25. Mai 2018
Menschen

Verliebt, verlobt, verheiratet …

Im Hochzeitsmonat Mai heiraten nicht nur die Royals – die NB hat sich umgehört.

Schloss Richmond zählt zu den beliebtesten Trauungsorten in Braunschweig. Foto: Stadtmarketing

Von Birgit Wiefel, 26.05.2018.

Braunschweig. Ob Harry und Meghan oder – wie hier – Marius und Kathrin: Der Mai ist immer noch DER Hochzeitsmonat schlechthin. Alleine am Freitag trauten sich 15 Paare auf dem Standesamt Braunschweig und liegen damit im Trend: Chefin Ursel Koch und ihr Team zählten in den ersten Monaten dieses Jahres bereits mehr Trauungen als im gleichen Zeitraum 2017.

Auch Marius (41) und Kathrin (40) hatten sich am Freitag das Ja-Wort gegeben. „Sie ist die große Liebe meines Lebens“, verrät Marius lächelnd über seine Braut, die er über Facebook wiedergefunden hatte. Im Juli erwartet das Paar ein Kind – ein Grund dafür, dass der gebürtige Pole und seine Kathrin im Mai geheiratet haben. „Mir wäre der Sommer lieber gewesen“, erzählt die Braut.

Heiraten ist in. Je aufwendiger desto besser. „Schloss Richmond steht nach wie vor ganz oben auf der Wunschliste der Trauungsorte“, kann die Leiterin des Standesamtes, Ursel Koch, vermelden.

In der Außenstelle des Standesamtes im Richmondpark werden zwischen Mai und September immer samstags Termine angeboten. Wer sich für das Schloss entscheidet und nicht im Rathaus heiraten möchte, muss allerdings mit zusätzlichen Gebühren kalkulieren. Das gleiche gilt auch für eine Trauung in der Jakob-Kemenate, in einer alten Straßenbahn oder – ganz neu – im Eintracht-Stadion.
Erfreulich: Immer mehr Paare entscheiden sich für den Bund des Lebens. Bis Mitte Mai dieses Jahres gaben sich insgesamt 266 Paare das Jawort. „Die Tendenz ist insgesamt leicht steigend. Im vergangenen Jahr waren es im gleichen Zeitraum nur
255 Paare“, rechnet Koch vor.

Der Monat Mai, der klassischerweise als der Hochzeitsmonat gilt, zählte dabei bei den Braunschweigern noch nie zu den Favoriten. Ein Vergleich: 2017 heirateten 137 Paare im Mai, 147 im Juni, 157 im Juli und 165 im August. „Das kann aber von Jahr zu Jahr variieren – je nachdem, wie viele Samstage (die beliebtesten Hochzeitstage) es monatlich gibt. und wie die Feiertage liegen“, ordnet Koch ein. Die Zahlen für Mai 2018 ließen sich noch nicht voraussagen. „Da die Freitage und Samstage aber stark nachgefragt sind, gehen wir von einer leicht steigenden Tendenz aus“, so Koch.

Für die Leiterin des Standesamtes und ihre Kolleginnen ist keine der rund 1300 Hochzeiten pro Jahr gleich. „Im vergangenen Jahr war das jüngste Paar 18 und das älteste über 80 Jahre alt“, erzählt Koch, die kürzlich auch das erste Paar im Eintracht-Stadion traute.

Wir wollten wissen: Wie wird eigentlich in anderen Ländern geheiratet? Und haben uns dafür mit Braunschweigern unterhalten, deren Wurzeln im Ausland liegen: Renata Gröger-Kania aus Polen, Jan Peng aus China, Mona Al-Masri aus Syrien und Sandrine Bakoden aus Kamerun.

Polen:

n Deutschland gilt er als klassischer Hochzeitsmonat, die Polen machen dagegen um den Mai einen großen Bogen. Warum? Weil er kein „r“ hat – auch im Polnischen nicht. „Bei uns sagt man: Nur die Monate mit einem „r“ bringen Glück“, erklärt Renata Gröger-Kania. Unsere Nachbarn heiraten deshalb vorzugsweise im Juni (pol. Czerwiec), August (Sierpien), September (Wrzesien) oder Oktober (Pazdziernik). Und, im Gegensatz zu Deutschland, immer kirchlich, denn amtlich wird die Trauung in Polen durch den Segen des Pfarrers – nicht durch den Stempel des Standesbeamten. „Hochzeiten in Polen sind immer ein Anlass, es mal richtig krachen zu lassen, und kosten schnell mal so viel wie ein Neuwagen“, sagt Gröger-Kania, die als Bibliothekarin für das Georg-Eckert-Institut arbeitete.
Damit der schönste Tag im Leben auch perfekt wirklich wird, engagieren immer mehr Brautpaare „Wedding-Planer“, die alles minutiös vorbereiten – vom Blumenschmuck im Haar bis zum Feuerwerk um Mitternacht.
„Früher wurde auf den Dörfern eine ganze Woche lang gefeiert, und alle waren dabei. Heute dauert eine Hochzeit in der Regel ein Wochenende, aber immer noch kommen 200 bis 300 Gäste bei Tanz, Musik, bergeweise Essen und Wodka zusammen. Viele Brautpaare feiern deshalb in einem Hotel, übernachten gleich dort mit Familien, Freunden und Verwandten – „und am nächsten Tag wird weitergetanzt“, sagt die 66-jährige Renata lachend.

