...und abends nochmal schnell rüber zum Papst | Neue Braunschweiger
26. Oktober 2019
Buntes

…und abends nochmal schnell rüber zum Papst

Eine Woche Rom von Braunschweig aus: Eine Reise in eine quirlige Metropole, in die Vergangenheit und zu sich selbst

Meine‘Freundin Monika und ich auf dem Weg zum Kolosseum. Fotos: Obi

Rom. „Vier Leute zum Flughafen, das haben wir aber am Telefon gesagt“, sagt meine Freundin etwas angenervt und schaut auf die zwei dicken Reisetaschen, die vor dem vollgestopften Kofferraum noch auf der Straße stehen. „Nur die Ruhe“, sagt der Taxifahrer, packt alles wieder aus und sortiert neu. Meine Freundin schaut auf die Uhr: „Na, zum Glück haben wir es ja nicht weit.“ Da haben wir wirklich Glück, denn wir fliegen ab Braunschweig.

Nach wenigen Minuten hält das Taxi am Flughafen in Waggum. Wir rollen unsere Koffer in die Abfertigungshalle und werden freundlich begrüßt. „Kommen Sie doch bitte hier herüber, und stellen sich bitte dort an“, weist uns ein älterer Herr ein. Das hätte er auch lassen können, denn es gibt nur zwei Schalter zum Einchecken. Aber Alfred (das stellt sich später heraus) ist Reise­leiter im Dienst der Firma Schmidt. Und Kümmerer und Tippgeber und Aufpasser, Mädchen für alles. Jedenfalls wird jeder Passagier in der Abflughalle persönlich begrüßt.

Nach der Sicherheitskontrolle geht es gleich um die Ecke in die Warteräume. Das 1939 errichtete Gebäude versprüht den nüchternen Charme seiner Zeit, aber für uns ist ein Tisch gedeckt, Kaffee, Wasser und Kekse stehen bereit. Wir sitzen oder stehen zusammen, die ersten Kontakte werden geknüpft. „Sind Sie schon einmal von Braunschweig geflogen? Und woher kommen Sie?“, fragen wir uns gegenseitig. Und wie sich herausstellt, sind unter uns „Wiederholungstäter“. Fliegen ab Braunschweig ist seit einigen Jahren möglich und wird gern angenommen.

Unser Stadtführer lotst uns zur Spanischen Treppe.

Dann landet „unsere“ Maschine. Raus aus der Tür, nach nur wenigen Schritten sind wir an Bord – fast wie mit einem Privatjet. Alfred ist schon da, steht neben dem Piloten und dem Steward. Alle drei strahlen uns an: „Herzlich Willkommen!“ Wie schön.
Die Zeit vergeht im sprichwörtlichen Fluge, ein Sandwich später sind wir schon im Sinkflug. „Samtpfötchen“ murmelt der Mann hinter mir anerkennend nach der Landung in Rom. Es dauert ein wenig, bis wir unsere Koffer haben, Alfred schwirrt um uns herum, hält den Schwarm zusammen, übergibt uns in die „richtige“ Gruppe.
Denn schon am Flughafen werden wir von unserer jeweiligen Reiseleitung abgeholt. Vier Hotels hat Schmidt im Angebot, dementsprechend gibt es auch vier Ansprechpartner.

Meine Freundin und ich sind im „Casa per Ferie Santa Maria Alle Fornaci“ abgestiegen. Allein der Name wäre schon Grund genug für unsere Wahl. Die von der katholischen Kirche vermietete Pension bietet einfache, aber blitzsaubere Zimmer in fast direkter Nachbarschaft zum Vatikan.
Einige der von Schmidt-Reisen angebotenen Ausflugs­pakete haben wir dazu gebucht, unsere Reiseleiter führen uns in das Herz der Metropole und bringen uns das Leben der Römer nahe. Wir bummeln staunend durch die „Ewige Stadt“: Spanische Treppe, das Pantheon, der Trevi-Brunnen und mehr. Mehrere Stunden verbringen wir im Kolosseum, uns stockt der Atem bei der Beschreibung der gruseligen blutigen „Spiele“, die dort vor den johlenden Zuschauern ausgetragen wurden. Fast sind die Anfeuerungsrufe für die Gladiatoren noch zu hören.
Auch an den Folgetagen reiht sich eine Sehenswürdigkeit für uns an die andere. Dazwischen Zeit zum Bummeln, Shoppen, Staunen.

Die Besonderheit für uns in Santa Maria: die Nähe zum Petersdom. Immer wieder, wenn wir abends zurück zum Hotel kommen, geht es noch mal „schnell rüber zum Papst.“ Der Petersdom hat bis 19 Uhr geöffnet. Und dort, wo sich vormittags die Menschenschlangen mitunter mehrfach um den Petersplatz schlängeln, ist es am Abend plötzlich ruhig. Und leer. Wir sitzen (gefühlt) fast allein auf den Stufen der weitläufigen Anlage, lassen uns von der Abendsonne bescheinen, ein „Gelato“ in der Hand. Und dann noch ein kurzer Besuch im Petersdom. Das jetzt fast leere Kirchenschiff (die paar Hundert letzten Besucher verlieren sich im riesigen Raum) verströmt eine ganz besondere Atmosphäre. Es ist still. Wir sind es auch.

Und da wir auch an einem Sonntag in Rom sind, nutzen wir unsere Nachbarschaft zum Petersdom natürlich noch ein weiteres Mal. Denn wenn der Papst zu Hause ist, dann kommt er sonntags ans Fenster und spricht ein paar Worte.
Wir sind früh da. Aber diesmal haben wir die Rechnung ohne den berühmten Wirt gemacht. Hunderte, ach was, Tausende Menschen stehen schon und warten auf „Papa“. Häufig gruppenweise organisiert, wir sehen Flaggen aus Honduras, mexikanische Trachten und riesige Spruchbänder mit „Greetings from NY“. Die ganze Welt ist hier, um den Papst zu begrüßen. So viel Begeisterung, so viel Liebe.

Die Woche ist blitzschnell um, schon ist Alfred wieder da und sammelt uns ein. Auf dem Rückflug vergleichen wir unsere Hotels, erzählen uns von den verschiedenen Ausflügen. Klar ist: Einmal Rom reicht auf keinen Fall. Wie schön, dass es „gleich um die Ecke“ wieder losgehen kann.

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