Urkomisches Wiedersehen mit lieben alten Bekannten | Neue Braunschweiger
23. Februar 2020
Kultur

Urkomisches Wiedersehen mit lieben alten Bekannten

Lachsalven bei „Best of Loriot“ in der Komödie am Altstadtmarkt

Immer wieder schön: Der Rentner Erwin Lindemann soll einem Fernsehreporter schildern, was er mit einem Lottogewinn von 500 000 Mark vorhat und wirft alles durcheinander. „Ich heiße Erwin Lindemann, ich bin 500 000 Jahre alt… In 66 Jahren fahre ich nach Island… und im Herbst eröffnet dann der Papst mit meiner Tochter eine Herren-Boutique in Wuppertal.“ Fotos: imagemoove/oh

Innenstadt. Kennen Sie das auch? Sie sind verabredet, der Termin steht an und Sie stellen fest: Eigentlich haben Sie gar keine große Lust? Die Couch zu Hause wäre jetzt eine reizvolle Alternative, aber selbstverständlich halten Sie Ihre Verabredung ein. Um am Ende des Abends festzustellen: Ach, was war das doch schön!

So ähnlich ging es mir, als ich in dieser Woche ein „Date“ mit Loriot hatte. Die Komödie am Altstadtmarkt zeigt aktuell ein „Best of“ des Humoristen. Und, was soll ich sagen – es war wie ein längst überfälliges Wiedersehen mit vielen liebgewonnenen alten Bekannten: Mit dem Lottogewinner Erwin Lindemann, mit Herrn Dr. Klöbner und Herrn Müller-Lüdenscheidt, dem Ehepaar Hoppenstedt, mit Berta und Hermann und den Blöhmanns.

Live gesprochen eine starke Leistung: die (durch Evelyn Hamann legendär gewordene) „englische Ansage“ mit den Irrungen und Wirrungen um Lord und Lady Hesketh-Fortescue und ihre Cousinen Priscilla und Gwyneth Molesworth auf dem Landsitz North Cothelstone Hall. Knoten in der Zunge sind vorprogrammiert…

Die Vorstellung ist fast ausverkauft, das Publikum in freudiger Erwartung. Dass praktisch alle den Text an vielen Stellen mitsprechen könnten und punktgenau wissen, welche Pointe gleich kommt, sorgt für lustige Frühstarts: Da wird schon gekichert, bevor der Gag gezündet wurde.

Gleich mit dem ersten Sketch fängt die Inszenierung von Jan Bodinus die Zuschauer ein. Der Vorhang öffnet sich und da sitzen sie unbekleidet im Blaugekachelten in der Badewanne und streiten sich wie eh und je über das Wasserein- und Auslassen: Doktor Klöbner und Herr Müller-Lüdenscheidt. Alles genauso, wie wir es kennen und lieben – inklusive Hocker, Handtuch und Quietsche-Entchen.

Das detailverliebte Bühnenbild zieht sich durch. Bei allen dreizehn Sketchen wirkt es originalgetreu und herrlich nostalgisch. Zwischen den einzelnen Szenen fällt kein Vorhang und der Umbau mit wenigen Requisiten wird von den Schauspielern selbst erledigt – auch das ist kurzweilig anzuschauen, weil es auf der abgedunkelten Bühne im Gegenlicht wie ein Schattenspiel wirkt.

Dank Gaby Blum, Werner H. Schuster, Sebastian Teichner, Helmut Blüchel, Claudia van Veen und Sonja Wigger geraten alle Sketche an diesem Abend zu einer sehenswerten Hommage an den großen Vicco von Bülow.

Wer Lust auf einen urkomischen Abend hat: Die nächsten Termine sind vom 25. bis 29. Februar, am 1., 7. und 8. März, 13. bis 15. , 21. und 22. sowie 27. bis 29. März.

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