14. Dezember 2021
Buntes

Theater macht erfinderisch

Florian Battermann hat ein Buch geschrieben, der Erlös wird gespendet

Florian Battermanns Buch kommt pünktlich zu Weihnachten heraus. Foto: Komödie am Altstadtmarkt

Innenstadt. „Theaterleiter müssen erfinderisch sein“, sagt Florian Battermann, Chef der Komödie am Altstadtmarkt. „Erst recht bei einem privaten Theater“. Schon deshalb liegt ihm Edward Taylor am Herzen. Der Kollege aus dem englischen Blackpool, der im Dezember 1962 dringend ein Erfolgsstück braucht und „Dinner for one“ auf die Bühne stellen will. Mit sechs Schauspielern. Wie alle Welt weiß, sind am Ende ja nur zwei Darsteller in dem berühmten Sketch zu sehen. Was war geschehen?

Die ganze Wahrheit

„Die Wahrheit über ‘Dinner for one’“, ist von Florian Battermann bereits 2018 geschrieben und in der Komödie am Altstadtmarkt inszeniert worden. Jetzt legt er den Roman dazu vor.
Immerhin gibt es schon mehr als 25 Bühnenstücke aus seiner Feder – besonders erfolgreich darunter „Honig im Kopf“ und „Oscar Schindlers Liste“ – aber ein eigenes Buch, das war noch nicht dabei.
„Der erste Lockdown und dazu der plötzliche Wintereinbruch waren meine Initialzündung“, erzählt Battermann. Da die Bühnenfassung vorlag, war das Konzept schnell auf acht Seiten zusammengefasst: Silvester 1962, dem Edward-Taylor-Theater in Blackpool soll das Stück „Dinner for one“ zum Silvesterknaller verhelfen. Der Theaterleiter lässt Schauspieler unter Vertrag nehmen, allein für die Hauptrolle fehlt die Besetzung. Dann kommt die Regieassistentin mit der Neuigkeit, dass die berühmte May Warden in der Stadt ist. Edward Taylor setzt alles daran, diesen Star unter Vertrag zu bekommen, wohl wissend, dass er mit dem Komiker Freddie Frinton den geschiedenen Ehemann der Schauspielerin im Team hat. Und ebenfalls wohl wissend, dass die beiden sich spinnefeind sind.

Der findige Impresario („Theaterleiter müssen erfinderisch sein“ – O-Ton Battermann) erzählt den beiden jeweils eine andere haarsträubende Geschichte. Das Ende vom Lied: Beide unterschreiben ihren Vertrag.
Aber sie haben es selbst faustdick hinter den Ohren. Sie nutzen den krankheitsbedingten Ausfall eines Kollegen, um auch die anderen zu einer Absage zu überreden. In der Hoffnung, dass das Stück abgesagt werden muss und sie ohne Konventionalstrafe aus ihrem Vertrag kommen. Doch da haben sie die Rechnung ohne den findigen Theaterleiter gemacht: Geisterspiele heißt die Lösung. Beziehungsweise das Zwei-Personenstück, wie wir es alle kennen.

Worte für die Optik

„Der Unterschied zwischen einem Roman und einem Bühnenstück ist doch erheblich“, erzählt Battermann. Dass, was das Publikum sonst sieht, muss im Buch beschreiben werden. „Für das Aussehen der Schauspieler ist eine Kostümbildnerin zuständig“, gibt er ein Beispiel. Für das Buch braucht es Worte, um die Optik der Personen sichtbar zu machen.„Zum Glück gibt es das Internet“, sagt Battermann.
Er hat viel recherchiert, sich die Theaterräume virtuell angesehen, die Mode der 60er Jahre studiert, sich mit der Sprache der Zeit vertraut gemacht. Und ist auf den Geschmack gekommen. Florian Battermann schreibt bereits an seinem nächsten Buch. Nach dem sensationellen Erfolg seiner Welturaufführung von „Oscar Schindlers Liste“ spielt sein neues Buch ebenfalls in der Zeit des Nationalsozialismus. Es geht um Vertrauen und Verrat, um Ängste und um die Kraft der Geschichten. Der rote Faden sind „Der Zauberer von Oz“ und andere große Klassiker der Kinderbuchliteratur. Geplant ist ein Roman und ein Ein-Personenstück für die Bühne. Herbst 2022 soll Premiere sein. Doch zunächst ist „Die Wahrheit über Dinner for one“ im Handel. Das 200-Seiten-Buch gibt es direkt in der Komödie und in der Buchhandlung Graff. Der Erlös geht an die Schauspielerinnen und Schauspieler, die unter der Coronakrise besonders leiden.

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