Tarzan war bestimmt auch schon einmal hier | Neue Braunschweiger
22. Juli 2019
Allgemein

Tarzan war bestimmt auch schon einmal hier

Copacabana, Zuckerhut und der Regenwald: Die brasilianische Metropole Rio de Janeiro lockt mit bunter Vielfalt

Die Landschaften in Brasilien sind gigantisch. Foto: Maria Lüer

Rio de Janeiro. Langgezogene feine Sandstrände, Regenwald, Hügel und Berge: Rio de Janeiro ist das Aushängeschild Brasiliens. Kein Wunder also, dass die Cariocas, die Bewohner der Millionenmetropole, mit stolzgeschwellter Brust und voller Lebensfreude durch die Straßen gehen. Auch wir haben uns von der Stadt faszinieren lassen.

Unser zweiwöchiger Trip startet mit Rios touristischen Highlights. Zunächst bringt uns eine Zahnradbahn den Corcavado, den Hügel von dessen Spitze der Cristo Redentor seine schützenden Arme über die Stadt ausbreitet, hinauf. Auch wenn der Ort restlos überlaufen ist, der Besuch lohnt sich allemal – allein schon wegen des atemberaubenden Ausblicks.

Einzigartige Panoramen

Eine andere Perspektive auf die Küstenstadt sowie ein bisschen mehr Abenteuer erwarten wir von unserer Tour auf den Zuckerhut. Zunächst führt uns ein Wanderweg auf den „Vorberg“ Morro da Urca. Steile, treppenartige Pfade bringen uns sehr schnell außer Atem – bei Temperaturen um die 28 Grad und einer sehr hohen, drückenden Luftfeuchtigkeit kein Wunder.

Mit Guide Thiago laufen wir über eine Brücke in die Tiefen des Dschungels. Foto: Privat

Zum Glück führt die Route überwiegend schattig durch den Wald, in dem uns die fremde Vegetation schnell in ihren Bann zieht. Wir können uns kaum vorstellen, dass sie für die Brasilianer genauso normal ist wie für uns ein Harzer Tannenwald.
Die Aussicht auf dem Gipfel des Morro da Urca ist jetzt schon fantastisch, und doch wollen wir noch höher hinauf. Eine Seilbahn bringt uns auf die Spitze des Zuckerhutes – der Granitfelsen ist 396 Meter hoch – auf dem eine angenehme Brise weht. Wir suchen uns eine freie Bank mit Blick auf die Stadt und genießen die unglaublichen Panoramen.

Von Rios Kultur lassen wir uns im Stadtteil Santa Teresa verzaubern. Das Viertel ist durch verwinkelte und kurvige Straßen sowie einen kolonialen Stil geprägt. Das zeigt vor allem die weltweit bekannte Escadaria Selarón – die Treppe ist ein farbenfrohes Meisterwerk des chilenischen Künstlers Jorge Selarón, der es als „meine Hommage an das brasilianische Volk“ bezeichnete.

Etwas Ruhe in dieser wuseligen Stadt finden wir im Jardim Botânico. Von der Unesco zum Biosphären-Reservat ernannt, dient das Grün als Park und Forschungsinstitut. Wir entdecken riesige Bäume, die noch aus der Gründerzeit der Anlage aus dem Jahr 1808 stammen, neben zahlreichen Treibhäusern, Orchideen- und Rosengärten. An die 6500 verschiedene Pflanzenarten gibt es hier, von denen einige bereits vom Aussterben bedroht sind.

Kleiner Affe. Foto: Lüer

Rios einmalige Küste, die wir gerade noch vom Zuckerhut aus betrachtet haben, macht die Stadt weltberühmt. Bei einem ausgiebigen Strandspaziergang durch Ipanema, dem Viertel der Reichen und Schönen, treffen wir vor allem auf braun gebrannte und durchtrainierte Körper im Sand. Knappe Bikinis und enge Shorts sind hier die beliebtesten Kleidungsstücke.
Dasselbe gilt für Copacabanas Strand, der vor allem bei den Touristen beliebt ist.

Der eigentliche Grund, warum es uns nach Brasilien lockte: der Regenwald. Unser Dschungel-Trip, er ist ein unbeschreibliches Abenteuer – allein schon wegen der Intensität, der Lautstärke, der Vielfalt an Formen, Mustern und Farben. Wegen der schieren Menge an Pflanzen und Tieren. Weil alles, was uns zumindest bekannt erscheint, viel größer ist: Schmetterlinge, Ameisen, Bäume. So als hätte jemand zu viel Dünger draufgegeben. Tarzan war bestimmt auch schon einmal hier.

Land der Superlative

Mit unserem Guide Thiago tauchen wir in einen grünen Ozean aus Farnen, Moosen, und Lianen ein. Prächtige Vögel umkreisen uns, überall entdecken wir Blumen in allen Regenbogenfarben. Das Zwitschern und Rascheln der Tiere begleitet uns.

Gefangen von einzigartigen Eindrücken bahnen wir uns den Weg durchs Grün. Hunderte Jahre alte Bäume breiten ihr Blätterdach über uns aus, Bromelien hängen von den Ästen, die meterhohen Brettwurzeln schlängeln sich in alle Richtungen durch die Erde. Das Wandern durch die unberührte Natur ist mühsam, immer wieder müssen wir uns unter Ästen hindurch ducken, unsere Schuhe verfangen sich in Lianenschlingen, Dornen ritzen die Haut. Die Schwüle ist erdrückend. Fix und fertig erreichen wir die angepeilten Aussichtspunkte und erfahren Wiedergutmachung: Der Zauber des Dschungels, der unglaubliche Ausblick auf den Regenwald, entschädigt uns für all die Mückenstiche und Strapazen.
Wir sind beeindruckt von diesem Land, deren Samba-Hauptstadt aber auch ein zweites Gesicht hat: Während die Küsten um den Zuckerhut den Wohlstand repräsentieren, befinden sich direkt hinter den Hotelketten die Blechhütten der Favelas, in denen die armen Bevölkerungsschichten ein Leben ohne Hoffnung fristen. Raubüberfälle auf offener Straße, Gewaltverbrechen, Drogenkriege und Korruption – das alles passiert hier oft, auch bei Tageslicht.

Während unserer Abenteuer-Reise lernen wir die heimische, die deutsche „Ungefährlichkeit“ schätzen und bekommen eine ungefähre Ahnung, wie sich das Leben in einer unsicheren Gesellschaft anfühlt.

Mit unbeschreiblich schönen Erfahrungen und einzigartig prägenden Erlebnissen im Gepäck treten wir die Rückreise an. Wir sind uns sicher: Dies war bestimmt nicht der letzte Besuch in diesem eindrücklichen Land der Superlative.

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