Stadt will Vielfalt statt Einfalt

Oberbürgermeister Ulrich Markurth und Moderator Holger Edmaier auf der Sommerlochfestival-Bühne vor dem Schloss.

CSD-Parade zieht durch die Stadt. Von Ingeborg Obi-Preuß, 26. Juli 2014.

Braunschweig. Ein heißes Wochenende – in jeder Beziehung. Leicht schwitzend, aber bei bester Laune feierten die Braunschweiger ihre 19. CSD-Parade.
„Das erste Mal seit 19 Jahren, dass der Oberbürgermeister kein Grußwort schickt, sondern live hier bei uns ist“ – donnernder Applaus für Ulrich Markurth.
Braunschweigs neuer Oberbürgermeister kam ganz lässig in Jeans und mit Sonnenbrille auf die Bühne vor dem Schloss und beantwortete ernsthaft und offen Fragen von Moderator Holger Edmaier wie „was können wir erwarten?“ Markurth sprach von einer Stadt der Vielfalt und nicht der Einfalt, „und was wir als Verwaltung dazu beitragen können, wollen wir machen.“
Das Thema Inklusion beispielsweise sei nicht reduziert auf Menschen mit Beeinträchtigungen zu sehen, sondern auf das Zusammenleben aller. „Wir haben die Charta der Vielfalt unterschrieben“, sagte er, „das müssen wir mit Leben füllen.“
Wie jedes Jahr zog die bunte CSD-Parade durch die Stadt, die Menschen am Straßenrand feierten mit oder staunten stumm. Vor dem Schloss gab es jede Menge Info-Stände – die MS Gaytania lädt zur schwulen Party auf der Elbe ein, der Völklinger Kreis wendet sich vor allem an schwule Führungskräfte, die Aids-Hilfe informiert und vieles mehr.
„Akzeptanz macht Schule“ stand in diesem Jahr als Schwerpunktthema über dem zweiwöchigen Festivalprogramm. Alle Themen rund um Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transsexualität (LGBT) würden in vielen Schulen überhaupt nicht angesprochen, sagte Mario de Guida aus dem Sommerloch-Veranstaltungsteam. „Statistisch gesehen sitzen in jeder Schulklasse mindestens eine Schülerin und oder ein Schüler, die sich irgendwann in ihrem Leben als lesbisch, bisexuell beziehungsweise schwul outen werden“, fügte Veranstaltungsleiter Markus Manegold hinzu. Ein Kurzfilmwettbewerb zum Thema kam bei den jungen Menschen sehr gut an, 15 Filme waren eingereicht, die drei besten wurden gestern ausgezeichnet. Zwei Preise gingen an Teams aus der Johannes-Selenka-Schule an der Hamburger Straße, den ersten Preis bekamen Filmemacher aus den Berufsbildenden Schulen Goslar-Baßgeige/Seesen.
Auch nach 19 Jahren seien nach wie vor viele LGBT-Menschen vorsichtig, vor allem im Berufsleben, sagte Manegold.
„Vielfaltsmanagement ist schon seit Jahren Teil unseres Personalwesens“, betonte Nils Rodermund vom Hauptsponsor VW Financial Services, „unsere Mitarbeiter sind in diesem Jahr mit einem eigenen Wagen dabei.“ Gerade bei einer Bank würden viele diese Offenheit nicht erwarten, „aber die Resonanz im Haus wie auch von außen war bisher nur positiv“. Auch die VW-Bank habe die Charta der Vielfalt unterschrieben – und das werde im Unternehmen gelebt. Auch Menschen mit Behinderungen oder aus verschiedenen Religionen sollten sich im Haus zugehörig fühlen, sagte Rodermund.
Ein Beispiel, zu dem sich die Festivalorganisatoren mehr Nachahmer wünschen. „Von dieser offenen Haltung sind viele Unternehmen noch weit entfernt“, beklagte Manegold.

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