Ups, der Bauchnabel ist verrutscht …

Bei der ArtNight kann jeder in netter Runde ein Kunstwerk malen – Ein Selbstversuch mit Pinsel

Große Runde: 23 angehende Künstler sind voll bei der Sache. Foto: Stefanie Druschke

Braunschweig. „Oh Mist. Jetzt hat sie einen blauen Fleck auf dem Bein“. „Na, dann mach’ doch einfach ein Tattoo draus!“ Fröhliches Gelächter in der Runde. 20 Frauen und drei Männer sitzen im B & B-Hotel – jeder vor einer eigenen Staffelei. Die Atmosphäre ist locker bei der ArtNight. Und das Konzept einfach. Wer sich anmeldet, kann ganz ohne Vorkenntnisse in wenigen Stunden unter Anleitung eines lokalen Künstlers ein eigenes Kunstwerk erschaffen, dabei nette Leute kennenlernen und am Ende der Veranstaltung mit einem selbst gemalten Bild nach Hause gehen. Soweit die Theorie, mal sehen, ob die Praxis da standhält …

Dass es klappt, verspricht jedenfalls Nina Schönian-Söllig: „Ich male step by step mit euch, bis jeder am Ende sein fertiges Bild in den Händen hält.“ Das Prinzip: Alle malen das Gleiche. Je ArtNight-Veranstaltung gibt es ein Motiv, für das sich die Teilnehmer bereits bei der Anmeldung entscheiden. Unsere Wahl ist auf das Pin-up-Girl gefallen. Die wohlgeformte Schönheit sitzt im Bikini und mit Badehaube rittlings auf einem Sprungbrett. Wir angehenden Künstler sitzen – mit schwarzen Schürzen vor den Folgen allzu enthusiastischen Farbeinsatzes geschützt – vor einer jungfräulichen Leinwand. In nur zwei Stunden sollen wir die blütenweiße Fläche in ein Kunstwerk verwandeln. Das Material dafür wird gestellt: Zur Leinwand gibt’s für jeden drei Pinsel, einen Bleistift und einen Pappteller mit den Grundfarben: Blau, Rot, Gelb und Weiß.

Neben mir sitzt Renate Bode aus Rötgesbüttel. Sie hat das Event von ihren Kollegen zum Geburtstag geschenkt bekommen und erzählt mir, dass sie auch sonst in ihrer Freizeit gern zur Entspannung malt. „Oh Schreck, ein Profi“, denke ich. Zunächst sollen wir die Umrisse unsere Pin-up-Girls mit Bleistift von einer Schwarz-Weiß-Vorlage auf die Leinwand pausen, damit die Proportionen der Dame von Anfang an passen. Also mit links die Vorlage an die Leinwand drücken, mit Rechts das Motiv skizzieren. Das ist alles noch machbar. Dann den Farbton für die Haut der Badenixe anmischen. Ein Blick in die Runde zeigt: Der fällt bei jedem anders aus. Von Schneewittchen bis zur sonnengebräunten Schönheit ist alles dabei.

„Das ist natürlich kein Volkshochschulkurs. Ihr lernt hier keine Maltechniken“, erklärt Nina Schönian-Söllig. Dafür zeigt uns die 38-Jährige im Schnellverfahren, was wir heute wissen müssen, um das Pin-up-Girl erfolgreich auf die Leinwand zu bannen: Verblenden, Schatten setzen, den Hintergrund anlegen. Geht natürlich nicht immer alles glatt und dann wird fröhlich in die Runde posaunt, dass hier – ups – ein Busen und dort ein Bauchnabel verrutscht sei.

Rund 170 ArtNight-Events hat die Künstlerin in den vergangenen eineinhalb Jahren begleitet. Eigentlich komme sie aus dem Airbrush-Bereich und habe früher Autos und Motorräder verziert, erzählt sie uns.
Dieses Mal sind viele „Frischlinge“ dabei. Stefanie Klerf hat ihre Schwester und vier Freundinnen mitgebracht und feiert mit ihnen ihren 31. Geburtstag: „Schon seit mehreren Jahren beschenke ich meine Gäste an meinem Geburtstag. Wir haben zum Beispiel auch schon zusammen im Tonstudio eine CD aufgenommen.“ Jan Schlüter und Partnerin Andrea Radon haben die Teilnahme geschenkt bekommen und sind ziemlich gespannt. Max und Charlyn können sich schon nach kurzer Zeit gut vorstellen, eine weitere ArtNight zu besuchen.

Die zwei Stunden vergehen wie im Flug. Zwischendrin bin ich so konzentriert und begeistert bei der Sache, dass ich ganz vergesse, dass ich mir ein Getränk geholt habe. Am Ende haben tatsächlich alle von uns ein fertiges Kunstwerk vor sich. Manche haben ihrer Kreativität freien Lauf gelassen und sind von der Vorlage etwas abgewichen, haben die Bikini-Farbe geändert, die Badekappe verziert oder sie ganz weggelassen und dem Pin-up-Girl eine blonde Wallemähne verpasst.
Natürlich gibt es Unterschiede, manche bringen eben etwas mehr Talent oder Erfahrung mit, als andere. Aber jedes Bild ist absolut vorzeigbar. Meines finde ich auch sehr gelungen und präsentiere es stolz zu Hause. „Das darfst du ruhig aufhängen“, lautet das familiäre Feedback. Kann also nicht so schlecht geworden sein, mein Pin-up-Girl …

Je ArtNight-Veranstaltung gibt es ein Motiv, für das sich die Teilnehmer bereits bei der Anmeldung entscheiden. Unsere Wahl ist auf das Pin-up-Girl gefallen. Foto: Druschke

 

Kann ich das auch? NB-Redakteurin Stefanie Druschke testete die ArtNight. Foto: oh
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