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Vier Entwürfe, viele Fragen: Erster Workshop geriet zäh

Etwa 60 Teilnehmer diskutierten über Vorschläge von Stadtplaner Walter Ackers

Die Gegensätze beim ersten Bürgerworkshop zum Hagenmarkt waren groß. Zu den 60 Teilnehmern zählten unter anderem auch Bernd Schroers von der Werbegemeinschaft Casparistraße (Vierter von links) und Olaf Jaeschke, Vorsitzender des Arbeitsausschusses Innenstadt (AAI, Sechster von links). Fotos: Nizar Fahem

Braunschweig. Romantisches Wäldchen oder Pavillon? Kirchhof mit Mauer oder Rosenbeet? Beim ersten Bürgerworkshop zum Hagenmarkt standen erstmals konkretere Vorschläge für die Neugestaltung zur Diskussion. Ergebnisse gab es am Ende der zähen Debatte nicht: Die Meinungen, welches Gesicht der Platz nun nach Sturm Xavier haben soll, gingen weit auseinander.

„Es müssen offensichtlich noch grundsätzliche Dinge geklärt werden“ fasste Stadtplaner Professor Walter Ackers das dreistündige „Arbeitstreffen“ zusammen. Ackers hatte im Auftrag der Stadt im Ganzen vier Ideenskizzen mit jeweils zwei Varianten für den Hagenmarkt ausgearbeitet. Darin enthalten: Die Vorschläge, die bereits bei der ersten Bürgerinformation im Februar gesammelt worden waren. Rund 60 Teilnehmern waren eingeladen, die Varianten in Arbeitsgruppen zu prüfen und ihren Favoriten zu nennen. Doch so weit kam es gar nicht: Einige Gruppen stießen sich bereits an den gesetzten Vorgaben, wünschten sich offenere Gestaltungsmöglichkeiten – vor allem in puncto Verkehr. „Welche Variante Sie auch bevorzugen: die geplante Tramhaltestelle an der nördlichen Seite des Platzes steht fest“, rammte Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer gleich zur Begrüßung schon einmal Pflöcke ein. Die Haltestelle sei Teil der Streckenverlängerung nach Gliesmarode. „Ab 2030 rollen hier dann nicht mehr 40 sondern 56 Straßenbahnen in der Stunde vorbei“, erläuterte Leuer. Warum die Haltestelle nach den Planungen allerdings unbedingt in der Mitte der Straße liegen muss, erschloss sich manchem Teilnehmer nicht. „Wenn man sie in den Platz integrieren würde, bräuchten die Fußgänger nicht die Fahrbahnen überqueren“, so der Gegenvorschlag.

Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer stellte die Pläne vor.

Überhaupt die Fahrbahnen. Wie viele sollen es sein? Fünf Spuren wie jetzt oder weniger? Darüber wurde beim Bürgerworkshop ausgiebig gestritten. „Schon beim Pförtnern des Bohlwegs brach der Verkehr regelmäßig zusammen“, winkte Bernd Schroers von der Werbegemeinschaft Casparistraße ab, befürchtete bei einer Reduzierung der Spuren ähnliche Staus auf dem Hagenmarkt. „Als Geschäftsmann wünsche ich mir, dass die Kunden möglichst leicht in die Stadt kommen“, betonte Schroers und fand es im Übrigen „wenig sinnvoll über die Streckenführung zu diskutieren, wenn ein entsprechendes Verkehrsgutachten noch gar nicht vorliegt.“

Weniger Fahrspuren, mehr Platz

Fakt ist: Mit einer Reduzierung der Fahrspuren wäre Raum gewonnen, „immerhin vier Meter“, betonte Leuer. Raum, der zum Beispiel für eine Baumreihe und einen breiteren Fußweg vor der Hagenmarkt-Apotheke, einen verbesserten Radweg vor der Hagen-Kemenate und für eine großzügigere Gestaltung des Platzes genutzt werden könnte. „Ein guter Ansatz“, befand Leonhard Pröttel vom Aktionsbündnis Move BS, der die Entwürfe von Ackers allerdings als „bereits viel zu konkret“ empfand.

Das Planungsbüro Ackers hatte für den Workshop vier Gestaltungsvarianten erstellt. Ein Vorschlag war ein Wäldchen um den Brunnen, ein weiterer der Bau eines Veranstaltungspavillons.

Die gerieten im Zuge der hitzigen Diskussion fast ganz in den Hintergrund. Immerhin: Die Begrünung der Nordseite mit Bäumen, die einheitliche Gestaltung von Platz und Kirche mit einem ähnlichen Pflaster und der Pavillon für Veranstaltungen fand die Zustimmung einiger Teilnehmer. Alles zurück auf Anfang also? Nein. In der nächsten Planungswerkstatt im Herbst, so der Stadtbaurat, sollen sich nach Möglichkeit ein oder zwei Vorzugsvarianten heraus kristallisieren, die dann in die Politik gehen. Der Umbau ist für 2019 anvisiert.

Professor Walter Ackers sah nach dem Workshop weiteren Klärungsbedarf.
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