Viele Genossen und ein Kaiser | Neue Braunschweiger
14. September 2013
Politisches

Viele Genossen und ein Kaiser

Die „Klartext Open Air“-Tour der SPD machte am Mittwoch auf dem Schlossplatz Station.

Von Christoph Matthies, 15.09.2013

Braunschweig. Schlager und Sozialdemokratie gehören zu Deutschland wie Gartenzwerg und Sauerkraut. Bei der großen SPD-Wahlveranstaltung am Mittwoch vor dem Schloss freuten sich mehrere Hundert Besucher über beides.

„Manchmal möchte ich schon mit dir“: Es klang wie eine schlüpfrige Koalitionsanfrage an die Kanzlerin, die Roland Kaiser am Mittwoch in den Nachthimmel trällerte. Kurz bevor der Schlagerstar mit SPD-Parteibuch die Bühne betrat, hatte sich Sigmar Gabriel an gleicher Stelle allerdings noch vehement gegen ein schwarz-rotes Bündnis ausgesprochen.
„Abseits großer Krisen sind das oft nur Koalitionen des kleinsten gemeinsamen Nenners“, betonte der Parteivorsitzende der Sozialdemokraten und nannte gleich mehrere Bereiche, in denen Union und SPD weit auseinander liegen. Polit-Schwergewicht Gabriel nahm sich viel Zeit, die Fragen der Bürger zu beantworten, die sich trotz herbstlichen Wetters zahlreich versammelt hatten. Von den Strompreisen über Datenschutz bis Ehegattensplitting erklärte der Goslarer, warum seine Partei die besten Rezepte hätte.
Entsprechend dem SPD-Wahlkampfmotto „Das Wir entscheidet“ war Gabriel nicht alleine auf den Schlossplatz gekommen, vor ihm hatten schon die Direktkandidaten Carola Reimann (Braunschweig), Hubertus Heil (Gifhorn-Peine) und Achim Barchmann (Helmstedt-Wolfsburg) für sich geworben. Wie auch Detlef Tanke, Generalsekretär der niedersächsischen SPD, sprachen sie über sozialdemokratische Ideen wie Mindestlohn, Solidarrente und Bürgerversicherung.
„Ich will dafür sorgen, dass unsere Stadt auch weiterhin ein lebendiges Zentrum für Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur bleibt“, versprach Carola Reimann, sich in Berlin weiterhin für die Löwenstadt einzusetzen. Außerdem betonte sie die Bedeutung der Pflege als zentrales Thema heutiger Politik – eine Position, der Rifat Fersahoglu-Weber, Bezirksgeschäftsführer der AWO, auch wegen des Fachkräftemangels im Pflegebereich ausdrücklich zustimmte. Fersahoglu-Weber stand als Teil einer Bürgertalkrunde auf der Bühne, der außerdem Buchhändlerin Birgit Schollmeyer sowie Sozialdezernent Ulrich Markurth angehörten.
Und Roland Kaiser? „Schachmatt durch die Dame im Spiel“, sang der etwas später, und es hörte sich an wie eine Beschreibung des Duells Merkel/Steinbrück. Sigmar Gabriel sah das natürlich etwas anders: „Wenn wir mehr als 75 Prozent Wahlbeteiligung kriegen, regiert hinterher Peer Steinbrück mit den Grünen“, forderte der SPD-Chef dazu auf, vom Wahlrecht Gebrauch zu machen.

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