So kann man es auch sehen…

Dr. Karin Tantow-Jung präsentiert: 16 Autoren und ihr ganz eigener Blick auf Braunschweig

Herausgeberin Dr. Karin Tantow-Jung. Foto: privat

Innenstadt. Wie lange Dr. Karin Tantow-Jung nach diesen Texten gesucht hat, kann sie gar nicht so genau sagen. „Eigentlich schon immer“, blickt sie zurück.

Dabei hat sie nicht wirklich gesucht, die Texte kamen irgendwie zu ihr. „Das zweite Braunschweiger Lesebuch“ ist in ihrem eigenen Verlag, der „edition kemenate“, erschienen; die Geschichte zu diesem Verlag ist genauso besonders wie die Geschichten im Lesebuch.
„Es gibt einen Text von Daniel Kehlmann über den jungen Gauß“, erzählt Karin Tantow-Jung, „den ich unbedingt in meinem Lesebuch haben wollte.“ Doch der Text durfte nur in einem sehr kleinen Verlag veröffentlicht werden. „Also musste ich einen gründen“, erzählt Tantow-Jung.

„Eine Menge über mich“

Das tat sie sofort, denn der Kehlmann-Text war und ist ihr wichtig. Wie die anderen Kurzgeschichten in dem ausgesprochen hübsch gemachten Buch auch.
„Schon das erste Lesebuch sagt eine Menge über mich“, ordnet sie ein, „ich bin mit meiner persönlichen Heimatliebe ganz offensichtlich in Braunschweig angekommen.“
Karin Tantow-Jung ist Saarländerin, ein Menschenschlag, „der sich eigentlich nicht verschleppen lässt“, erzählt sie lachend, „schon gar nicht die Frauen.“ Aber wie so oft, hat auch in diesem Fall die Liebe ihr die sprichwörtlichen Flügel verliehen: mit Dr. Lutz Tantow zog sie vor knapp 30 Jahren in den Norden, nach Braunschweig.
„Ich habe noch nie jemanden getroffen, für den der Begriff Heimat so viel bedeutet, wie für dich“, hat ihr ein Freund einmal gesagt. „Und das stimmt“, sagt sie., „Heimat ist mehr als wohnen. Es ist ein Wohlfühlen zu jeder Jahres-, Tages- oder Nachtzeit, das Wissen um Lieblingsplätze.“
Noch immer hängt ein Teil ihres Herzens am Saarland, aber der größte Teil ist hier in Braunschweig zu Hause. Sie arbeitet als Dozentin an der TU und der Ostfalia, als Lektorin und als Verlegerin. Sie hat viele Kontakte zu Autoren und Schriftstellern.

Das Braunschweig Lesebuch.

Blick auf Braunschweig

Und dabei immer ein Augenmerk auf Braunschweig. „Für mein erstes Lesebuch habe ich vor allem Texte von Huch, Raabe oder Gerstäcker gewählt, jetzt, zehn Jahre später, faszinieren mich diese Texte noch immer, aber für mein zweites Lesebuch habe ich meinen Fokus stärker auf die jüngere Literatur gelegt.
Wie auf den besagten Kehlmanntext zum Beispiel, „Der Lehrer“ war auch schon im ersten Band vertreten. Ein großartiger Blick auf das junge Genie Gauß und gleichzeitig eine fast schmerzhaft genaue Beschreibung des Schulalltags in Braunschweigs Armenvierteln.

Oder auf die Erzählung von Harald Duin, der langjährige Feuil­le­to­nist der Braunschweiger Zeitung geht dem Wort „Heimatrauschen“ in seiner ganz speziellen Art nach.
Witzig und direkt dagegen die Geschichte von Axel Hacke über seine erste Liebe: die Eintracht. Und auf unnachahmliche Art „orientalisch“, die um zig Ecken gesponnene Odyssee von Rafik Schami.
„Das zweite Braunschweiger Lesebuch“ ­– 14 Geschichten und zwei Gedichte über Braunschweig. Lustig, melancholisch, ernst – grundverschiedene Texte, jeder für sich ein eigenes, sehr besonderes Lese-Erlebnis.
edition kemenate, 144 Seiten, Hardcover, 14, 80 Euro.

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