6. März 2021
Buntes

Spinnenbein und Krötenschleim!

Die Hexen(taler) kommen! Braunschweiger Zeitung und Harzkurier bringen Medaillen heraus

Nicole Schaa. Foto: Lüer

Braunschweig. Hokuspokus Fidibus – die Braunschweiger Zeitung und der Harzkurier lassen die Hexen los! Zusammen mit der Firma Euromint bringen sie drei schaurig-schöne Medaillen heraus: eine offizielle Sonderprägung in Feinsilber und eine in Feingold, die auf der Vorderseite eine Hexe und auf der Rückseite zu verschiedenen Erscheinungsterminen das Rathaus Osterode, die Harzer Walpurgisnacht oder den Brockenblick zeigen.

Zum Verkaufsstart des ersten Hexentalers treffen wir uns mit Nicole Schaa. Wir sprechen mit der Wolfsburger Kinderbuchautorin und freischaffenden Künstlerin, die auch magische „Zauberwaldbäder“ veranstaltet, über Spinnenbein und Krötenschleim, den Harz und dessen magische Gebirgswelt sowie über die Hexen von heute.

Harz und Hexen – das gehört einfach zusammen. Zum Verkaufsstart unserer Hexentaler treffen wir uns mit Nicole Schaa zum Interview. Die 48-Jährige, die am Stadtrand von Wolfsburg lebt, schreibt magische Kinderbücher und ist Kursleiterin für „Zauberwaldbäder“. Wir sprechen mit ihr über moderne Hexen und warum sich gerade um den Harz so viele Sagen und Mythen ranken.

Frau Schaa, die Braunschweiger Zeitung und der Harzkurier bringen eine Medaillenserie mit dem Namen Hexentaler heraus. Wie definiert sich eine Hexe heute?

Heutzutage ist der Begriff „Hexe“ zum Glück eindeutig positiver beschrieben als noch im Mittelalter, als unschuldige Frauen und Mädchen wegen religiösen Aberglaubens auf dramatische Art und Weise ihr Leben lassen mussten. Moderne, sympathisch-freche Junghexen wie Hexe Lilli oder Bibi Blocksberg hingegen füllen unzählige Buchseiten mit ihren Abenteuern. Ganz zu schweigen von Harry Potter und seinen Weggefährten.

Seit der „Kleinen Hexe“ und „Harry Potter“ erleben Hexen ja geradezu einen Image-Relaunch. Sind Hexen heute nur noch nett? Was macht sie aus?

Ob sie nun aus „Eastwick“ stammen, „Sabrina“ heißen oder einfach nur „charmed“ sind – ich denke, dass sich erwachsene Hexen ein Stück ihrer kindlichen Neugier und den Mut zum Hinterfragen bewahrt haben. Das sorgt nicht nur für Salz, sondern vielleicht auch für etwas Pfeffer in der Suppe des Lebens. Die eine Hexe experimentiert vielleicht gerne mit Kräutern und freut sich über den Absatz in ihrem Online-Shop, wo sie Seifen oder Schönheitselixiere verkauft. Die andere verzaubert ihre Follower auf Instagram mit nur einem einzigen Selfie. Die Frage nach der Haarfarbe oder dem Besitz eines alten Besens ist glücklicherweise für alle Zeiten vom Tisch.

Harz und Hexe – das gehört zusammen. Warum ranken sich gerade um das höchste Gebirge Norddeutschlands so viele Sagen und Mythen?

Harzer Reiseführer sind voll mit Sehenswürdigkeiten, bei denen sich alles um Hexen dreht. Im Zuge der Christianisierung waren damals die Geistlichen in der Gegend damit beschäftigt, das feierfreudige Völkchen der Sachsen in seine Schranken zu weisen und deren fröhliche Feste als heidnisch zu verteufeln. So wurden aus einst illustren Versammlungsorten schließlich „Hexentanzplätze“; den Weg dorthin erklomm man über den „Hexenstieg“ und selbst zum Ausruhen setzte man sich unfreiwillig auf eine „Hexenbank“. Doch die Freude am geselligen Beisammensein ist bis heute ungetrübt und so feiert man, allen althergebrachten Maßregelungen zum Trotz, im ganzen Harz nicht nur Walpurgisnächte. Wie viele echte Hexen sich unter den mehr oder weniger kostümierten Gästen verbergen, bleibt wohl für immer ein Geheimnis.

