19. Februar 2021
Politik

„Traditionsinseln sind Welterbe“

Aus dem Rat: CDU sieht gute Chancen für eine Bewerbung als Unesco-Weltkulturerbe – Rat lehnte ab

Der Burgplatz mit Dom. Nach Ansicht der CDU sollte sich Braunschweig mit seinen Traditionsinseln um den UNESCO-Weltkulturerbe-Titel bewerben. Foto: Frank Sperling/BSM

Braunschweig. Ob Burgplatz oder Altstadtmarkt – nach Ansicht der CDU hat Braunschweig viel Potenzial, um für den Titel „Unesco-Weltkulturerbe“ ins Rennen zu gehen. Von besonderem Wert seien vor allem die fünf Traditionsinseln, Aegidienviertel, Altstadtmarkt, Burgplatz, Magniviertel und Michaelisviertel sowie die Wiederaufbauleistung, die dort nach dem Zweiten Weltkrieg geleistet wurde.

„Ein derartiges städtebauliches Vorgehen ist in dieser Art einmalig auf der Welt“, begründet die Fraktion ihren Vorstoß. Sie würde Braunschweig deshalb gerne auf die Vorschlagsliste des Landes setzen lassen, doch ihr Antrag, die Chancen für eine Bewerbung zu prüfen, lehnte der Rat in seiner jüngsten Sitzung ab, „wir würden sehenden Auges gegen die Wand laufen“, befürchtet Christoph Bratmann (SPD).

Ja, Braunschweig habe sich bereits zweimal um eine Auszeichnung beworben, „doch der Titel ‘Stadt der Wissenschaft’ und ‘Kulturhauptstadt’ ist nicht vergleichbar mit einer Welterbebewerbung“, so Bratmann. Deutschland sei mit 46 Welterbestädten schon jetzt überrepräsentiert, außerdem bezweifelt der SPD-Fraktionsvorsitzende die Einzigartigkeit der Traditionsinseln. „Es ist kein Alleinstellungsmerkmal, wenn eine Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg Ensembles zusammenfasst.“ Deutlich größere Chancen räumt Bratmann den Schöninger Speeren ein. Im vergangenen Jahr hatte der Rat in Helmstedt sich für eine UNESCO-Bewerbung ausgesprochen. Die archäologische Grabung Schöningen werde dem Titel besser gerecht, ist Christoph Bratmann überzeugt.

 

Neues Gewerbeareal soll Firmen in die Region locken

An der A2/A39 ist ein interkommunales Gewerbegebiet geplant – Grüne sehen Vorhaben kritisch

Gleich vier Kommunen haben ein Auge auf ein Areal am Autobahnkreuz Wolfsburg/Königslutter geworfen. An der Anschlussstelle Scheppau soll nach dem Willen der Städte Wolfsburg und Braunschweig sowie der Landkreise Helmstedt und Wolfenbüttel ein interkommunales Gewerbegebiet entstehen. Im Moment wird auf der Fläche Landwirtschaft betrieben, eine Machbarkeitsstudie soll klären, welche Firmen und Branchen sich dort ansiedeln können.

Der Kreistag in Helmstedt und der Rat der Stadt Wolfsburg hatten der Studie bereits zugestimmt. Auch der Braunschweiger Rat segnete das Vorhaben jetzt mit großer Mehrheit ab, Grüne und BIBS hatten allerdings Bedenken.

„Was ist denn zukunftsweisend an diesem Gebiet?“, fragte Grünen-Ratsherr Helge Böttcher. Er vermisste vor allem ökologische Ansätze in der Studie, wünschte sich von Beginn an striktere Vorgaben und Standards. Letztlich konnten sich die Grünen mit ihrem Änderungsantrag aber nicht durchsetzen. „Braunschweig selbst besitzt nur noch sehr wenige freie Gebiete für die Ansiedlung von Unternehmen. Die Erschließung von Flächen durch den Anschluss an andere Kommunen wird sicherlich zahlreiche Firmen in die Region locken“, hoffte zum Beispiel Annegret Ihbe (SPD).

Im März stimmt noch der Kreistag in Wolfenbüttel ab. Die Kosten der Studie belaufen sich auf 200 000 Euro, sie werden zu gleichen Teilen von den Kommunen getragen

 

Fernwärme-Problem: Wurden Investitionen verschlafen?

Linke vermutet, dass Technik überaltert ist

Mehrere Tage lang saßen viele Braunschweiger in ihren kalten Wohnungen. Mit den jüngsten Minustemperaturen schwächelte auch die Fernwärmeversorgung; die Einspeisung von 85 Grad reichte nicht mehr aus, um die Räume warm zu bekommen.

Kann BS-Energy noch die Versorgung sicherstellen?, fragte sich die Linke und vermutet, dass in den vergangenen Jahren nötige Modernisierungen versäumt wurden. „Ein Grund sei gewesen, dass ein Dieselmotor versagt habe“, zitiert die Fraktion den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des Versorgers, Paul Anfang. „Dadurch habe eine Anlage nicht gestartet werden können, die 58 Jahre alt sei.“

In seiner Stellungnahme verweist BS-Energy dagegen darauf, dass seit 2002 rund 200 Millionen Euro in die Instandhaltung investiert wurden. „2010 wurden weitere 90 Millionen Euro in ein neues Gas- und Dampfturbinenkraftwerk investiert“, so der Energieversorger. Eine Viertelmilliarde Euro fließe aktuell in eine Biomasseanlage auf Altholzbasis und in eine Gasturbine. „BS Energy betreibt das Fernwärmenetz über Jahrzehnte, in denen es bisher zu keinem nennenswerten Störfall gekommen ist.“ Grund sei vielmehr die Verkettung unglücklicher Umstände wie Qualitätsprobleme mit Brennstoffen, technische Ausfälle und besonders tiefe Temperaturen.

 

Ausreichend Schnelltests

Klinikum antwortet auf Anfrage der CDU

Wurden im Klinikum Schnelltests versäumt oder zu spät gemacht und kam es deshalb Anfang Februar zu einem größeren Corona-Ausbruch in der Nephrologie, wollte die CDU-Fraktion wissen.

Nein, lautet die Antwort des Klinikums. Antigen-Schnelltests würden seit Längerem eingesetzt – auch bei Neuaufnahmen. Die Teststrategie orientiere sich dabei an dem aktuellen Infektionsrisiko. „Die Aussage, dass Testungen erst in der 6. Kalenderwoche starten sollen, ist nicht richtig“, so das Klinikum. Die jüngst getroffene Entscheidung, alle Neuaufnahmen unabhängig von der 7-Tages-Inzidenz zu testen, sei tatsächlich unabhängig von dem Ausbruch und hinge mit dem zusätzlichen Infektionsrisiko durch die Mutationen zusammen.

Auch interessant