Sonntagsöffnung: Eine Chance – oder „ausgemachter Quatsch ?“ | Neue Braunschweiger
8. Februar 2020
Wirtschaft

Sonntagsöffnung: Eine Chance – oder „ausgemachter Quatsch ?“

Eine Klage vor dem Verwaltungsgericht hat dazu geführt, dass der für morgen geplante verkaufsoffene Sonntag entfällt – Kontroverse Positionen

Das Verwaltungsgericht stoppte vorerst die Sonntagsöffnung. Foto: Imago

Innenstadt. Die Stimmung zur Winterkunstzeit ist sozusagen eingefroren: Mit der Frage, ob die Sonntagsöffnung an diesem Wochenende rechtens ist, sind Handel und Gewerkschaft vors Verwaltungsgericht gezogen, das Urteil ist eindeutig – die Geschäfte bleiben zu. So weit, so bekannt.

Die Winterkunstzeit findet also ohne den für morgen geplanten verkaufsoffenen Sonntag statt. Für Olaf Jaeschke und Mirko Rüsing vom Arbeitsausschuss Innenstadt (AAI) nicht nachvollziehbar. Seit mehr als 15 Jahren organisiert der Handel in Braunschweig verkaufsoffene Sonntage, erst sechs, inzwischen nur noch vier. „Immer in enger Abstimmung mit den Betriebsräten“, versichern die AAI-Vertreter. „Zusätzlich hatte ich regelmäßig Kontakt mit Freddy Pedersen von Verdi, der aber nicht aktiv werden musste, weil alle Seiten zufrieden waren“, beschreibt Jaeschke den problemlosen Weg der Vergangenheit.

Olaf Jaeschke, AAI-Vorsitzender. Foto: Philipp Ziebart

Warum also jetzt die Klärung vor dem Richter? „Weil sich die Gesetzeslage im vergangenen Jahr verändert hat“, sagt Verdi-Bezirksgeschäftsführer Sebastian Wertmüller. Das niedersächsische Ladenschlussgesetz sei 2019 genauer formuliert worden, der gesellschaftliche Anlass für eine Sonntagsöffnung stärker betont. Und Freddy Pedersen sei überhaupt nicht befugt gewesen, für irgendetwas zu diesem Thema zu verhandeln.

IMirkko Rüsing, stellvertretender AAI-Vorsitzender. Foto: Florian Kleinschmidt

„Wir als Gewerkschaft sehen generell keinen Sinn in Sonntagsöffnungen, Sonntag ist Familienzeit“, erklärt Wertmüller. Um dem Wunsch der Händler entgegenzukommen, habe er drei Sonntagsöffnungen angeboten, plus die Unterzeichnung einer sogenannten Sozialcharta. „Das wurde in Wolfsburg umgesetzt“, erklärt er. Mit dieser freiwilligen Verpflichtung sichern die Einzelhändler bestimmte Standards zu, wie einen finanziellen Zuschlag und Freizeitausgleich.

Verdi-Bezirksgeschäftsführer Sebastian Wertmüller. Foto: Peter Sierigk

Für den AAI-Vorsitzenden Jaeschke sind verkaufsoffene Sonntage ein wichtiges Image- und Marketinginstrument. „Wir können uns mit unseren Geschäften präsentieren, wir locken Menschen vom Computer und werben für unsere Stadt.“ Weit über Braunschweig hinaus werde die Werbetrommel für diese besonderen Events gerührt, „es kommen ganze Busse mit Touristen, die anschließend nach Hause fahren und von Braunschweig schwärmen“, erzählt er von seiner Motivation.

„Wir reden hier über jeweils fünf Stunden an vier Sonntagen“, ordnet Mirko Rüsing ein. Der Sonntag sei nun mal der Tag, an dem viele Menschen Zeit hätten, die Stadt zu erkunden und sich auf außergewöhnliche Weise für den Handel vor Ort begeistern zu lassen. Der Sonntag sei jedoch auch der Tag, an dem viele im Internet einkaufen. „Man kann das Geld aber nur einmal ausgeben“, so Rüsing. Der Onlinehandel habe jeden Sonntag zur Verfügung – der stationäre Handel in Braunschweig wolle nur 4 von 52 im Jahr.

„Ja, Ausflügler nehmen das Angebot sicher gern an“, räumt auch Wertmüller ein, aber das könne kein Grund sein, die Rechte und Wünsche der Arbeitnehmer seien hier höher zu bewerten. Das Argument der Positionierung gegenüber dem Onlinehandel hält er für „ausgemachten Quatsch“. Die verkaufsoffenen Sonntage der letzten zig Jahre hätten ja ganz offensichtlich dem Wachstum des Onlinehandels nichts entgegensetzen können. Und auch das Argument des AAI, dass die Betriebsräte den Sonntagsöffnungen bisher zugestimmt hätten, weist er zurück. „Viele Betriebsräte sind gar nicht gefragt worden, und unsere Mitglieder jedenfalls wollen sonntags nicht arbeiten, soviel ist sicher.“

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