Was war Ihre erste Berührung mit Magie?

Als meine Tochter etwas über zwei Jahre alt war, hörten wir an einem Sommerabend die Grillen zirpen. Sie taperte sofort ins Gras, um das Insekt zu suchen. Als sie es nicht in die Hände bekam, fragte sie mich, wie die Grille aussähe und wie sie diese Töne machte. Ich antwortete ihr, es seien kleine Grashüpfer, die am Abend Baströckchen anzögen, um damit zu tanzen und zu rascheln. So lange, bis alle kleinen Kinder eingeschlafen sind. Der daraufhin folgende Hundeblick meiner Tochter mit der Bitte, wenigstens eines davon einzufangen, um ihm beim Tanzen zuzuschauen, war reinste Zaubermagie.

Sie bieten „Zauberwaldbaden“ für Kinder und Erwachsene an. Haben Sie ein zauberhaftes Erlebnis in Erinnerung?

Meine Zauberwaldlesungen finden mitten im Wald statt. Wir schlendern von Station zu Station, wo ich meine Jahreszeitengeschichten mit der Waldfee Schimmerie Harztropf vortrage. Eines Morgens saßen wir alle auf alten Baumstämmen im Kreis und wanderten in unserer Fantasie mit der Waldmaus Pippa Katzpech durch das Dickicht des Hasselbachtals. Mitten im spannendsten Teil raschelte es zwischen den Blättern – und zum Vorschein kam eine kleine, sehr neugierige Waldmaus! Sie schaute einen magischen Augenblick lang in die Runde und ging dann seelenruhig weiter ihres Wegs. Den Kindern stockte der Atem! Danach wurde ich überschüttet mit Fragen über Pippa, die so fantasievoll waren, dass ich es kaum fassen konnte.

Was hat es eigentlich mit dem Nachnamen der kleinen Waldfee Schimmerie Harztropf auf sich? Gibt es da eine Verbindung zum Harz?

Wer schon einmal durch den Harz spaziert ist, weiß, wie die Fichtenwälder dort duften. Diesen Geruch verbinde ich mit Wohlgefühl. Die ätherischen Öle und Terpene darin sind für uns Menschen heilsam. Doch in erster Linie ist es für viele Nadelbäume das Mittel der Verteidigung, und es macht mich traurig, zusehen zu müssen, wie Borkenkäfer und Klimawandel die Oberhand über die Fichten bekommen. All das macht das Harz – den Harz – noch wertvoller für mich. Die kleine Waldfee Schimmerie Harztropf trägt ihren Nachnamen mit Stolz und Verantwortung. Er ist ein Symbol für etwas Kostbares, das unsere Wertschätzung und unseren Respekt verdient. Nichts geht Schimmerie über den Schutz der Wälder und deren Bewohner.

Sie arbeiten gerade an einer neuen Zaubergeschichte für Kinder, die im Drömling spielt. Eine Hexe soll dort ihr Unwesen treiben. Können Sie darüber schon etwas erzählen?

Die Hexe in meiner neuen Geschichte ist genau genommen eine Bruchwaldhexe. Ein seltenes Exemplar, das die meisten nur vom Hörensagen kennen, und die in den Sümpfen des Drömlingsmoores lebt. Die Protagonisten stolpern eines Tages eher unbeabsichtigt in die unbekannten Gefilde und treffen auf Irrlichter, den grantigen Moorsumpfler und schließlich auch auf die mysteriöse Bruchwaldhexe.

Wie viel Hexe steckt in Nicole Schaa?

Auch wenn mir die Waldfeen und ihre grüne Zaubermagie besonders am Herzen liegen, schlüpfe ich ab und an auch gerne in die Rolle der bösen Hexe und tauche mit Bleistift und Papier in ihre Abgründe hinab. Wenn ich dann während der Lesung die gemeine Winkelspinne Nienett Ritzefind aus „Schimmerie Harztropf im Reich der Faseltaki“ spreche, bin ich voll in meinem Element. Sie klingt wie eine echt fiese Hexe und krächzt wirklich schlimmer als ein alter Rabe! Ich weiß nicht, wer mehr Spaß hat – die Kinder oder ich! Meine innere Hexe ist zwar spinnenklein, hat es dafür aber faustdick hinter den Ohren.

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