Temperament, Liebe, Drama – italienisch eben

Neujahrskonzert in der Stadthalle: Der scheidende GMD und seine besten Sänger in einem mitreißenden Konzert.

Tenor Arthur Shen beim Neujahrskonzert mit dem Staatsorchester unter der Leitung von Alexander Joel. Foto: Hübner

Von Ingeborg Obi-Preuß, 05.01.2014.

Braunschweig. Was für ein Abschied: Für sein letztes Neujahrskonzert als Generalmusikdirektor am Staatstheater Braunschweig wählte Alexander Joel die schönsten Arien der italienischen Oper. Das Publikum war hingerissen. „Ciao, Caro! Highlights der italienischen Oper“ – so der offizielle Titel des Neujahrskonzerts, zu dem die Stadthalle und das Staatsorchester gemeinsam eingeladen hatten.

„Ciao Caro bedeutet so viel wie auf Wiedersehen Teurer/Lieber“, erklärte Orchesterdirektor Martin Weller den Gästen in der ausverkauften Stadthalle. Eine Anrede, die die Wertschätzung des Orchesters gegenüber ihrem scheidenden Dirigenten ausdrücke.
Der hatte sich die italienische Oper für dieses Konzert gewünscht. Zum einen, weil ihn eine besondere Liebe mit dieser Musik verbinde, zum anderen, weil sich in diesem Jahr der Ausbruch des 1. Weltkrieges zum 100. Mal jährt, da seien österreichische Märsche „die Sie zum Klatschen animieren könnten, nicht angebracht“, betonte Weller.
Also Italien – womit sich auch ein Kreis geschlossen hat. „Denn als wir damals auf der Suche nach einem neuen Generalmusikdirektor waren, haben wir uns als Erstes Alexander Joel in Düsseldorf angehört, er dirigierte Don Carlos“, erzählte Weller von den Anfängen.
Daraus sind sieben Jahre Zusammenarbeit geworden. Jetzt hat Joel neue Pläne. „Unter anderem hat er sich verlobt und wird heiraten“, verriet Weller. Alexander Joel selbst erzählte gleich noch ein wenig mehr: „Wir erwarten Nachwuchs im Mai. Und das Kind wird Carla oder Carlos heißen.“ Der Mann strahlte vor Freude, seine gute Laune übertrug sich auf die Musiker und in den Saal. Die von ihm nach Braunschweig geholte Sängerin Ekaterina Kudryavtseva mit ihrem klaren, kraftvollen Sopran bezauberte ganz besonders bei der leisen Arie „O mio babbino caro“ – bewegend schön.
Strahlend auch Arthur Shen, der gemeinsam mit dem Gast-Bariton Boris Statsenko ein geradezu rauschendes Duett auf die Bühne zauberte: „Dio che nell’alma infondere“ aus „Don Carlos“ war gesungene Männerfreundschaft pur. Auch die Arie der Musetta aus La Boheme – ebenfalls gesungen von Ekaterina Kudryavtseva – war ein Ereignis. Und ein Blick an den Anfang. Denn La Boheme war die erste Oper, die Alexander Joel 2007 in Braunschweig leitete, Regisseur war der damalige Intendant Wolfgang Gropper.
Martin Weller moderierte den Abend wie immer mit viel Charme und einem geradezu unglaublichen Detailwissen der Musikgeschichte. So brachte er dem Publikum den italienischen Komponisten Ottorino Respighi (1879 bis 1936) näher, der die italienische Geschichte von der Antike an in seiner Musik verarbeitet und beschieben habe.
Ganz viel Applaus und zweimal Arthur Shen mit „Nessun dorma“ als Zugabe.

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