21. Juni 2018
Aktiv

„So, ihr Schnecken, jetzt geht‘s los!“

"Braunschweig in Bewegung", Teil 4: XXL-Frauen kämpfen gegen die Pfunde – Projekt der Eintracht Braunschweig Stiftung

Die XXL-Frauen mit ihren Trainerinnen Ellen von Borstel (1.v.l.) und Sina Borowski (9.v.l.) im Eintracht-Stadion. Von den ursprünglich 20 Damen haben 18 durchgehalten. Fortschritte und Rückschläge werden akribisch dokumentiert. Foto: Nizar Fahem

Von Birgit Wiefel, 21. Juni 2018. Braunschweig. Fitness fängt im Kopf an. In diesem Fall vor einem Flipchart. Dienstagabend. Trainerin Ellen von Borstel steht in Gymnastikhose und T-Shirt im Presseraum des Eintracht-Stadions und erteilt den 14 Damen vor ihr eine Lektion in puncto „Wie besiege ich den inneren Schweinehund?“.

In drei Monaten wollen die Teilnehmerinnen des Kurses „Fußballfans im Training“ nicht nur weniger Pfunde auf den Rippen haben. Sie sollen auch lernen, ein gesünderes Leben zu führen und das Krebsrisiko zu senken. Das Training läuft unter Regie der Eintracht Braunschweig Stiftung. Heute ist Bergfest. Mit Maßband und Waage zieht die Trainerin eine Zwischenbilanz.

„Ihr seid auf einem guten Weg“

„Ihr seid auf einem guten Weg, aber denkt daran: Erst nach einem halben bis einem Jahr ist man „clean“, das heißt die Gefahr, in alte Muster zu verfallen, ist geringer“, warnt die Sportwissenschaftlerin. Nachdenkliche Gesichter. Dabei haben die insgesamt 18 Teilnehmerinnen zwischen 35 und 55 Jahren schon bewiesen, dass sie Biss haben. Jede Woche ziehen sie eisern ihre Turnschuhe an und pilgern zum Eintracht-Stadion. Der Kursus ist gratis. Geschenkt wird ihnen trotzdem nichts. Nach der Aufwärm-Runde steht heute ein Parcours an: Dribbeln um Hütchen, Hüpfen über Hindernisse, Schwitzen bei Sit-ups auf dem Rasen. „So, ihr Schnecken, jetzt geht’s los“, bringt Ellen van Borstel ihre Truppe in Schwung.

Mit dem Trainingsabend ist es nicht getan: Täglich müssen die Teilnehmerinnen einen Fitness-Tracker mit sich führen, der aufzeichnet, wie viele Schritte gelaufen worden sind. Außerdem wird in einer Mappe für jede neue Woche ein „Smart-Ziel“ formuliert. „Fußballfans im Training“ ist kein gemütlicher Feierabendkurs. Das Projekt geht das Thema Fitness und Abnehmen mit Ernst an, am Ende sollen nachprüfbare Ergebnisse stehen.

Deutliche Erfolge spürbar

Kein Wunder: Hinter der Idee stehen neben der Eintracht Braunschweig Stiftung und dem BTSV auch das Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung und die Deutsche Krebshilfe. Sie wollen, dass sich im Leben der Teilnehmer, die vorher nie auch nur einen Gedanken an Fitness verschwendet haben, langfristig etwas ändert. Mit vier XXL-Männer-Gruppen hat das schon erfolgreich geklappt. Bei Anke Draheim zeigt sich bereits ein deutlicher Effekt: „Früher habe ich jede unnötige Bewegung vermieden“, bekennt die 49-jährige Köchin mit Eintracht-Dauerkarte. Dann kam der Tag, an dem sie sich ärgerte, nur noch mit Mühe die Schuhe zubinden zu können. Inzwischen fährt Draheim 50 Kilometer mit dem Fahrrad, hat sich für einen Zumba-Kurs angemeldet und von allen Teilnehmern am meisten abgenommen. „Ich gehe das jetzt an“, sagt sie und schiebt energisch das Kinn vor.

Ausführliche Informationen zum Projekt „Fußballfans im Training„ gibt es im Internet unter www.stiftung-eintracht.com, Stichwort: Krebsprävention für Fans

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