Tour-Pause auf einem Campingplatz in Neuseeland | Neue Braunschweiger
8. Mai 2020
Menschen

Tour-Pause auf einem Campingplatz in Neuseeland

Mark Harzheim ist seit vier Jahren mit dem Fahrrad auf Weltreise – „Es gibt so viel Gastfreundschaft auf dieser Welt“

Ein aktuelles Bild von Neuseeland vor dem Tunneleingang auf der stillgelegten Bahntrasse Otago Railtrail: Vom Hightech zum Purismus. Da tut's auch schon mal ein geschenkter Einweg-Poncho. Fotos: Privat

Paddeltour auf dem Mekong. Am Start in Huay Xai hat Mark eine Spaziergängerin am Ufer angesprochen, das Bild zu machen.

Braunschweig/Pohara. 40 775 Kilometer ist Mark Harzheim mit dem Fahrrad unterwegs. Der Braunschweiger war am 24. April 2016 aufgebrochen, um die Welt zu sehen. Geplante Dauer: unbekannt. Man könnte sagen, die Hälfte hat er jetzt erradelt – mit Neuseeland so ziemlich den Antipol von Deutschland erreicht.

Auch am anderen Ende der Welt herrscht im Moment eine Situation wie fast überall, Reisen ist nicht erlaubt, vier Wochen Pause auf einem Campingplatz am Strand ist angesagt. „Die Idee war eigentlich, auf einem Biohof zu arbeiten“, erzählt Mark am Telefon. Doch dann ging alles ganz schnell. „Neuseeland hat einen vierstufigen Aktionsplan beschlossen. Bei Stufe drei war ich noch 1200 Kilometer von meinem eigentlichen Ziel Takaka ganz im Norden der Südinsel entfernt, dann wurde Stufe vier angekündigt. Da blieben mir noch 57 Stunden.“ Und so machte Mark sich auf den Weg: „Insgesamt vier verschiedene Busse, fünfmal per Anhalter und 40 Kilometer mit dem Rad. Zwei Stunden vor Inkrafttreten der neuen Regelung erreichte ich die Golden Bay.“ Das war Mitte April. Und da war es wie immer auf seiner Reise: Alles gut!

Schon als ich Mark bei seiner Abreise interviewte, konnte man das Positive in ihm spüren, die optimistische Sicht auf die Dinge, die es für so eine Tour mit Fahrrad und Zelt wohl auch braucht. Zwischendurch hatten wir immer wieder Kontakt, dann aber eine ganze Weile nicht. Und gerade jetzt in der vermeintlichen Krise hört man aus seinen Worten, dass sich etwas verändert hat. „Ich erlebe nur die positiven Sachen. Ich habe inzwischen gelernt, offensiv um Hilfe zu fragen, es gibt soviel Gastfreundschaft auf dieser Welt“, sagt der 53-Jährige. „Die Nachrichten verfolge ich gar nicht. Ich weiß, dass ich vier Wochen nicht reisen darf, und was danach ist, steht in den Sternen“, sagt er. Inzwischen gilt bis zum 11.  Mai wieder Warnstufe drei, Reisen ist aber nicht erlaubt, danach könnte es weitergehen.
Neuseeland sei ein Wendepunkt gewesen. Eigentlich kam die Reisesperre wie gerufen, er wollte nach fünf Monaten sowieso mal wieder eine längere Pause machen und habe eine großartige Zeit auf dem Campingplatz, so Mark weiter.

Egal, wo Mark bislang angekommen ist – ein freundlicher Empfang war dem Weltreisenden stets sicher.

Aufgrund mehrerer Knieoperationen mit folgendem Knorpelschaden war Mark mit einem Pedelec mit Solar-Anhänger gestartet, das ihn zuverlässig bis nach Australien gebracht hat. Dort tauschte er das Gespann gegen ein Mountainbike ein. „Ich dachte mir, es wäre doch schön, für Neuseeland ein Mountainbike zu haben. Die Insel ist recht bergig und meinem Knie geht es durch das viele Fahrradfahren auch besser und besser“, so der Ingenieur. Die 100 Kilogramm Gepäck des Elektro-Gespannes würde er dann nicht mehr mitnehmen können, war ihm klar. Also reduzierte er sein Besitztum auf 15 Kilogramm. „Einen Kocher brauche ich nicht mehr, man kann überall nach heißem Wasser für seine Schokolade fragen.“

Ob Mark bei allem Erlebten persönliche Höhepunkte in seinem Südostasien-Abschnitt hatte, schien mir fast zu banal zu fragen, doch da waren mindestens zwei. „Ein absolutes Highlight war, dass ich den Everest gesehen habe“, schießt es aus ihm heraus. Auch die siebentägige Paddeltour auf dem Mekong im Norden von Laos auf einem hölzernen Langboot hinterließ einen bleibenden Eindruck: „Ich hielt in einem Dorf an, um mir das Mittagessen auf einem Holzfeuer zuzubereiten. Keiner der Dorfbewohner sprach ein Wort Englisch oder hatte jemals zuvor einen Ausländer gesehen. Selbst in Indien schauen einem gewöhnlich nicht rund 150 Menschen beim Kochen zu.“

Apropos Indien: „Wir waren bei meinem ersten Besuch nicht gut Freund. Das Radfahren im Süden war eine große Belastung, es war durch den starken Verkehr und permanentes Hupen sehr laut auf den Straßen. Doch als ich nach fünf Monaten Nepal in den Norden Indiens zurückkehrte, haben wir Frieden geschlossen. Die Menschen dort sind total anders, viel gelassener. Es gibt zwischen Süden und Norden riesige kulturelle Unterschiede.“ Noch Stunden könnte man Marks Abenteuern lauschen, aber die Zeilen hier sind endlich. Wie soll es denn – wenn es wieder geht – weitergehen? „Mein nächstes Ziel ist ganz klar Kalifornien und von dort geht es mit dem Rad nach Südamerika. Entweder mit einem Containerschiff oder per Segelboot. Eine dritte Option wäre, auf einem Kreuzfahrtschiff anzuheuern und wenn gar nichts geht, bliebe das Flugzeug“, beschreibt er die Fortsetzung seiner im April 2016 ausgegebenen Route. „Aber jetzt ist mir die Idee gekommen, es wäre doch mal schön, die Antarktis zu sehen. Ich weiß von jemandem, der 33 Jahre auf Radweltreise war und dort in der Forschungsstation einen Job für Kost und Logis bekommen hat…“

Wir werden in Kontakt bleiben.

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