11. März 2020
Menschen

Spiel der Könige für kleine Könner

Großmeister Sebastian Siebrecht sorgt in den Schloss-Arkaden für die „Faszination Schach“

Kluge Köpfe: Großmeister Sebastian Siebrecht führt die Erstklässler der Grundschule Waggum in die faszinierende Welt des Schachs ein. Foto: Lüer

Innenstadt. Der sechsjährige Julius brütet über dem Schachbrett. Genauso konzentriert sitzt ihm Jari (6) gegenüber, der seine Dame bereits in Angriffsposition gebracht hat. Am Nebentisch haben Janina (6) und Nila (6) eine Partie begonnen. Großmeister und Schachlehrer Sebastian Siebrecht blickt auf die schwarz-weißen Felder und fragt die beiden Mädchen: „Wisst ihr, welche Figur außer dem Bauern gerade noch in Gefahr ist?“ Ohne lange zu überlegen, kommt die Antwort: „Der Springer.“

Die Erstklässler der Grundschule Waggum haben am Montag Siebrechts Veranstaltung „Faszination Schach“, die noch bis Samstag, 14. März, Halt in den Schloss-Arkaden macht, mit ihren Brettzügen eröffnet. Bürgermeister Dr. Helmut Blöcker zeigt sich zum Start der Schach-Woche begeistert. „Ihr seid klasse Schachspieler. Ich finde es toll, dass es euch überhaupt nichts ausmacht, dass viele Besucher im Einkaufszentrum jetzt stehen bleiben und euch über die Schulter schauen“, sagte er zu den Mädchen und Jungen.

Spielerisch gibt Siebrecht den Kindern – Vorwissen haben die meisten – zunächst eine Einführung, die sichtlich Spaß macht – weil auch das Mitdenken gefragt war. „Schach ist wie eine Ritterburg aufgebaut, ganz außen stehen die Türme. Aber wisst ihr, wie viele Felder ein Schachbrett hat?“ 64 rufen die Mädchen und Jungen gemeinsam – und halbieren die Zahl zusammen mit Siebrecht: „64, 32, 16, 8.“ Interessant ist auch die Bedeutung der Figuren. „Bauern sind zum Beispiel die einzigen Figuren, die man nicht zurückziehen kann“, bringt Siebrecht ein Beispiel.

Lang ist die Liste der guten Gründe, Schülern das strategische Brettspiel beizubringen. „Schachspielen wirkt sich positiv auf die geistige Entwicklung von Kindern aus: Sie trainieren das Denken, steigern ihre Gedächtnisleistung und lernen überhaupt zu überlegen, bevor sie aktiv werden“, erklärt Siebrecht.

Siebrechts Faszinationsprogramm, das in Kooperation mit dem Niedersächsischen Schachverband und unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Ulrich Markurth stattfindet, bietet täglich von 10 bis 20 Uhr Schachunterricht für weitere Kinderklassen und Schulgruppen. Außerdem sorgen zahlreiche Show-Wettkämpfe – unter anderem ist die Simultan Europameisterin Fiona Sieber zu Gast – für Unterhaltung.

Vor Ort präsentieren sich der Schachverband Niedersachsen, der Bezirk und die Vereine der Region und stellen ihre Trainingsangebote vor. Zudem wird das 150-jährige Jubiläum des Schachclubs Braunschweig Gliesmarode gefeiert.

Das Finale wird am Samstag, 14. März, mit dem großen Kinderschach-Cup und dem Schloss-Arkaden-Masters ausgespielt. Weitere Infos zum vollständigen Programm finden sich im Internet unter www.chess-international.com.

Fragt man die Kinder, was ihnen am Schach so gut gefällt, sind die Antworten vielfältig: „Wir hatten Lust auf etwas Neues, da haben wir Schach ausprobiert“, erklären Janina und Nila. Ganz anders Jari: „Ich weiß nicht“, sagt der Sechsjährige, „ich spiele einfach.“

Die letzte Antwort ist aufschlussreich. Denn lässt man den ganzen Überbau weg – die Strategien, die Fähigkeit, mehrere Züge im Voraus durchzuspielen, sich in die Position des Gegners zu versetzen, den Wettbewerb – dann zählt nur noch eins: Der Spaß.

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