Sind wir heute anders krank? | Neue Braunschweiger
10. September 2013
Tipps

Sind wir heute anders krank?

DAK stellte Gesundheitsreport 2013 vor.

Die Grafik zeigt, woran die Beschäftigten im Braunschweiger Land im vergangenen Jahr am häufigsten erkrankt sind. Psychische Erkrankungen sind auf den dritten Platz vorgerückt. Grafik: DAK Gesundheit

Von Martina Jurk, 10.09.2013.
Braunschweig. Ja, sagt die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK). Psychische Erkrankungen nehmen zu.

Die Fälle psychischer Erkrankungen länger als 42 Tage sind in Braunschweig in den vergangenen zwei Jahren um 19 Prozent gestiegen. „Eine bedenkliche Entwicklung“, sagte Hans-Joachim Hoffrichter, Leiter des DAK-Servicezentrums Braunschweig, bei der Vorstellung des Gesundheitsreports 2013, nach dem nicht nur bundes- und landesweite Daten, sondern auch regionale Zahlen für Braunschweig vorliegen – bereits zum sechsten Mal in Folge.
Eine Analyse der Krankmeldungen seit 2002 zeige, dass es eine Verschiebung zu den psychischen Krankheiten gebe.
Ursachen seien unter anderem Belastungen durch Arbeitsverdichtung und Reizüberflutung. Schon ein geringes Maß an „ständiger Erreichbarkeit“ sei mit einem erhöhten Risiko einer depressiven Symptomatik verbunden. In Niedersachsen stiegen die Fehltage durch psychische Erkrankungen sogar um 83 Prozent an. Welchen Stellenwert „Burnout“ dabei hat, auch dieser Frage geht der DAK-Gesundheitsreport nach. „Burnout ist eigentlich keine medizinische Diagnose, sondern wird als Oberbegriff für seelische Erkrankungen gesehen“, erklärt Dr. Mohammad-Zoalfikar Hasan, ärztlicher Direktor des Awo-Psychiatriezentrums Königslutter. So spiele das Burnout-Syndrom im gesamten Arbeitsunfähigkeits-Geschehen nur eine geringe Rolle. Nur jeder 530. Mann und jede 320. Frau war 2012 in Niedersachsen wegen eines Burnouts krank geschrieben.
Zu den psychischen Erkrankungen zählen Depressionen, Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen, andere neurotische Störungen wie die körperliche oder/und psychische Erschöpfung, somatoforme Störungen (körperliche Symptome, die nicht körperlich begründbar sind), Angststörungen, psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol, Schizophrenie.
In der Hitliste der häufigsten Erkrankungen im Braunschweiger Land haben die psychischen Leiden mit 13 Prozent inzwischen den dritten Platz erklommen nach Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems (25,4 Prozent) und des Atmungssystems (14,2 Prozent). „Damit gab es erstmals eine Veränderung auf dieser Position“, so Hans-Joachim Hoffrichter.
Der Gesundheitsreport weist aus, dass die Zunahme der Arbeitsunfähigkeiten aufgrund psychischer Erkrankungen auch landesweit die auffälligste Entwicklung im Arbeitsunfähigkeitsgeschehen ist. Beim Krankenstand insgesamt ließe sich kein vergleichbarer Aufwärtstrend beobachten. Dr. Hasan dazu: „Die Akzeptanz der Gesellschaft zum Thema Depressionen ist gestiegen, das heißt, die Menschen gehen offener damit um. Die Angst vor psychiatrischen und psychotherapeutischen Einrichtungen ist gesunken. Somit sind aber auch die Fallzahlen in Krankenhäusern gestiegen.“ Die Diagnose einer psychischen Erkrankung könne durch bessere diagnostische Kompetenz der Hausärzte heute eher gestellt und von den Patienten zugelassen werden. Psychische Probleme würden meist von den Beschäftigten beim Arzt angesprochen und weniger durch den Arzt.
Ein effektives betriebliches Gesundheitsmanagement werde zunehmend zum Wettbewerbsfaktor, so die DAK-Gesundheits-Experten. „Die großen Arbeitgeber in der Region kümmern sich eher um Stressmanagement am Arbeitsplatz als die kleineren. Sie haben erkannt, dass psychische Erkrankungen längere Arbeitsausfälle und Kosten verursachen. Aber allgemein gehen die Betriebe inzwischen sensibler mit dem Thema um“, ist Bernd Bitterberg, Leiter Versorgungsmanagement, überzeugt.

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