Stadthalle soll zum Impfzentrum werden | Neue Braunschweiger
5. Dezember 2020
Politik

Stadthalle soll zum Impfzentrum werden

Stimmt das Land zu, stehen ab Mitte Dezember am Leonhardplatz vier Impfstraßen bereit

Die Stadthalle soll zum Corona-Impfzentrum ausgebaut werden. Foto: Stadtmarketing(Stadthallenbetriebsgesellschaft

Braunschweig. Das ist ein dickes Brett, was die Stadtverwaltung da unter Hochdruck bohren muss. Genau einen Monat hat das Land den Kommunen Zeit gelassen, um funktionstüchtige Impfzentren einzurichten. Ab Mitte Dezember sollen hier die ersten Impfungen stattfinden – vorausgesetzt, dass bis dahin ein entsprechendes Mittel vorrätig ist.

Klar ist seit dieser Woche: Die Stadthalle wird zu einem solchen Zentrum ausgebaut werden. Das Land muss noch zustimmen.
„Die Stadthalle erfüllt alle Kriterien, die für die Impfung nötig sind“, begründete Oberbürgermeister Ulrich Markurth die Entscheidung. „Sie ist gut zu erreichen, bietet Kapazitäten für viele Menschen, erfüllt besondere Sicherheitsvorkehrungen und bietet Kühlmöglichkeiten für den Impfstoff, der ja bei Minus 70 Grad gelagert werden muss.“

Ziel ist, mit dem Zentrum die erste „Bugwelle“ aufzufangen. Markurth rechnet aber eher damit, „dass es monatelang, wenn nicht sogar ein halbes Jahr“ in Betrieb ist, denn erst ab Herbst 2021 sollen die Impfungen wenn möglich ambulant beim Hausarzt erfolgen. Ist das der Fall, würde auf die VW-Halle ausgewichen werden, da die Stadthalle aus Sanierungsgründen nur bis zum Sommer zur Verfügung steht. „Vorfahrt haben die Risikogruppen sowie medizinisches und pflegerisches Personal“, kündigt Dr. Christine Arbogast, Sozialdezernentin und zugleich Leiterin des Corona-Krisenstabes an.

Schon jetzt ist klar: Nicht alle werden in der Stadthalle geimpft werden können. Für diejenigen, die nicht transportfähig sind setzt die Stadt deshalb mobile Impfteams ein. „Die größte Herausforderung ist dabei der ambulante Bereich“, sieht Arbogast klar. Rund 5000 bis 7000 Braunschweiger würden derzeit zu Hause versorgt werden. „Wir haben keine Ahnung, wie viele von ihnen, selbstständig ins Impfzentrum kommen können oder von mobilen Teams versorgt werden müssen.“  Was sie freut, ist allerdings die hohe Bereitschaft, an der – selbstverständlich freiwilligen – Impfung teilzunehmen.

Wie läuft die Impfung ab?

Mit dem Impfzentrum in der Stadthalle schlägt die Stadt im Prinzip zwei Fliegen mit einer Klappe, denn eigentlich sind pro 150 000 Einwohner zwei Zentren vorgesehen. „Wir haben mehr Impfstraßen eingerichtet und können damit auch mehr zu Impfende behandeln“, erklärt Dezernent Dr. Thorsten Kornblum, der zugleich Leiter der eilig aufgestellten Task Force „Impfzentrum“ ist.

Und so ist der Ablauf: Das Land teilt die Termine für die erste und zweite Impfung mit. Diese müssen unbedingt eingehalten werden, da der Impfstoff nur begrenzt vorrätig und nur bedingt lagerfähig ist. Im Einbahnstraßensystem durchlaufen die Eingeladenen anschließend mehrere Stationen von der Anmeldung und Registrierung über das ärztliche Beratungsgespräch hin zur eigentlichen Impfung. „Anschließend sollen die Geimpften noch zehn bis 15 Minuten im Wartebereich verweilen, damit kontrolliert werden kann, ob sie die Impfung auch gut vertragen haben“, erläutert Kornblum.
21 Tage nach der ersten Impfung erfolgt dann die zweite. „Das ist die eigentliche Crux“, weiß Dr. Christine Arbogast, denn aufgrund von Erfahrungen mit anderen Impfungen wissen Mediziner, dass die zweite Impfung oft vergessen oder vernachlässigt wird. „Der Schutz wirkt aber erst mit der zweiten Impfung“, betont Arbogast.

Wie viel Personal ist nötig?

Geimpft wird in einem Zwei-Schicht-System montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr. Dafür sind pro Tag 8 Ärzte, 32 Impfhelfer und 30 Verwaltungskräfte im Einsatz, außerdem Notfallsanitäter und ein Sicherheitsdienst. Ein enormer Personalaufwand. „Das Land und die Kassenärztliche Vereinigung kümmern sich um die Bereitstellung der Ärzte. Wir unterstützen sie darin, indem wir uns an pensionierte Ärzte mit der Bitte um Unterstützung wenden“, sagt Kornblum.
Trotz des Drucks schöpft er Hoffnung. „Es ist das erste Mal, dass wir nicht nur reagieren, sondern agieren können“, hofft Kornblum auf das berühmte Licht am Ende des Tunnels.

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