„Üben, üben und besser werden“ | Neue Braunschweiger
29. Juni 2020
Buntes

„Üben, üben und besser werden“

Roberta Bergmann, Braunschweiger Kreativ-Expertin, im Interview zu ihrem neuen Buch „Die Praxis des Gestaltens“

Die Braunschweiger Kreativ-Expertin Roberta Bergmann. Foto: BZ-ArchivPeter Sierigk

Braunschweig. Im Frühjahr sprießen nicht nur erste bunte Blumen, sondern auch viele tolle Ideen. Zumindest bei der Braunschweiger Kreativ-Expertin Roberta Bergmann. Die Autorin ist freiberuflich als Gestalterin, Künstlerin, Illustratorin, Coach und Lehrende tätig.

Mit „Der kreative Flow“ (www.derkreativeflow.de) hat sie zudem eine Community gegründet. Mit Onlinekursen, Podcastfolgen, Coachings und Workshops will sie Kreativität fördern. In ihrem neuen Sachbuch „Die Praxis des Gestaltens“ (Haupt Verlag) liefert Roberta Bergmann mehr als 30 Übungen und Aufgaben, die sowohl Spaß als auch Mut machen sollen. Die NB unterhielt sich mit ihr.

Frau Bergmann, was fasziniert Sie an der Grafik, am Gestalten?
Ich glaube, an etwas Grafischem oder einer Gestaltung interessiert und fasziniert mich die Ästhetik der verschiedenen Formen, Farben und das Zusammenspiel von Text und Bild als Gesamtkomposition. Ich schaue mir einfach gern gut gestaltete Dinge an, egal ob das Bücher, Produkte, Zeitschriften, Webseiten oder sonst etwas, das durch die Hände eines Grafikdesigners oder Mediengestalters gelaufen ist. Gestaltung bedeutet für mich, den Dingen ein Gesicht geben zu können und damit auch in Kommunikation mit dem Betrachter zu treten.

Welche speziellen Bereiche machen Ihnen besonders Spaß?
Ich bin gelernte Grafikdesignerin mit den Schwerpunkten Illustration, Fotografie und Buchgestaltung. Und ich muss sagen, das ist auch bis heute das, was mir am meisten Spaß macht. Ich halte mich beruflich am liebsten in der Printgestaltung auf, alles was man drucken kann. Da passt das natürlich auch ganz gut, dass ich Bücher schreibe, die ich danach gleich selbst gestalten kann. Aber auch freie Projekte liegen mir am Herzen, ich male große Bilder, die in meinem Braunschweiger Atelier entstehen und die ich dann in Ausstellungen zeige.

Um was geht es genau in Ihrem neuen Buch und was soll dieses bewirken?
Nach meinem erfolgreichen ersten Sachbuch „Die Grundlagen des Gestaltens“ steht mein drittes Sachbuch „Die Praxis des Gestaltens“ so ein bisschen als Nachfolger in den Startlöchern. Das neue Buch ist eine Sammlung von praktischen Anwendungsaufgaben aus den Sparten Gestaltung, Grafikdesign und Illustration – mit Übungen zu dreidimensionalem Arbeiten und auch Feldern wie Animation oder der Entwicklung einer App. Die Übungen regen die Kreativität an, sie machen Spaß, wenn man einfach mehr Praxis im Design sammeln möchte.
Wer ist die Zielgruppe des Buchs und was sollte diese bestmöglich damit machen?
Das Buch richtet sich an Lernende und Lehrende im künstlerischen und gestalterischen Gebiet zugleich, also zum Beispiel Schüler und Lehrer im Kunst-Leistungskurs an Gymnasien, in der Fachoberschule Gestaltung, in den Berufsbildenden Schulen, da zum Beispiel in der Ausbildung von Gestaltungstechnischen Assistenten oder Mediengestaltern und Studierende und Lehrende im ersten Semester Design, Kunst oder Kunst-Lehramt an Hochschulen oder Fachhochschulen. Aber auch Laien, die mehr über Gestaltung erfahren wollen, können mit dem Buch einen Einblick in die verschiedenen Disziplinen bekommen. Was die Zielgruppe mit dem Buch machen soll? Na, natürlich es gründlich lesen (lacht) und die Aufgaben ausprobieren und sich selbst damit ausprobieren! Üben, üben, üben und besser werden und gestalterische Erfahrung sammeln. Vielleicht z.B. als Vorbereitung auf eine Mappe für eine Hochschule oder für Lehrer als Unterrichtsvorbereitung und -hilfe. Die Aufgaben im Buch können genauso für den Kunstunterricht übernommen oder auch modifiziert werden.
Wie hat das Internet die Arbeit im Bereich Design und freie Gestaltung verändert und beeinflusst?
Der sofortige Zugriff auf quasi „alles“ durch das Netz führt zu weniger eigener Denkleistung und weniger kreativen Eigenlösungen bei Kreativschaffenden. Damit will ich sagen, Gestaltung/Design löst ja Probleme, Probleme gestalterischer Art. Doch statt das eigene Hirn anzustrengen, wird immer sofort nach möglichen Lösungen gegoogelt. Die Lösung anderer Kreativer, nicht die eigene Lösung. Statt sofort ins Netz zu gehen, würde ich vorschlagen, sich erstmal selbst vor ein weißes Blatt Papier zu setzen und zu grübeln und dann anzufangen, mit dem Stift denken, d.h. Skizzen für mögliche Lösungswege aufzuzeichnen, ohne sich dabei von anderen beeinflussen zu lassen. Das muss man nicht mal analog machen, das geht natürlich heute auch digital. Diese Skizzen werden schließlich zu einem Entwurf und der Entwurf wird nach mehreren Durchläufen zu einer Lösung des gestalterischen Problems. Googeln würde ich nur empfehlen, um Lösungen auszuschließen! Also wenn meine Idee schon genauso als Umsetzung im Netz zu finden ist, dann würde ich mich noch einmal hinsetzen und nachdenken, was mir einfällt, was es noch nicht gibt. Klar, das dauert natürlich länger und ist auch anstrengender. Aber es ist mit Sicherheit innovativer und authentisch. Denn es kommt von einem selbst und ist nicht die x-te Variante einer Gestaltung, die man schon 1000 mal gesehen hat.

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