Trash, Techno und Daily Talk

Einstimmung auf „Hyper! Hyper!“: ­ Mit Peter Schanz zurück in die 1990er Jahre

Peter Schanz kehrt mit „Hyper! Hyper!“ nach Braunschweig und ins Große Haus des Staatstheaters zurück. Foto: Bo Lahola

Für „Hyper! Hyper!“ (Premiere am 29. Juni im Großen Haus) ist Autor und Theatermann Peter Schanz in die 1990er Jahre getaucht, hat etliche Schätze gehoben und längst Vergessenes wieder ins Gedächtnis zurückgeholt. Aber wie waren sie denn nun diese 90er Jahre in der Rückschau? Top oder Flop? Peter Schanz protestiert: „Das kann man nicht sagen. Etiketten werden keinem Jahrzehnt gerecht.“ Und überhaupt – aus welcher Sicht sollte eine solche Bewertung erfolgen?

Aber da ist doch etwas. Zum einen die Erkenntnis, dass dieses Jahrzehnt an Bedeutung gewonnen habe, je tiefer er in diese Zeit hineingeschaut hat. Die 1990er Jahre haben nicht nur Hedonismus und Oberflächlichkeit in Form von ungezügelter Vergnügungssucht mit Techno Party und Loveparade die Bühne bereitet, sondern waren auch das Jahrzehnt, in dem die größte Freiheit geherrscht hat – auch zwischen den unterschiedlichen Ideologien.

„Mit den 90er Jahren ist es so spannend, weil sich so erstaunlich viel verändert hat, anderes hingegen gar nicht“, sagt Schanz. Da ist zum einen das Internet, das unser Leben, die Art wie wir miteinander in Kontakt treten und Informationen austauschen, in komplett neue Bahnen gelenkt hat. „1997 an einem Märztag hat Braunschweig die erste Web-side präsentiert, und 1998 hat Amazon das erste Buch verkauft“, erzählt Peter Schanz.
Stillstand dagegen in anderen Bereichen. Das Endlager Gorleben und die Fässer in der Asse rotieren gefühlt in der Endlosschleife.

Damals begann oft genug, was uns heute umtreibt oder auf die Füße fällt. Alltagsrassismus gegenüber Flüchtlingen machte sich breit. In Mölln stand ein Haus in Flammen, in Hoyerswerda beteiligten sich mehr als 500 Menschen an fremdenfeindlichen Ausschreitungen. Peter Schanz sieht die Vorläufer für „den verrohten Dreck“, der aus Social-Media-Kanälen und aus Kommentarspalten weht, in den täglichen Talkshows, die den Tabubruch zum Alltagsphänomen machten. „Ich habe das damals nicht gesehen, aber jetzt. Da stehen einem die Haare zu Berge“, sagt Schanz.

Aber wie der Titel „Hyper! Hyper!“ schon verrät, geht es auch bei diesem Stück, das gemeinsam mit Christian Eitner entstanden ist und in dem natürlich die Jazzkantine mitspielt, viel um die Musik. Peter Schanz als Mann des Wortes bekennt dazu freimütig: „Das war nicht meine Mucke.“ Nein, er war nie auf einer Loveparade oder einer Techno Party. Aber wie schon bei „Da, Da, da“ wunderte er sich, wie viele Bands und Songs er doch schon gehört hat. Die 90er Jahre sind nämlich auch die ersten bewusst erlebten Jahre seiner Kinder. Die Beschäftigung mit der Zeit fand zu einem guten Teil im direkten Gespräch statt, im Wachrufen eigener Erinnerungen und nicht nur im Stadtarchiv oder im Internet.

Und da wären wir wieder bei den Entdeckungen: Die Dekade beginnt nämlich nicht am 1. Januar 1990, sondern schon am 9. November 1989 mit dem Fall der Berliner Mauer, aber lesen Sie selbst…

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