„Uns fehlen Unterschiedsspieler“ | Neue Braunschweiger
11. Januar 2020
Sport

„Uns fehlen Unterschiedsspieler“

Eintracht Sportdirektor Peter Vollmann im NB-Interview

Peter Vollmann. Foto :Susanne Hübner/imago images

Braunschweig. In gut zwei Wochen startet Eintracht gegen 1860 München in die Restrückrunde und will im Aufstiegskampf ein gewichtiges Wort mitreden. Sportdirektor Peter Vollmann spricht im NB-Interview über die abgelaufene Spielzeit, mögliche Transfers und die Erwartungen an die Spieler für die noch ausstehenden 18 Begegnungen.

Herr Vollmann, wie haben Sie die erste Hälfte der aktuellen Spielzeit erlebt?

Es war fast alles dabei. Wir sind unglaublich gut in die Saison gestartet, hatten dabei aber auch Glücksmomente auf unserer Seite. Es gab schlechte Spiele, die wir verdient verloren haben, aber auch gute Partien von uns, an deren Ende statt eines Sieges nur ein Unentschieden stand. Insgesamt gesehen hat uns die Konstanz gefehlt.

Was erwarten Sie von der Mannschaft in der Restrückrunde?

Wir hätten uns vor der Winterpause durchaus einen besseren „Startplatz“ erspielen können, sind aber der Meinung, dass man auch von Platz vier aus viel erreichen kann. Mal ein Spiel zu verlieren wird auch 2020 dazugehören; wir müssen jedoch die Ruhe behalten und eine gute Balance finden. Vor allen Dingen gilt es eine gewisse Kontinuität zu erlangen. Was wir uns im neuen Jahr nicht erlauben können, ist eine Schwächephase, wie wir sie im vergangenen Herbst mit sieben Punkten aus acht Spielen hatten; damit bis du in der Restserie definitiv weg.

Auswärts ging bislang nur ein Spiel verloren, vor heimischer Kulisse konnte das Team häufig nicht überzeugen, sodass auch das Publikum trotz der Tuchfühlung zur Aufstiegszone häufig unzufrieden war. Wie ist diese Diskrepanz von Heim- und Auswärtsbilanz zu erklären?

Die taktische Einstellung ist auswärts immer ein Stück einfacher, zumindest aus unserer Situation heraus. In fremden Stadien haben wir uns taktisch oft klug verhalten und ein schnelles, gutes Umschaltspiel praktiziert. Zu Hause waren wir hingegen defensiv anfällig und mussten häufig Rückständen hinterherlaufen, das hat die Mannschaft verunsichert und dazu geführt, dass wir unseren Heimrhythmus nicht gefunden haben. Eine Laufleistung, die man in Heimspielen an den Tag legen muss, um den Gegner zu deutlich mehr unter Druck setzen zu können, hat gefehlt. Das haben auch die Zuschauer gemerkt. Wenn wir in der Restrückrunde mehr laufen, werden wir auch besser spielen. Deshalb ist die läuferische Verbesserung ein zwingend erforderlicher Faktor.

Auch personell wollen Sie das Team verstärken. Wie lautet das Anforderungsprofil an mögliche Neuzugänge?

Um unsere Ziele zu erreichen, müssen wir unsere Mannschaft qualitativ verbessern. Deshalb geht es für uns darum, Akteure für die erste Elf zu bekommen, die eine wirkliche Verstärkung darstellen. Nur unter diesem Kriterium machen Neuverpflichtungen aktuell Sinn. Wir haben einen großen, ausgeglichenen Kader aber zu wenige Unterschiedsspieler, die ihre Qualitäten auch dann abrufen, wenn es mal nicht läuft und uns dabei helfen, wichtige Spiele für uns zu entscheiden. Allerdings ist so ein Wechsel im Winter schwieriger zu bewerkstelligen als im Sommer; das Angebot ist deutlich geringer, außerdem müssen neben dem Spieler und Berater auch die Verantwortlichen des abgebenden Vereins einem Transfer zustimmen.

Ist die Wahrscheinlichkeit solche Spieler erst kurz vor Transferschluss zu bekommen größer, weil manche Akteure in höheren Spielklassen dann plötzlich feststellen, dass sie bei ihrem aktuellen Club außen vor sind?

Viele Vereine sind aktuell unterwegs ins Trainingslager. Wie bei uns auch fallen dort jeden Tag kleine Entscheidungen. Deshalb lohnt es sich in jedem Fall Ruhe zu bewahren und abzuwarten bis man die entsprechenden Signale bekommt, dass ein bestimmter Spieler zu haben sein wird. Im Moment ist es dazu allerdings noch zu früh; der Markt wird sich nochmal neu aufstellen, wenn alle Vereine von ihren Trainingslageraufenthalten zurück sind.

Mit Nick Otto, Lasse Schlüter und Leon Bürger haben drei in Punktspielen bislang unberücksichtigte Spieler die Reise ins Trainingslager nicht mit angetreten. Gibt es weitere Spieler, die der Verein unter Umständen abgeben würde?

Wie gesagt ergeben sich nach Ende des Trainingslagers häufig neue Perspektiven. Einigen Spielern gelingt es, sich in den Vordergrund zu spielen, anderen nicht. Von daher kann es passieren, dass diese Spieler auf uns zukommen und es bis zum Ende der Transferperiode noch Veränderungen im Kader geben wird. Dass wir bereits mit Spielern gesprochen haben, ist ja hinlänglich bekannt. Darüber hinaus haben wir uns mit einigen Profis darüber unterhalten, dass wir mit ihrer Leistung unzufrieden waren, ohne dass dabei ein Vereinswechsel im Raum gestanden hätte. Es war uns wichtig ihnen klipp und klar mitzuteilen, welche Erwartungen wir als Verein an sie haben.

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