China:

Junge Männer stehen in China ordentlich unter Druck, denn bevor ein Chinese heiraten kann, muss er zuerst eine Wohnung suchen. Ohne die, keine Hochzeit. „Für jemanden, der gerade die Schule oder die Uni beendet hat, ist das ein echtes Problem“, sagt Jan Peng. Um die Klippe zu umschiffen, helfen in der Regel die Eltern: Sie kaufen die Wohnung für den Bräutigam, die Eltern der Braut geben dagegen Geld. „Heiraten in China ist sehr, sehr teuer“, seufzt Peng, der an der TU Biologie und Chemie studierte. In den Großstädten wie Shangai oder Peking setzten sich die jungen Leute deshalb mittlerweile über alte Traditionen hinweg und leben ohne Trauschein zusammen.
Und auch sonst hat die Globalisierung Einzug gehalten: Statt in Rot (die Farbe steht in China für Glück) bevorzugen auch Chinesinnen heute eine Hochzeit in Weiß.
„Die Feier an sich ist eine einzige Show: Bräutigam und Braut müssen auf einer Bühne singen und tanzen; sie bekommen vorher regelrecht Unterricht“, sagt Peng. Ansonsten stünde das gemeinsame Tanzen eher nicht im Vordergrund. „Bei uns wird eigentlich nicht getanzt – auch früher auf den Dörfern nicht. Man aß zusammen an einer langen Tafel und spielte Mahjong oder Karten“, erinnert sich Peng. Eines aber ist auch heute noch wichtig: Die Brautmutter muss weinen! Je mehr, desto besser. Ihre Tränen garantieren den Kindern eine glückliche Ehe.

Syrien:

In Syrien ist eine Hochzeit immer noch Sache der Familie. „Natürlich finden sich junge Leute inzwischen längst auch über das Internet, die Schule oder Camps“, sagt Mona Al-Masri. Aber 70 Prozent der muslimischen Ehen seien nach wie vor arrangiert.
Meist strecken die Mütter des zukünftigen Ehemannes die Fühler in der Nachbarschaft aus. Gesucht: eine Kandidatin möglichst aus der gleichen Gesellschaftsschicht mit einem guten Namen, einem guten Ruf, hübsch und nicht unter 20 Jahre. „Bei uns zu Hause klopfte es ständig“, erinnert sich Mona Al-Masri, die im Vorstand vom Haus der Kulturen sitzt, lachend. Doch auch wenn die Familien alles aufbieten, um ihre Wahl durchzusetzen – das letzte Wort haben immer noch die Leute, um die es geht. „Der junge Mann kann genauso Nein sagen wie die junge Frau“, so Al-Masri.
Sind die Würfel gefallen, wird zuerst die Morgen- und Nachgabe der zukünftigen Ehefrau ausgehandelt. „Sie sind die finanzielle Sicherheit der Frau, denn das Geld, das meist in Gold angelegt wird, bleibt in ihrem Besitz“, erklärt Al-Masri. Gefeiert wird dann in der Regel getrennt. „Nur bei der eigentlichen Trauung vor dem Kadi oder Richter sehen sich die Brautleute, für die Verlobung und die Hochzeit danach gibt es eine Feier für die Frauen und eine für die Männer“, so Al-Masri. Und wann dürfen die Brautleute mal unter sich sein? „In der Hochzeitsnacht“, sagt die Syrerin.

Kamerun:
Vor der Hochzeit wird in Kamerun knallhart verhandelt. Denn wenn ein junger Mann heiraten möchte, muss dessen Familie zuerst einmal bei den Brauteltern vorsprechen. Die Tochter ist dabei Nebensache. Bei den Besuchen geht es vor allem um deren Preis. „Töpfe, Decken, Geld, Ziegen, Schafe: Die Familie des künftigen Mannes bekommt eine lange Liste von Dingen in die Hand gedrückt, die sie vorher besorgen muss. Diese Aussteuer bekommt nicht etwa die Braut, sondern deren Eltern“, erklärt Sandrine Bakoden. Klingt hart, doch die Geschenke werden für den Fall gebraucht, dass der eigene Sohn heiratet und selbst eine Aussteuer aufbringen muss. „Im Prinzip ist es ein Warenkreislauf und verhindert, dass Familien verarmen, wenn die Kinder heiraten“, sagt Bakoden, die an der TU Braunschweig Politikwissenschaften studierte. „Amtlich“ wird die Hochzeit in Kamerun nicht durch eine Unterschrift. Das Brautpaar trinkt stattdessen aus einem Weinglas und beißt von einer Kolanuss ab, die in vielen afrikanischen Kulturen ein Zeichen der Gastfreundschaft sind. Danach wird die Frau Teil der Familie des Mannes. Auch heute noch. „Wer noch in einem Dorf wohnt, muss es verlassen, wer in der Stadt lebt, zieht in eine Wohnung in der Nähe der Schwiegereltern“, sagt Bakoden über eine uns fremde Kultur.

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