Vertagt: Keine Entscheidung zum Hagenmarkt | Neue Braunschweiger
7. November 2020
Politik

Vertagt: Keine Entscheidung zum Hagenmarkt

Gleich fünf Fraktionen hatten noch Änderungswünsche hinsichtlich der Vorzugs-Variante

2017 wurde der Hagenmarkt Opfer von Sturmtief Xavier. Seitdem wird intensiv über die Neugestaltung diskutiert. Foto: Birgit Wiefel

Braunschweig. Damit war fast zu rechnen gewesen. In dieser Woche hätte die Politik eine Entscheidung über die Wunsch-Variante zum Hagenmarkt fällen sollen. Eigentlich. Doch im Planungs- und Umweltausschuss wurde am Mittwoch einstimmig entschieden: Die Abstimmung wird vertagt.

Zu viele Änderungswünsche waren bis dahin eingegangen. „Wir wollen die Zeit nutzen, um die Anträge zu begutachten und uns auszutauschen“, sagte Dr. Rainer Mühlnickel, stellvertretender Vorsitzender des Planungs- und Umweltausschusses. Der nächste Termin für eine Entscheidung ist Anfang Dezember.

Schon in der Stadtbezirksratssitzung Ende Oktober gab es für die Vorzugsvariante nur eine äußerst knappe Mehrheit. Knackpunkt ist vor allem die geplante wassergebundene Decke. Im Entwurf des Büros Ackers & Partner spielt sie eine zentrale Rolle, denn der Platz soll einen Marktcharakter erhalten, vielseitig bespielbar sein. Auch die geplante Fällung der Robinien trifft nicht auf ungeteilte Zustimmung.

Hier einige Positionen der Fraktionen: 

CDU: Mehr Rasen lassen

Keine Kreisbänke, kein flächendeckender neuer Belag und Blühwiesenstreifen – das stellt sich die CDU-Fraktion für den Hagenmarkt vor. „Lediglich im südlichen Bereich des Platzes, nicht aber auf dem Hauptteil des Platzes, wird eine wassergebundene Decke unter Einbeziehung der derzeitigen Stichstraße bis zur Rasenfläche geplant.
Die jetzt vorhandenen Bänke werden ergänzt beziehungsweise ersetzt durch seniorengerechte Bänke. Kreisbänke um Bäume herum werden nicht installiert.
Es ist sicherzustellen, dass der Fahrradverkehr und die auf dem Platz geplante Erweiterung der Außengastronomie sich nicht gegenseitig behindern. Zur besseren Erreichbarkeit der Parkhäuser wird das vorhandene Verkehrsleitsystem um den Hagenmarkt herum ergänzt (Güldenstraße, Lange Straße, Wendenstraße).“

SPD: Bankplatz als Vorbild nehmen

Auch die SPD-Fraktion plädiert dafür, nur den südlichen Bereich des Hagenmarktes mit einer wassergebundenen Decke zu versehen. Dazu fordert sie: „Im nördlichen Bereich wird die Rasenfläche um Blühwiesenstreifen oder niedrig wachsende Büsche ergänzt. Die Baumscheiben um die Bäume herum sind nach dem Vorbild des Bankplatzes möglichst großzügig anzulegen und mit blühenden Stauden oder einer Blumenmischung zu bepflanzen, um insektenfreundliche Inseln auf dem Platz zu schaffen. Es ist sicherzustellen, dass der Fahrradverkehr und die auf dem Platz geplante Außengastronomie sich nicht behindern, zum Beispiel durch entsprechende Farbgebungen.“

Grüne: „Es wird ein Kompromiss bleiben

Allen kann man es nicht recht machen – das ist das Fazit, das die Fraktion der Grünen aus der Diskussion um den Hagenmarkt und der Vorzugsvariante zieht. Sie hat noch folgende Vorschläge: „Um Passanten und Gäste in der Außengastronomie vom ständigen und aufdringlichen Suchen nach Fressbarem der am Hagenmarkt ansässigen Stadttauben zu entlasten, wird in unmittelbarer Nähe ein betreuter Taubenschlag nach den Empfehlungen des Landes Niedersachsen errichtet. Die Flächen um die Katharinenkirche herum sollen möglichst zeitnah ebenfalls umgestaltet werden. Dabei soll auch hier zum einen eine möglichst hohe Aufenthaltsqualität zum anderen ein möglichst großer ökologischer Wert im Vordergrund stehen.“

BIBS: Alle Robinien erhalten

Die BIBS möchte den Hagenmarkt im Großen und Ganzen so belassen, allerdings die Casparistraße beruhigen.„Die derzeit auf dem Hagenmarkt befindlichen Bäume bleiben erhalten. Zusätzlich erfolgt ein Ersatz von mindestens 25 Robinien, die 2017 dem Sturm Xavier zum Opfer gefallen sind. Sollten keine Robinien vorgesehen werden, erfolgt eine Bepflanzung mit großkronigen Baumarten. Auf dem Hauptteil des Platzes wird keine wassergebundene Decke geplant, sondern Rasen eingesät. Im nördlichen Bereich wird die Rasenfläche ergänzt, unter anderem um Blühwiesenstreifen und Büsche, die zugleich Lärm- und Staubeinträge mindern. Die Zufahrt über die Casparistraße wird nur für Lieferverkehr und Abholer freigegeben.“

Linke: Behutsam umgestalten

Neue Bänke ja, mehr Fahrrad-Abstellanlagen auch, aber kein neuer Platz – das ist in Kürze die Position der Linken zu den Hagenmarkt-Plänen. Sie fordert: „Die existierende Rasenfläche mit den natursteingepflasterte Wegen bleibt im Wesentlichen erhalten. Die noch vorhandenen Robinien werden nicht gefällt. Die Übergänge vom begrünten Bereich hin zu den einheitlich gestalteten Randbereichen und Verkehrsflächen werden behutsam gestaltet. Mit dem Hagenmarkt besitzt die Stadt eine 1983 preisgekrönte Anlage mit parkähnlicher Gestaltung in der Innenstadt. Es ist die einzige dieser Art innerhalb des Wallringes. Sogar eine funktionierende Entwässerung ist vorhanden.“

 

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