Stadtklima: Mehr Grün gegen Tropennächte | Neue Braunschweiger
2. April 2019
Politisches

Stadtklima: Mehr Grün gegen Tropennächte

Verwaltung stellte aktuellen Bericht vor – Wo kann gebaut werden, wo nicht? – Lösungen gegen Klimawandel

Seen, Kleingärten und Parks wie hier am Inselwall sorgen dafür, dass das Stadtklima in Braunschweig gut ist. Foto: Braunschweig Stadtmarketing GmbH

Die gute Nachricht zuerst: Braunschweigs Klima ist beneidenswert gut für eine Stadt dieser Größe.

Parks, Seen, Kleingärten und das grüne Umland sorgen für eine gute Belüftung.
Die schlechte: Es wird vermutlich nicht so bleiben. Vergangene Woche stellte die Verwaltung ein aktuelles Gutachten vor und wagte auch einen Blick ins Jahr 2050.

Viele, viele Daten müssen für ein solches Gutachten gesammelt werden. Wo heizt es sich im Sommer ganz besonders auf? Wo verlaufen die Belüftungsschneisen? Welche Stadtteile sind von Emissionen belastet? Die Erkenntnisse darüber sind nicht unbedingt neu – die Abteilung Umweltschutz erstellt die Analysen schon seit fast 30 Jahren.

Doch „heute können wir die Ergebnisse aber viel feiner und detaillierter darstellen“, erklärt Abteilungsleiter Thomas Gekeler. Zum ersten Mal flossen in das aktuelle Gutachten auch Daten zur Bevölkerungsdichte und Altersstruktur ein.
Für die Stadtplanung sind solche Erhebungen immens wichtig. Sie entscheiden mit, wo ein Baugebiet entsteht und wo nicht.

Beispiel Holzmoor Nord und Dibbesdorfer Straße. Rund 1000 Mietwohnungen sind hier geplant. Direkt hindurch führt eine wichtige „Luftleitbahn“, die kühlere und saubere Luft in die Stadt transportiert. „Allenfalls das Ringgleis könnte hier verlaufen oder eine Straßenbahntrasse“, sagt Gekeler. Häuser dagegen würden den Luftaustausch abschneiden.

Die Verwaltung muss trotzdem Kompromisse machen. „Um dem aktuellen Wohnungsmangel zu begegnen, setzen wir auf Verdichtung“, erklärt Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer. Das Positive daran: Weniger Emissionen. „Statt mit dem Auto aus dem Umland in die Stadt zu pendeln, kann man Bus, Straßenbahn oder Fahrrad für den Weg zur Arbeit und zurück benutzen“, nennt Leuer Vorteile.

Der Nachteil: Die versiegelten Flächen heizen die Stadt im Sommer auf.
„Mit Blick auf den Klimawandel müssen Städte diese Faktoren im Blick behalten“, mahnt Gekeler. Bereits jetzt lägen in den stark bebauten Bereichen wie in der Innenstadt, in Teilen der Ringgebiete aber auch in den Industrie- und Gewerbeflächen die Temperaturen nachts um rund acht Grad höher als im Umland.

„Jeder erinnert sich an die Tropennächte 2018“, sagt der Umweltschutzleiter. „Diese Nächte wird es in den kommenden Jahren noch deutlich mehr geben“. Umso wichtiger werden grüne Ausgleichsräume – Stichwort Pocket-Parks.

„Im Idealfall liegt so ein Pocket Park im Radius von 300 Metern zur nächsten Bebauung, damit er auch für Senioren und Kinder erreichbar ist“, betont Gekeler.
Mehr unter www.braunschweig.de/stadtklima.

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