschweig.
Karten gibt es im Vorverkauf (Einzelticket 45 Euro/ mit Payper-Card 40 Euro) unter Telefon 0531/7 01 71 11 und unter www.konzertkasse.de sowie in den Service-Centern des BZV Medienhauses.

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