Unfreiwillige Schicksalsgemeinschaft singt sich warm | Neue Braunschweiger
20. Juli 2018
Kultur

Unfreiwillige Schicksalsgemeinschaft singt sich warm

Premiere der Karaoke-Komödie „Machos auf Eis“: Eine skurrile Story um vier urige Kerle, die sich in einem Kühlraum eingesperrt haben

Die „Machos auf Eis“ malen sich den Höhepunkt ihrer Band-Karriere aus und spielen ein Interview im Fernsehsender nach. Fotos: imagemoove

Braunschweig. Vier Kerle, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, stranden unfreiwillig im Kühlraum eines Restaurants: der frisch verheiratete Adrian, der hier auf seiner eigenen Hochzeitsfeier Zuflucht sucht, der Restaurantkoch Sven, DJ Sandro und Frauenheld Oliver. Das Problem: Sie sitzen fest, denn die Türklinke ist von innen abgebrochen. Glück im Unglück: Die Kühlung ist seit Monaten ausgefallen. Rettung? Ist erst einmal nicht in Sicht, denn das Restaurant schließt am nächsten Morgen für immer seine Pforten…

„Machos auf Eis“ ist der Titel des aktuellen Programms, das am Donnerstag Premiere in der Komödie am Altstadtmarkt hatte. Es lebt von den unterschiedlichen Charakteren der Typen, die da plötzlich eine Schicksalsgemeinschaft bilden.
Sandro ist DJ und nach eigener Einschätzung eine „Konifere“ auf seinem Gebiet. Der Typ – mitreißend komisch gespielt von Fabian Baecker – ist so trottelig und doof, dass es schon wieder liebenswert ist. Er handelt „im Effekt“ und sorgt sich um seinen großen Auftritt beim Honigblütenfest. Der ist nämlich bereits am nächsten Tag und droht durch die Kühlraum-Misere zu platzen.
Wenigsten hat Sandro sein komplettes Equipment dabei und es gibt Strom im Lagerraum. So können sich die vier die Wartezeit mit Karaoke-Singen verkürzen. Warum das Publikum Sandros Unterhose bejubelt und was es mit dem Gurkenglas auf sich hat, sei an dieser Stelle noch nicht verraten.

Szenen-Applaus gibt es für diverse sportliche und akrobatische Einlagen im Verlauf des Stücks, das an einigen Stellen etwas klamaukig, aber nie albern wird. Schön: wie Oliver (Martin Konrad Becker) mit wippendem Würstchen in der Hand über die Rolle von Männern und Frauen philosophiert. Oder wie Adrian (Armin Riahi) den zutiefst beleidigten Sandro mit einem Ständchen besänftigt und DJ Ötzis „Ein Stern“ schmettert.
Überhaupt gehörten die Gesangseinlagen zu den Highlights in dieser Karaoke-Komödie, die Regisseur Oliver Geilhardt inszeniert hat. Mit ganz unterschiedlicher musikalischer Kompetenz, aber der gleichen Leidenschaft vorgetragen, spiegeln sie das, was Karaoke eben ausmacht: die hemmungslose Freude am Singen, bei der es in erster Linie nicht um das gesangliche Können geht, sondern um den Spaß.

Wie man(n) sich bettet, so schläft man. Die Gestrandeten richten sich auf lange Wartezeiten im Kühlraum ein.

Und den hat auch das Publikum, das engagiert im Takt mitklatscht und bei einigen Songs auch nur zu gern mitsingt. Begeisterung kommt auch ob der tänzerischen Choreographien auf, mit denen die Kühlraum-Gang ihren Gesang untermalt. Spontan beschließen sie eine Boyband zu gründen. Der Name ist schnell gefunden – „Machos auf Eis“ – und Sandro plant die Karriere durch: „Auftritte bei Stadtfesten, in Einkaufspassagen, dann Möbel- und Autohäuser und dann sitzen wir bei MTV!“
Herrlich skurril ist die Szene, wie sich die Jungs einen Auftritt beim Musiksender ausmalen und ein Interview nachstellen – mit Wischmopp-Perücke für die „Moderatorin“.
Brenzlig wird die Situation, als die Kühlung plötzlich wieder anspringt und die Machos langsam „auf Eis gelegt“ werden. Dann fällt der Vorhang zur Pause und hinter mir diskutieren die Zuschauerinnen sofort die Lage: „Oh Gott, was machen die denn jetzt?“

Wenn Sie das auch interessiert, und wenn Sie außerdem wissen wollen, warum der sanftmütige Sven (Lennart-Fabian Müller) ein reparaturbedürftiges Herz hat und warum plötzlich auch noch eine türkische, Taxi fahrende Physikstudentin (Jennifer Tilesi Silke) mit zur eiskalten Truppe gehört, sollten Sie sich das Stück ansehen.
Dann erfahren Sie auch, warum ein Kokainfund eine Rolle spielt und sehen ein hinreißende Tanzeinlage à la „Dirty Dancing“.
Am Ende der Vorstellung stehen die Schauspieler in den Kostümen der Village People am Bühnenrand und lassen sich feiern. Das Publikum klatscht minutenlang den Song „Macho Man“ mit und gefühlt mag keiner diesen stimmigen Schlussakkord beenden. Also schwelgen alle eine ganze, schöne Weile in der Erkenntnis, an diesem Abend ziemlich viel Spaß gehabt zu haben.

Service

Die Karaoke-Komödie „Machos auf Eis“ wird zu folgenden Terminen aufgeführt: 22. Juli, 24. Juli (exklusive Frauenvorstellung), 25. bis 29. Juli, 1. bis 5. August und 8. bis 19. August. Die Vorstellungen beginnen jeweils um 19.30 Uhr, sonntags bereits um 16.30 Uhr.
Komödie am Altstadtmarkt, Gördelinger Straße 7, Braunschweig, Tel. 0531/ 1218680, www.komoedie-am-altstadtmarkt.de.

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