24. Juli 2021
Sport

„Unsere Anhänger werden uns nach vorne peitschen“

Michael Schiele heißt der neue Eintracht-Trainer – NB-Mitarbeiter Elmar von Cramon blickt mit ihm auf die Saison

Eintracht-Trainer Michael Schiele. Foto: Priebe/regios 24

Herr Schiele, wie haben Sie Ihre ersten Wochen als Eintracht-Trainer erlebt?
Natürlich intensiv, aber so soll es auch sein. Es wird auch intensiv weitergehen, Ausruhen kann ich mich dann zu einem anderen Zeitpunkt. Da ich ansonsten aber gut schlafen kann, ist alles in Ordnung (lacht). Ich freue mich wie wir alle auf den Saisonstart.

Inwiefern wie sind sie mit der Vorbereitung zufrieden und welche Rückschlüsse konnten Sie aus den Testspielen ziehen?
Zum Glück hatten wir keine größeren Ausfälle zu beklagen, lediglich die Corona-Impfungen sorgten bei dem einen oder anderen mal für eine kurze Trainingspause, die meist aber gut mit den freien Tagen koordiniert worden waren. In jedem unserer Testspiele waren Fortschritte zu beobachten, sowohl im athletischen als auch im taktischen Bereich. Außerdem konnten wir im Verlauf der Vorbereitung als Mannschaft zusammenwachsen; nicht nur über die vielen Trainingseinheiten, sondern auch über den einen oder anderen Abend, an dem wir zusammensaßen und das eine oder andere EM-Spiel geschaut haben. Natürlich ist in vielen Bereichen auch noch Luft nach oben vorhanden. Wir haben zehn neue Spieler dazubekommen, das an sich ist ja noch ein weiterer Prozess.

Unabhängig von der aktuellen Kadergröße ist ein kleineres Aufgebot als in den Vorjahren angedacht. War dies eine bewusste Entscheidung für größere Leistungsdichte und mehr Teamspirit?
Ich bin ein Freund eines überschaubaren Kaders, bei dem trotzdem jede Position in verschiedenen Systemen doppelt besetzt ist. Hat man 25 Feldspieler im Aufgebot, kann man nur schwer allen gerecht werden. Wir planen mit 20 bis 22 Feldspielern und drei Torhütern, haben uns aber keinen festen Zeitpunkt gesetzt, an dem wir den Kader komplettiert haben wollen. Es kann durchaus sein, dass im Oktober noch ein Spieler bei uns aufschlägt, der gut zu uns passt. Mit dem aktuellen Aufgebot können wir gut in die Saison starten, deshalb besteht auch kein Grund zur Hektik auf dem Transfermarkt.

Was sprach dafür, Jasmin Fejzic zum Kapitän zu bestimmen?
Jasi verkörpert das, was ich als Trainer von einem Kapitän erwarte; er ist Führungsspieler und Autoritätsperson zugleich und kann seine Mitspieler von hinten heraus lenken. Daneben sprach der Bezug zum Verein und die Tatsache, hier schon Höhen und Tiefen mitgemacht zu haben für ihn. Neben Jasi haben wir aber auch andere Spieler, die Führungsqualitäten besitzen; auch ohne Kapitänsbinde.

Was wollen Sie von Ihrer Mannschaft ab Samstag sehen, wenn die Partie in Kaiserslautern angepfiffen wird?
Zunächst wird wichtig sein, die dritte Liga anzunehmen. Wir stehen vor einer langen, harten Saison, in der es zwischenzeitlich auch mal nur um Zweikämpfe und lange Bälle gehen wird. Trotzdem waren in den Vorjahren vor allem Mannschaften vorn in der Tabelle zu finden, die auch Fußball spielen wollten. Den Charakter der Mannschaft haben wir bewusst so zusammengestellt, dass die Spielertypen meine fußballerischen Vorstellungen verkörpern, gleichzeitig aber auch zum Verein, den Fans und zur Stimmung im Eintracht-Stadion passen. Wir dürfen nicht in Schönheit sterben, trotzdem wollen wir auch in der Lage sein, einen gepflegten Ball zu spielen.

Wie schätzen Sie die Liga ein und wer sind Ihre Aufstiegsfavoriten?
Sicherlich wollen zehn bis zwölf Clubs aufsteigen. Viele handeln uns als Aufstiegsfavoriten, um selbst nicht den Druck zu haben. Doch damit beschäftigen wir uns nicht. Vermutlich werden viele Teams bis weit in die Saison hinein Tuchfühlung nach oben besitzen. Letztendlich wird es aber auf ungefähr acht Mannschaften hinauslaufen, die bis zum Schluss ganz oben dabeibleiben werden. Aufstiegsfavoriten sind für mich der 1. FC Kaiserslautern, der TSV 1860 sowie Türkgücü München.

Die Fans dürfen demnächst zumindest teilweise ins Stadion, somit ist der „zwölfte Mann“ wieder zurück im Eintracht-Stadion; welche Rolle wird das für Sie und Ihr Team spielen?
Selbst wenn nur 40 oder 50 Prozent unserer Fans im Stadion sind, ist schon die Hölle los! Diese Stimmung wollen wir aufsaugen und über unser Spiel wieder zurück auf die Ränge transportieren. Unsere Anhänger werden uns nach vorne peitschen, darauf freuen wir uns schon riesig. Viele unserer Neuzugänge haben sich ja auch bewusst dazu entschieden, für einen Traditionsverein vor einer tollen Kulisse und geiler Stimmung zu spielen.

Was wünschen Sie sich für die anstehende Spielzeit?
Möglichst wenige Verletzungen. Machen wir weiter wie bisher, werden wir schöne und auch erfolgreiche Fußballspiele erleben. Was am Ende der Saison dabei herauskommt wird man sehen.

Auch interessant