Sozialbericht: Viele Singles, viele Unterschiede | Neue Braunschweiger
22. Juni 2020
Politik

Sozialbericht: Viele Singles, viele Unterschiede

Nach zehn Jahren legt die Stadt einen neuen Sozialbericht vor – Arbogast: „Corona wird den Trend verändern“

Stellten die Schlaglichter Soziales Braunschweig vor: Dr. Sandra Dittmann, Leiterin des Sozialreferats, und Sozialdezernentin Dr. Christine Arbogast (von links).  Foto: Birgit Wiefel

Braunschweig. Ist Braunschweig jung oder alt? Wie leben die Menschen? Und: Wie gesund sind unsere Kinder? Nach zehn Jahren hat die Verwaltung einen neuen Sozialatlas vorgelegt. Mit 100 Seiten sind die „Schlaglichter soziales Braunschweig“ nicht nur deutlich dicker als die Vorläufer. Sie beziehen auch mehr Daten ein und schauen noch genauer hin, wo es in Bildung und Betreuung, im Beschäftigungs- und Gesundheitssektor läuft oder klemmt.

Die gute Nachricht: Die „Schlaglichter“ zeigen insgesamt einen positiven Trend in den Bereichen. Die schlechte: Durch die Corona-Pandemie werde es vermutlich nicht so bleiben, befürchtet die Braunschweiger Sozialdezernentin Dr. Christine Arbogast. Was sie am meisten überraschte: Wie viele Menschen allein leben, vor allem in der Innenstadt. „Mehr als die Hälfte der Haushalte sind Einpersonenhaushalte, noch einmal ein Viertel sind Paare ohne Kinder“, rechnet Christine Arbogast bei der Vorstellung der Schlaglichter vor. Das werde in Zukunft Einfluss auf Bauprojekte haben. „Der Flächenbedarf wird steigen und – mit Blick auf die vielen allein lebenden Senioren – muss auch die Altenhilfeplanung angepasst werden.“

Insgesamt ist Braunschweig eine wachsende Stadt und als Universitätsstandort mit einem Durchschnittsalter von 43 Jahren auch jünger als vergleichbare Städte in Deutschland. Die Zahlen zeigen auch, dass es die Migranten sind, die das Stadtbild verjüngen: Rund 43 Prozent waren 2018 30 Jahre oder jünger, von den Deutschen ohne Migrationshintergrund nur 27,8 Prozent.
„Ob Arbeitslosigkeit, Altersarmut, Bevölkerungszusammensetzung oder Bildung – es gibt immer noch große Unterschiede zwischen den Stadtteilen“, stellte Sandra Dittmann, Leiterin des Sozialreferats, fest. Sie hat mit einem Team die Schlaglichter erstellt und macht klar: „In manches Viertel müssen wir in Zukunft noch genauer hinschauen.“

Beispiel: Kindergesundheit. Die meisten Kinder haben eine guten Gesundheitszustand, stellt der Bericht fest. Aber beim Thema Zahngesundheit gehen die Stadtteile deutlich auseinander. So haben Grundschüler in Ölper deutlich gesundere Zähne (71,4 Prozent) als in der Weststadt Nord (26,2 Prozent). „Gerade in diesen Stadtteilen dürfen wir mit unserem Engagement nicht nachlassen“, betont Sozialdezernentin Christine Arbogast und stellt gleichzeitig fest: „Die Unterschiede zeigen auch, dass die Menschen aus der Weststadt trotz Neubauprojekten nicht verdrängt wurden. Das ist gut. Man kann sich hier also die Mieten leisten.“ Der vollständige Sozial-Atlas steht auf den Seiten der Stadt Braunschweig unter der Adresse www.braunschweig.de.

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