Tiefe Risse in die heile Welt | Neue Braunschweiger
8. Mai 2015
Kulturelles

Tiefe Risse in die heile Welt

Margarethe von Trotta kommt zur Vorstellung ihres neuen Films ins C1.

Margarethe von Trotta stellt im C1 ihren Film „Abhandene Welt“ vor. Foto: André Pause

Von André Pause, 09.05.2015.

Braunschweig. Jetzt stellen Sie sich das einmal vor: Ihr Vater entdeckt in der Zeitung das Bild einer Opernsängerin, die eine frappierende Ähnlichkeit zur verstorbenen Ehefrau aufweist und entsendet Sie daraufhin nach New York, um der Sache auf den Grund zu gehen, einen Kontakt zur vermeintlich Fremden aufzunehmen.

Regisseurin Margarethe von Trotta hat für ihren neuen Film „Abhandene Welt“ einen Plot geschaffen, der sehr wohl möglich sein mag, unter dem Strich jedoch bisweilen konstruiert und gewollt wirkt.
Selbstredend ist die Ähnlichkeit der Frauen kein Zufall und der Instinkt des Vaters Paul Kromberger (Matthias Habich) gar nicht mal so verkehrt. Allerdings führt Tochter Sophie (Katja Riemann), die die Freilegung verschütter familiärer Verbindungslinien zwischen Vergangenheit und Gegenwart gemeinsam mit der sich anfangs noch sträubenden Gesangs-Diva (Barbara Sukowa) vorantreibt, zu verblüffenden Ergebnissen. Am Ende findet Sophie eine Schwester, Vater Paul jedoch keine weitere Tochter. Die von der Vermutung zur Gewissheit werdende Familienbande fügt zumindest seiner heilen Welt tiefe Risse zu. Ihm kommt sie im wahrsten Wortsinn abhanden.
Mit ihrem aktuellen Werk knüpft Margarethe von Trotta an das Thema Schwesternfilm an, das sie bereits in den 80er Jahren in Produktionen wie „Bleierne Zeit“ oder „Fürchten und Lieben“ verhandelt hat.
Am heutigen Samstag ist die Regisseurin für ein Publikumsgespräch im C1 Cinema zu Gast. Nach der 18-Uhr-Vorführung wird sie dem Publikum gegen 19.45 Uhr etwa 20 Minuten für Fragen zur Verfügung stehen.

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