Unbeschreiblich, dieses wohlige Gefühl …

Frank Schäfer, Braunschweiger Schriftsteller, Musik- und Literaturkritiker im Interview über die Faszination von Heavy Metal

Für Frank Schäfer bedeutet Heavy Metal nicht nur ein wohliges Gefühl zwischen den beiden Schulterblättern, sondern schafft auch ein Stück Ordnung in der Unordnung.   Foto: Moritz Thau

Der Braunschweiger Frank Schäfer ist einer der produktivsten und pointiertesten Schriftsteller, Musik- und Literaturkritiker der Region. Der 52-Jährige schreibt für verschiedene Magazine wie dem Rolling Stone, Zeitungen wie der Taz, dazu Romane, Erzählungen und Sachbücher. Zudem hat er als Heavy-Metal-Experte diverse Bücher zum Thema veröffentlicht. Mit „Hear `Em all“ (Ventil Verlag) legt und lädt er nun nach: Herausgekommen ist eine Anthologie mit vielen Meisterwerken der Metal-Gattungsgeschichte.

Eine exemplarische, ja, wenn nicht sogar paradigmatische Plattensammlung, zusammengetragen von verrückten Fans, hochinteressierten Laien und komplett einseitig gebildeten Weirdos. Achtzig Fachleute haben dafür ihre Sammlung durchforstet und persönliche Favoriten herausgesucht, die sie narrativ oder analytisch, sportlich oder elegant, kritisch, abwägend oder auch emotional völlig verblendet vorstellen. Wir sprachen mit Frank Schäfer, der am 1. März (Freitag) im Universum Filmtheater aus dem Buch liest.

Frank, du giltst als ausgewiesener und langjähriger Heavy-Metal-Fan und -Experte. Was war dein Erweckungserlebnis mit dieser Musikrichtung?

Danke, aber im Metal gibt es ja eigentlich nur ausgewiesene Kenner. Elende kleine Besserwisser überall, man muss verdammt aufpassen, was man schreibt. Die Plattensammlung meines großen Bruders war so ein Eldorado für mich. Der hatte alles: Kiss, Black Sabbath, Led Zeppelin, Sweet, Nazareth und vor allem Thin Lizzys „Live and Dangerous“. Und auf einmal gab es junge Bands, meine Entdeckungen, und die waren alle härter: Accept, Motörhead, Iron Maiden. Ich konnte also gegen ihn anstinken, und tat das dann auch.

Was fasziniert dich gerade an diesem Sound?

Verzerrte Riffs. Ich war ja selber auch bald Gitarrist in einer Band und immer angetan von dieser Massivität, diesem körperlich spürbaren Druck, wenn zwei Mann synchron ein Riff schrubben. Über voll aufgedrehte Marshalls, versteht sich. Das löst bis heute Euphorie bei mir aus. Ich könnte jetzt küchenpsychologisch werden und vermuten, dass ich als Modernisierungsangekränkelter aus der unübersichtlichen Realität in etwas flüchte, das feste Strukturen hat, die noch dazu von den Musikern absolut beherrscht werden. Technisches Können gehört ja unbedingt zum Metal. Die Musik schafft also ein Stück Ordnung in der Unordnung, gibt mir Sicherheit etc. Man kann sich das so hin rationalisieren und ist doch kein Stück näher dran an diesem wohligen Gefühl zwischen den beiden Schulterblättern, das sich bei mir vor allem dann einstellt, wenn das Riff erst mal rund läuft.

Warum bist du Hardrock und Heavy Metal bis heute treu geblieben?

Die Faszination hat sich bei mir nicht abgenutzt. Zumal das Genre unglaublich vielfältig, ständig in Bewegung ist und auch weiterhin seine Grenzen verschiebt. Dieser ganz alte Vorwurf, „klingt doch alles gleich, irgendwie so AC/DC-mäßig“, das waren ja schon immer die größten Topchecker, die solche Weisheiten von sich gegeben haben. Am besten nicht mal ignorieren!

Heavy-Metal-Bücher gibt es schon viele. Warum hast du noch eines herausgeben?

Gute Autoren schreiben über Metal-Alben, die ihnen viel bedeuten, das reicht eigentlich schon als Grund. Die brennen alle für ihr Thema, sind inspiriert, haben was erlebt mit ihrem Album. Ein Vorteil ist auch die Vielzahl der Perspektiven. So ein Projekt funktioniert ja nur, wenn man das auf viele Schultern verteilt, sonst bekommt man diese alle Subgenres abdeckende Streubreite gar nicht mehr hin. Erstmals haben auch viele Frauen mitgeschrieben, das freut mich am meisten, wir sind noch nicht bei fifty-fifty, aber auch da tut sich was.

Was erwartet den Besucher am 1. März bei deiner Lesung im Universum Filmtheater?

Ich lese ja nicht allein, mir zur Seite stehen Toddn, Till Burgwächter, Axel Klingenberg, Gerald Fricke. Wir brennen natürlich das übliche Feuerwerk ab, das heißt: Witzraketen, eine Anekdote jagt die nächste, da wird geklotzt und nicht gekleckert, und zwischendurch gibt unser Mann am Bass, der gute Schepper, immer mal wieder den Cliff Burton, vielleicht auch Geddy Lee. Kommt immer darauf an, wie er sich gerade fühlt. Und danach gibt es ja auch noch „Heavy Trip“, eine ziemlich großartige Metal-Komödie. Also, wenn du mich fragst, ich würde da hingehen!

Frank Schäfers neues Buch ist im Ventil Verlag erschienen.
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