• Home
  • > >
  • Sprünge, Spagat und – nicht vergessen – immer schön lächeln!

Sprünge, Spagat und – nicht vergessen – immer schön lächeln!

Blick in die Talentschmiede des Karnevals – NB besuchte das Training der jungen Welfengarde

Dem sportlichen Training auf der Matte folgt das Gruppentraining: Beim Gardetanz kommt es aufs Gesamtbild an.  Fotos_ Marion Korth

Braunschweig. Die Karnevalssession nimmt jetzt so richtig Fahrt auf, bis am 3. März der Schoduvel durch Braunschweigs Innenstadt den Höhepunkt setzt. In diesem Jahr aber folgt eine Besonderheit. Der Aschermittwoch am 6. März bildet nur aus streng karnevalistischer Sicht den Schlusspunkt. Alle anderen dürfen sich auf die Deutschen Meisterschaften im karnevalistischen Tanzsport freuen, die am 30. und 31. März zum ersten Mal in Braunschweig ausgetragen werden.

Die Stadt wird ihrem Anspruch, karnevalistische Hochburg zu sein, einmal mehr gerecht und will sich als perfekte Gastgeberin für die mehr 2500 Tänzer erweisen. Rein sportlich wird auf das Großereignis fleißig hingearbeitet. Die NB besuchte das Training der Welfengarde, die hart dafür arbeitet, um beim Gardetanz eine gute Figur zu machen

Wie macht sie das bloß? Trainerin Svenja Ketelhut hat ihre Augen irgendwie überall, sie sieht alles – jeden Fehler und vor allem jeden Fortschritt. Nicht hart und streng, sondern klar und bestimmt steuert sie gegen, kommandiert, korrigiert und feuert ihre Mädchen immer wieder an. „Du bis so gelenkig, du hast es gleich geschafft!“, macht sie Fenja Mut.
Über Nacht klappt das nicht mit dem Spagat. „Aber wer beim Training regelmäßig dabei ist, da sieht man schnell die Fortschritte“, sagt Trainerin Alina Krenge. Sie schaut zu Marlene hinüber, die erst vor kurzem zur Welfengarde gestoßen ist, und ihre Sache schon richtig gut macht. Dehnen, strecken, durchhalten. Das wird schon!

Teamwork ist gefragt: beim Tanzen, aber auch beim Aufrollen der Matte. Gleich brauchen die Mädchen die komplette Halle.

Seit Oktober trainieren die Mädchen im Alter zwischen sechs und zehn Jahren zwei Mal in der Woche, sind obendrein an fast jedem Wochenende zu Turnieren unterwegs. Ein strammes Pensum, das die jungen Tänzerinnen mit ihren Trainerinnen absolvieren. Nicht zu vergessen die Mütter und Väter, die Fahrdienste übernehmen, Kostüme nähen oder die Mädchen vor den Auftritten schminken.

Viele Wege führen in die Welfengarde und damit in die Welt des „karnevalistischen Tanzsports“. Bei Marlene ist der Karneval Familienangelegenheit, ihr Großvater Gerhard Baller ist Zugführer. Und Annas Mama war früher selbst Tanzmariechen. Andere Mädchen tanzen und turnen einfach gern und bringen beide Talente in dieser Sparte des Tanzsports zusammen. Gelenkigkeit, Kraft, Ausdauer und Ausstrahlung – vieles muss zusammenkommen, damit das Gesamtbild der Garde stimmt. Ohne Disziplin geht es nicht. „Wir haben hier auch manche Granate dazwischen“, sagt Svenja Ketelhut mit einem Lächeln. Umso mehr freut es sie zu sehen, wie die Mädchen mehr und mehr zu einem Team zusammenwachsen.

Sport- und Tanzlehrerin Svenja Ketelhut führt das Trainerinnentrio an, außer ihr betreuen Alina Krenge und Lena Reimann die Mädchen der Welfengarde.

Die Welfengarde ist ein Gemeinschaftsprojekt, um die tänzerischen Talente zu fördern. Die drei Braunschweiger Karnevalsgesellschaften haben sich dafür unter dem Dach des Komitees Braunschweiger Karneval zusammengeschlossen.
„Wir können wirklich stolz sein“, sagt Svenja Ketelhut. Im März 2019 wird die Welfengarde ihren ersten Geburtstag feiern und hat doch schon den Titel „Niedersachsenmeister“ geholt. An der Qualifikation für die Norddeutschen Meisterschaften ist die junge Garde nur um zwei Punkte vorbeigeschrammt. Das spornt an. Die Trainerinnen feilen mit den Mädchen an den Spagatsprüngen. „Da können wir noch ein paar Pünktchen holen“, verrät Svenja Ketelhut. Gleich im neuen Jahr geben weitere Turniere die Gelegenheit, das Gesamtergebnis zu verbessern. Der Start bei den Deutschen Meisterschaften, die im März erstmalig in Braunschweig ausgetragen werden (die NB berichtete) ist ein wohl noch unerreichbares Ziel, aber: „Wir werden auf jeden Fall als Urkundenmädchen dabeisein.“
Und dann geht es auch schon weiter. „Mit ein bisschen mehr Schmackes“ ruft Svenja den Mädchen zu. Sie selbst tanzt, seit sie drei Jahre alt ist und weiß, wie schwer es manchmal ist: „Wenn ihr Nein denkt, dann wird es auch nichts.“

^