Starke Hilfe, wenn es eng wird | Neue Braunschweiger
25. März 2020
Politik

Starke Hilfe, wenn es eng wird

Stadt lässt Schutzpatron von Braunschweig in der Dornse wieder sichtbar werden

Stellten das drei Meter mal viereinhalb Meter große Prunkstück vor (v.l.): Oberbürgermeister Ulrich Markurth, der katholische Propst Reinhard Heine und der evangelische Pfarrer Peter Kapp, Foto: Birgit Wiefel

Innenstadt. Der Zeitpunkt für die Vorstellung lag ungünstig, doch Oberbürgermeister Ulrich Markurth fand – mit Blick auf die Corona-Krise – die richtigen Worte: „Der Teppich erzählt vom Miteinander in der Stadt in schwierigen Zeiten.“

Seit Kurzem hängt im Foyer der Dornse ein neues Schmuckstück: Ein rund drei mal viereinhalb Meter großer Wandteppich mit dem Braunschweiger Schutzpatron – dem Heiligen Auctor. Wie so viele Schätze der Stadt kann er aktuell nicht besichtigt werden, doch Ulrich Markurth machte gemeinsam mit dem katholischen Propst Reinhard Heine und dem evangelischen Pfarrer Peter Kapp beim Vorstellungstermin schon einmal neugierig. „Der Teppich ist ein Denkanstoß, wie wir die Dornse als gute Stube der Stadt noch einmal anders präsentieren können“, sagte der Oberbürgermeister.

Der großen Mehrheit der Braunschweiger wird der Heilige wohl eher unbekannt sein. Zwar kann sein Grab in St. Aegidien besucht werden und wer sich für Geschichte interessiert weiß, dass im 14. Jahrhundert an das Altstadtrathaus die Auctorkapelle gebaut wurde. Doch mit dem Teppich gibt es zum ersten Mal wieder ein Bild von dem Heiligen. Und er erklärt, warum Auctor vom 13. Jahrhundert bis zur Reformation eine so große Rolle spielte: Der Stadtpatron beschützte vor den Angriffen der Stauffer und galt als Schlichter bei Konflikten unter den Bürgern. Auf dem Wandteppich schwebt er überdimensional über den Stadtmauern, wird von Klerus, Rat und Bürgerschaft gleichermaßen verehrt.

„Er steht für das Miteinander der hier Lebenden“, sieht Oberbürgermeister Markurth den Heiligen als zeitlose Figur. Und auch Propst Reinhard Heine und Pastor Peter Kapp schlagen die Brücke zur Jetzt-Zeit.

„Manchem Protestanten mögen Heilige fremd sein, aber sie sind vor allem Vorbilder. Frauen und Männer, die ein Leitbild sein können“, betonte Heine. Und Pastor Peter Kapp machte deutlich: „Auctor war da, als es für die Stadt eng wurde; in diesem Moment war er eine Integrationsfigur. Auch jetzt gibt es Fliehkräfte, die die Gesellschaft auseinanderreißen – es ist wieder eng.“

Info:

• Das Motiv des Teppichs wurde nach einer rund 25 mal 17 Zentimeter großen Miniatur gestaltet. Abgesehen von der besonders detailgetreuen Wiedergabe der Malerei, ist auch das Material des Teppichs besonders: Es handelt sich um recycelte Fischfangnetze.

• Die Bedeutung des Stadtpatrons wurde vor rund zehn Jahren mit dem „Auctortag“ wiederbelebt: Die christlichen Kirchen und die Stadt widmen sich dann gemeinsam aktuellen Themen und beleuchten sie von ihren unterschiedlichen Standpunkten aus.

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