Tomlin im „Mal-sehen-Modus“ | Neue Braunschweiger
22. Mai 2020
Sport

Tomlin im „Mal-sehen-Modus“

American Football: Der Lions-Trainer sehnt das Ende der Krise herbei

Braunschweig. Eigentlich würden die New Yorker Lions derzeit um ihren 13. Meistertitel kämpfen. Durch die Coronakrise ist aber auch im American Football alles anders. Im Moment wird bei den Braunschweigern nicht mal trainiert.
Troy Tomlin trifft man derzeit eher am Ölper See als auf dem Sportplatz. Der Lions-Cheftrainer geht dort gern mit seinem schwarzen Labrador spazieren. Außerdem feilt er dieser Tage an seinen Deutschkenntnissen und arbeitet zu Hause an seiner Fitness. Zeit hat der US-Amerikaner dafür im Moment genug, befindet er sich doch ebenso wie sein wichtigster Assistent, Defensiv-Stratege Dave Likins, in Kurzarbeit.
Unter den aktuellen Bedingungen mache ein Mannschaftstraining keinen Sinn, stellt Tomlin unumwunden klar. „Wenn man auf den Platz will, muss vorher reserviert werden. Es dürfen nicht mehr als fünf Spieler zusammen auf dem Platz sein und sie müssen zwei Meter Abstand halten – kein Kontakt“, umreißt der Trainer die behördlichen Auflagen. „Da lohnt es sich zur Zeit nicht, etwas zu machen.“
Aber wofür sollte man gerade auch trainieren? Ob oder wann eine Saison in diesem Jahr stattfindet, ist höchst ungewiss. Der American-Football-Verband AFVD hegt die Hoffnung, dass es ab September in der German Football League (GFL) wieder um Punkte geht. Tomlin würde sich das wünschen, allzu viel Optimismus versprüht er aber nicht. „Das Virus macht den Zeitplan“, sagt er, und: „Es wäre schön, wenn es bald einen Impfstoff gäbe.“
Nach den Vorstellungen des AFVD würde die GFL im Optimalfall von September bis November den deutschen Meister ausspielen. Da englische Wochen in Football-Deutschland, mit seinen vielen Amateuren, nicht möglich seien, wie Tomlin betont, müsste die Hauptrunde mit seinen 14 Partien gewiss verkürzt werden. „Vielleicht würde man nur zehn Spiele und dann die Playoffs spielen“, sagt der 51-Jährige und verweist auf die College-Liga in den USA, wo es ganz ähnlich ablaufe. Viel länger als bis Ende November dürfte die Spielzeit aber nicht laufen, betont er, denn „dann hätten wir kaum eine Offseason und die Saison 2021 wäre in Gefahr.“
Er sei momentan in einem „Mal-sehen-Modus“, sagt Tomlin im Hinblick auf den Saisonstart. Priorität hätten derzeit eh andere Dinge: „Die Hauptsache ist, dass wir dieses Virus unter Kontrolle kriegen. Dann können wir von einem ganz normalen Leben reden – auch im Sport.“ Bis dahin werden der Lions-Headcoach und sein vierbeiniger Begleiter aber gewiss noch die eine oder andere Runde um den Ölper See gedreht haben.

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